Attila Wohlrab: «Der Austausch mit dem Stadtrat funktioniert». Kurt Peter
07.08.2025 08:00
«Höhere Steuern sind unnötig»
Arbeitgeberpräsident Attila Wohlrab lobt die Zusammenarbeit, kritisiert aber mangelnde Kooperation mit Kanton
Der Arbeitgeberverband Kreuzlingen zieht Halbzeitbilanz der Legislatur 2023 bis 2027. Präsident Attila Wohlrab lobt das neue Stadtahusprojekt, kritisiert mangelnde Koordination zwischen Stadt und Kanton bei Baustellen und gibt dem Stadtrat die Note «genügend-gut».
Ein Blick zurück, Attila Wohlrab, wie war die Zusammenarbeit mit dem Stadtrat?
Attila Wohlrab: Seit der Corona-Pandemie treffen sich Arbeitgeberverband und Gewerbeverband einmal jährlich mit Stadtpräsident Thomas Niederberger. Es sind sehr offene und ehrliche Gespräche, ein guter Austausch mit Feedback und kurzem Dienstweg. Für uns als Wirtschaftsvertreter ist es wichtig, dass der Stadtrat Rücksicht auf das lokale Gewerbe nimmt.
Was war für Sie besonders spannend in den vergangenen Jahren?
Ich konnte in der Arbeitsgruppe für die neue Stadtverwaltung Einsitz nehmen. Wir haben für dieses Projekt einen breiten Konsens gefunden. Eine funktionierende Verwaltung ist für Arbeitgeber und Gewerbe wichtig. Das vorliegende Resultat stimmt für uns, denn die Abläufe im Haus sind vernünftig geplant. Wichtig war uns auch, den Raumbedarf in Zeiten zunehmender Digitalisierung vernünftig zu planen. Und natürlich die Kosten im Auge zu behalten, nicht nur für den Bau, sondern auch für den späteren Betrieb und Unterhalt.
Projekte wie das Bad Egelsee wurden umgesetzt, andere wie die Bodensee-Arena oder eben die Verwaltung stehen noch an.
Wir wissen seit 30 Jahren mehr oder weniger, welche Projekte in der Stadt anstehen. Das Bad Egelsee wurde optimal umgesetzt und zeigt, dass eine sehr gute Zusammenarbeit mit den verschiedenen Beteiligten, hier war es die Schule, wichtig ist. Die Verwaltung ist auf gutem Weg und ich blicke optimistisch auf die Abstimmung. Mehr Einsatz von den Befürwortern und auch den Parteien wird es bei der Bodensee-Arena brauchen. Noch immer stösst die scheinbar mangelnde Beteiligung der Stadt Konstanz manchen sauer auf. Ein Kompliment an Thomas Niederberger, denn immerhin kommen jährliche Betriebsbeiträge aus der deutschen Nachbarstadt und aus einigen Nachbargemeinden. Das war eine Herkulesaufgabe, wäre gleichzeitig auch schon früher bei anderen Zentrumsaufgaben wichtig gewesen. Bei der Bodenseearena entscheidet schlussendlich das Volk, ob es diese Sanierung und den Ausbau will.
Die vielen Baustellen sorgen für grossen Ärger und das wird in den kommenden Jahren wohl auch so bleiben. Was sagen Sie dazu?
Die zahlreichen Staus sind vor allem für die lokalen Handwerksbetriebe und auch Menschen die auf das Auto angewiesen sind, belastend und ärgerlich. Zusammen mit dem Gewerbe verlangen wir, dass nicht nur von Seiten der Stadt ein Verantwortlicher mit Namen dasteht, sondern auch vom Kanton eine Ansprechperson genannt werden muss. Es kann nicht sein, dass Sandro Nöthiger als Leiter Tiefbau der Stadt den ganzen Frust der Bevölkerung alleine tragen muss. Die Koordination in diesem Bereich könnte meiner Meinung nach damit verbessert werden. Ohnehin sollte sich der Stadtrat beim Kanton mehr gegen unsinnige Entscheidungen wehren. Dabei muss ich auch uns als Kantonsrat in die Pflicht nehmen. Wir müssen dafür sorgen, dass nicht jede Empfehlung gleich zur Vorschrift wird.
Immer wieder sind die Finanzen ein Thema. Und damit natürlich auch Steuerfuss und Sparmassnahmen.
Es gibt in Kreuzlingen keinen grossen Wurf beim Sparen. Es sind die vielen kleinen Sachen, die im Budget auf ihre Notwendigkeit hin geprüft werden müssen. Das auch nicht erst in der Budgetbesprechung, sondern schon vorgängig auf Jahre. Der Staat hat leider die Tendenz, die Ausgabe immer zu erhöhen. Es geht um Sparmassnahmen, ohne die zweifellos vorhandene Lebensqualität der Stadt zu senken. Und natürlich gilt es, zwischen gebundenen und ungebundenen Ausgaben zu unterscheiden. Einiges wird der Stadt ja quasi aufgedrückt. Auch da müsste ein Widerstand, je nach Vorgabe, geprüft werden. Bei möglichen Sparmassnahmen ist der Stadtrat auf Vorschläge aus der Verwaltung und von mir aus auch aus der Bevölkerung angewiesen. Aus aktueller Sicht ist eine Steuererhöhung nicht nötig. Wichtig für die Wirtschaft und die Bevölkerung ist vor allem, dass die Kreuzlinger Verwaltung kundenfreundlich ist.
In der Diskussion stehen aktuell auch Gemeindefusionen. Wie steht die Wirtschaft dazu?
Der Fusionsgedanke ist auch im Grossen Rat präsent. Und er wird immer aktueller, Tendenzen sind in einigen Gemeinden schon ersichtlich. Dass Kreuzlingen und die Nachbargemeinden irgendwann auch davon betroffen sind, ist für mich klar. Sicher aber ist, dass vor allem kleinere Gemeinden immer mehr mit Fachkräftemangel konfrontiert sind und es schwer haben, geeignetes Fachpersonal für die Verwaltung zu finden. Eine gewisse Politikverdrossenheit erschwert es zusätzlich, Personen für politische Ämter zu finden. Die Wirtschaft befürwortet vernünftige Fusionen auch im Hinblick auf Sparpotenzial, Effizienz und Professionalisierung.
Was ist für Sie in den beiden Jahren bis zum Ende der Legislatur wichtig?
Dass der Stadtrat immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Wirtschaft hat und auf das lokale Gewerbe achtet. Und dass der Stadtrat weiterhin haushälterisch mit den Finanzen umgeht. Wichtig ist auch, dass dem Milizsystem Sorge getragen wird. Es sind die Vereine und damit unzählige Ehrenamtliche, die das Leben in der Stadt prägen. Sei es in der Kultur, dem Sport, im sozialen Bereich oder dem gesellschaftlichen Zusammenhalt und natürlich auch in der Politik. So tragen die attraktiven Veranstaltungen auf dem Boulevard meiner Meinung nach viel Wertvolles zur guten Atmosphäre und wichtige Begegnungen in der Stadt bei. Ich persönlich wünsche mir für die kommenden Jahre eine bessere Koordination zwischen Stadt und Kanton, um die Verkehrsproblematik zu mindern.
Welche Note geben Sie dem Stadtrat und dem Stadtpräsidenten in der Legislaturhalbzeit?
Es wäre wünschenswert, wenn der Stadtrat verreinter gegen aussen auftreten und die Kommunikation verbessern würde. Daher gebe ich dem Gesamtstadtrat ein «genügend-gut», dem Stadtpräsident ein «gut».
Interview: Kurt Peter