Reto Lagler, Christoph Ernst, Peter Dransfeld, Kurt Egger und Markus Thalmann (vl). informierten am Montagnachmittag über die Zukunft des Kehlhofs. ⋌Kurt Peter
27.08.2026 04:00
«Das Haus neu denken»
Der Ermatinger Kehlhof soll mit Wohnen, Gastronomie und öffentlicher Nutzung gefüllt werden
Eine nachhaltige Nutzung und damit verbunden ein gewisser Grad an öffentlicher Zugänglichkeit ist das Ziel der Kehlhof AG für die gleichnamige Liegenschaft. Konkrete Pläne sind in Arbeit, Zeitdruck gibt es nicht. Drei Jahre geben sich die Aktionäre Zeit.
Ermatingen Fünf Aktionäre der Kehlhof AG informierten am Montagnachmittag über den Stand der Dinge. Die AG hat die Liegenschaft 2024 für 1,6 Millionen Franken als «Sicherungskauf» erworben. Reto Lagler, Kurt Egger, Christoph Ernst, Markus Thalmann und Peter Dransfeld sind zuversichtlich, dem Kehlhof eine gesicherte und nachhaltige Zukunft geben zu können.
Nutzungen sorgfältig prüfen
«Wir beschäftigen uns aktuell mit Vermietung und Unterhalt», sagt Kurt Egger. Drei Wohnungen und diverse Lagerräume sowie der Keller seien vermietet, was die Kosten abdecke. «Es geht uns damit auf», erklärt Kurt Egger. Man könne und wolle im Kehlhof wohnen, betont er. Dabei sei aber kein Luxus wie in einem Neubau zu erwarten, aber «die Mieterinnen und Mieter profitieren von günstigen Preisen». Es gehe aktuell aber auch auf, weil viele Arbeiten unentgeltlich gemacht würden. Zeitlich sei die AG daher nicht unter Druck. «Mit dem Vorteil, künftige Nutzungen sorgfältig prüfen zu können».
Der Kehlhof sei und bleibe ein Ort für die Öffentlichkeit, so Peter Dransfeld. Scheune, Hof und Gerichtsstube könnten für verschiedene Anlässe gemietet werden, «wir hatten seit dem Kauf rund 60 Veranstaltungen im Kehlhof, darunter Publikumsmagnete wie die Kehlhofserenade. Doch das alte Gebäude habe Ansprüche, erklärt Christoph Ernst, daher sei eine Absprache mit der Denkmalpflege wichtig, auch was eine künftige Nutzung betreffe.
Gastronomie im Erdgeschoss
Fast 70 Jahre sei im Haus nichts gemacht worden, blickt Kurt Egger zurück, «verwahrlost ist der Kehlhof aber sicher nicht». Neben kleineren Reparaturen sei auch eine Entrümpelung über die Bühne gegangen. Viele, vor allem landwirtschaftliche Gegenstände und Werkzeuge sind noch zu vorhanden. «Wir werden damit sorgfältig umgehen, diese zu vernichten ist keine Lösung und sie stehen uns auch nicht im Weg», sagt Markus Thalmann. Für die Kehlhof AG sei es mit Blick in die Zukunft wichtig, dass ein gewisser Grad an öffentlicher Nutzung bestehen bleibe, erklärt Peter Dransfeld.
Diese Nutzung soll etwa ein Drittel ausmachen. Ein Drittel der Fläche werde als Wohnzweck zur Verfügung stehen, ein Drittel soll gastronomischer Nutzung dienen. Die AG denke an das Erdgeschoss. «Es soll keine permanente, sondern eine temporäre Gastwirtschaft sein, mit angepassten Öffnungszeiten». Es sei klar, ergänzt Christoph Ernst, dass für eine Gastronutzung investiert werden müsse. Dabei sei, wie überall bei Umbauten und Sanierungen, der Brandschutz ein grosses Thema. «Eher weniger Aufwand erwarten wir in den Wohnungen und Gerichtsstube, die nach wie vor der Öffentlichkeit zugänglich bleibt».
Konkrete Gespräche laufen
Die Wohnungen seien wohl einfacher zu vermieten als der Gastronomiebereich, meint Peter Dransfeld. Deshalb sei die AG mit Profis im Gespräch. Denn vor einer baulichen Ertüchtigung sei es wichtig zu wissen, welchen Ansprüchen eine Gastwirtschaft zu genügen habe. Der Ansatz: «Wir wollen bodenständig bleiben, neu denken ja, Abbruch nein», sagt er zu diesem Thema. Er schätze, dass in einen zeitgemässen Standard von Gastronomie, Wohnungen und Lager mehrere Millionen investiert werden müssten. Umso wichtiger sei es, meint Reto Lagler dazu, dass Nutzungen konkretisiert seien. «Nichts wäre schlimmer, als ein Schnellschuss, nur um einen Teil der Fläche vermieten zu können».
Deshalb seien die laufenden Gespräche so wichtig. Die AG habe Kontakt mit Schulgemeinde, politischer Gemeinde und Vereinen. «Wir können ein Angebot an Räumlichkeiten machen, die von Interesse für Gemeinden und Vereine sind, beispielsweise könnte im Kehlhof eine Bibliothek realisiert werden». Auch Probe- und Vereinsräume wären denkbar, aber es müsse alles in ein klar abgestimmtes Konzept passen. Drei Jahre gibt sich die Kehlhof AG noch Zeit, nach dem Motto «Nachhaltigkeit statt Geschwindigkeit» passende Nutzungskonzepte zu finden. Wenn das Ziel der AG nicht aufgehe, gebe es auch die Option, den Kehlhof wieder auf den freien Markt zu geben. Daran denken die Aktionäre im Moment aber ganz und gar nicht.
Von Kurt Peter