René Brauchli wurde von Raffaella Strähl aus der Rechnungsprüfungskommission verabschiedet. Kurt Peter
26.11.2025 08:00
In den sauren Apfel beissen müssen
Gemeindeversammmlung Kemmental sagt Ja zum Kredit Vollausbau Swisscom - Wasser wird teurer
Wasser und Glasfasernetz waren die bestimmenden Themen an der Budgetgemeindeversammlung im Kemmental. Zwar wurden alle Vorlagen angenommen, doch beim Wasserpreis und dem Vollausbau Swisscom gab es vorgängig hitzige Diskussionen.
Kemmental 103 Stimmberechtigte konnte Gemeindepräsidentin Raffaella Strähl an der Gemeindeversammlung in der Mehrzweckhalle Alterswilen begrüssen. Die ersten drei Investitionskredite wurden von den Stimmberechtigten mit grosser Mehrheit angenommen. Beim Antrag des Gemeinderates über einen Investitionskredit für die Transportleitung der Wasserversorgung Region Kreuzlingen Beckelswilen – Engelswilen stand die Frage im Raum, ob die Gemeinde wisse, «was im Bereich Wasser noch alles auf uns zukommt». Gemeinderat Jan Dubsky sprach von vorhandenen Plänen beim Trinkwasser, aber noch nicht beim Abwasser. Da 2050 ein neues Wasserwerk in Kreuzlingen erstellt werden müsse, werde der Wasserpreis weiter steigen. «Dieser ist aktuell nicht kostendeckend». Die Stimmberechtigten bewilligten den Kredit mit 7 Nein-Stimmen.
Nicht Aufgabe der Gemeinde
Jan Dubsky musste beim Traktandum «Nachtragskredit Vollausbau Swisscom» über 2,44 Millionen Franken feststellen, dass «es keinen Ausweg gibt und wir den Vertrag erfüllen müssen, wenn wir keinen Netzverlust und Strafkosten in Kauf nehmen wollen». Eigentlich hätten die Arbeiten bis Ende 2024 zu Ende sein sollen, nun sei das Ziel, bis Ende 2026 alle Anschlüsse realisiert zu haben. «Wir bauen, was wir können», sagte er. Das Netz stelle einen Gegenwert da und es sei die Absicht des Gemeinderates, dieses nach Fertigstellung einem Provider gegen Gebühren zur Verfügung zu stellen.
«Wenn wir das Netz nicht fertig bauen, haben wir nichts», stelle Jan Dubsky fest. Die Frage, ob die Gemeinde eine solche Aufgabe überhaupt übernehmen solle, hätte vor zehn Jahren gestellt werden müssen, blickte er zurück. Für die Weiterführung und Verbesserungen der fehlerhaften und unvollständigen Dokumentation im Abschnitt Schwaderloh und Neuwilen lägen die Kostenschätzungen vor. Für Josef Mattle war klar: «Es bleibt uns nichts anderes übrig als zuzustimmen, doch Kabelnetze gehören in die Hand von Fachleuten und nicht von Gemeinden». Schliesslich sagten die Stimmberechtigten bei 10 Gegenstimmen Ja zum Kredit.
Komplexe Wasserversorgung
«Wenn wir nichts machen steigen die Schulden der Wasserversorgung weiter an», begann Raffaella Strähl das Traktandum «Wasserversorgung Tarife 2026». Die Gebühren sollten verbrauchsorientiert angepasst werden. Da die Wasserversorgung Kemmental äusserst komplex sei «sieht auch der Preisüberwacher bei diesem Dschungel noch nicht durch». Da die vorgeschlagene Erhöhung von 50 Rappen per Kubikmeter beim Preisüberwacher auf Skepsis gestossen sei, schlage der Gemeinderat neu die Erhöhung von nur 20 Rappern auf 2 Franken pro Kubikmeter vor. Damit konnte sich Urs Dünner als Grossverbraucher gar nicht einverstanden erklären und fragte die Gemeindepräsidentin, ob über einen Mengenrabatt nachgedacht worden sei.
Er sprach gar von «Diktaur, wenn Kleinverbraucher gleich viele Stimmen haben wie Grossverbraucher». Raffaella Strähl konnte einem Mengenrabatt nichts abgewinnen, denn «wir müssen die Schulden in den Griff bekommen und ein solcher Rabatt ist keine Lösung». Alle müssten ein bisschen bluten, gab sie zu bedenken. Die Situation sei auch für den Gemeinderat unbefriedigend. Mit 13 Gegenstimmen beschloss die Gemeindeversammlung, den Tarif um 20 Rappen zu erhöhen.
Neues Personal in der Verwaltung
Das vorliegende Budget 2026, das bei einem gleichbleibenden Steuerfuss von 58 Prozent einen Gewinn von knapp 340 000 Franken und Investitionen von 5,7 Millionen Franken vorsieht, wurde von den Stimmberechtigten diskussionslos genehmigt. Die neue Gemeindeordnung, zu deren Überarbeitung sich eine Arbeitsgruppe aus der Gemeinde zur Verfügung gestellt hatte, wurde mit nur 3 Gegenstimmen von der Gemeindeversammlung genehmigt. So wird es ab 1. Januar keine Rechnungsprüfungskommission mehr geben. Aus dieser wurden an der Gemeindeversammlung René Brauchli und Andy Hodel verabschiedet. Die neue Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission, so Raffaella Strähl, hätte erweitere Kompetenzen und Kontrollaufgaben.
Abschliessend informierte die Gemeindepräsidentin über die personellen Wechsel. Ab 1. Januar übernehme ein neuer Leiter Tiefbau, Hochbau und Umwelt sein Amt. Ebenfalls ab 1. Januar sei eine neue Leiterin Sozialkompetenzarbeit im Amt. Für Katharina Grünig, welche die Aufgabe interimsmässig übernommen habe, sei dies die letzte Gemeindeversammlung, ab 1. Januar werde ein neuer Gemeindeschreiber die Arbeit übernehmen.
Von Kurt Peter