Renata Egli und Damian Brot blicken auf zehn erfolgreiche Jahre Café-Treff Philosophie zurück. Kurt Peter
12.02.2026 07:00
«Jeder ist ein Philosoph»
Nach zehn Jahren Café-Treff Philosophie läuft die Reihe mit einem Festakt am Freitag, 13. Februar, aus
Am 13. Februar endet nach zehn Jahren die Reihe Café-Treff Philosophie. Von Renata Egli und ihrem Ehemann Urs ins Leben gerufen war es eine Erfolgsgeschichte. So vielfältig wie die Jahresthemen waren die Referentinnen und Referenten.
Kreuzlingen Es sei eine Kolumne im Kirchenboten gewesen, die sie sehr verärgert habe. Eine stark fundamentale Meinungsäusserung, die sich gegen Ökumene und Öffnung ausgesprochen habe. «Ich bin aktives Mitglied der Kirche und bin es gerne, aber ich stehe für Offenheit, also habe ich mich an die damalige Kirchenvorsteherschaft gewandt», kann sich Renata Egli noch gut erinnern. Die Folge war eine Aussprache mit Pfarrer Damian Brot, der sie darauf hinwies, dass es auch in der evangelischen Kirche viele Glaubensstile gebe.
Eine grosse Themenvielfalt
«Das war die Geburtsstunde des Café-Treffs Philosophie, die Idee, eine Reihe zu kreieren, die sich unter einem Jahresthema vielschichtig mit Menschen, mit Ansichten, mit Fragen des Lebens ganz allgemein beschäftigt, aber auch informiert und Diskussionen zulässt». Das Open Place war der Ort des Treffs. Auch deshalb geeignet, weil das ein «Platz ist, an dem Ideen von den Initianten selbst umgesetzt werden können, Wünsche erfüllen wir keine», erklärt Damian Brot. Er kann sich gut an den Beginn erinnern. Das erste Jahresthema sei «Emotionen» gewesen und diese seien auch geweckt worden. Für Renata Egli war es immer wichtig, dass die Referentinnen und Referenten eine gut verständliche Sprache verwendet hätten. «Wir wollten von Anfang an nicht nur Akademiker ansprechen, sondern eine grosse Breite an Interessierten».
Das Ziel sei erreicht worden, denn das Café-Treff Philosophie sei durchschnittlich von jeweils 30 bis 50 Personen besucht worden. Da habe sicher auch ihr Motto nach Sokrates «jeder ist ein Philosoph» geholfen. «Die Jahresthemen sollten die Menschen interessieren und ins Café bringen, das ist uns durch die grosse Vielfalt auch gelungen», sagt Damian Brot.
Viele helfende Hände
Besonders eindrücklich seien die Referate zum Thema «Sterben und Tod» gewesen, so Renata Egli. Anfangs habe etwas Skepsis geherrscht, «doch die bis auf den letzten Platz gefüllte Kirche Kurzrickenbach beim Referat von Walter Lang zeigte auf, dass das Thema auf sehr grosses Interesse stiess». Wenn möglich habe das Café-Treff Philosophie auf Referentinnen und Referenten aus der Region gesetzt, «dabei haben wir unser Netzwerk genutzt und in der Folge konnten wir auch viele gute alte Freunde an den Abenden begrüssen», blicken Renata Egli und Damian Brot zurück.
Trotz aller Beziehungen sei die Organisation schon ein grosser Aufwand gewesen, sagt Renata Egli. Sie sei deshalb auch froh um jede Unterstützung gewesen. Helfende Hände habe es in vielen Bereichen gegeben, beispielsweise beim jeweils abschliessenden Imbiss oder bei der Einrichtung der Computerpräsentationen. «Grosse Unterstützung habe ich von Damian Brot und Pfarrer Gunnar Brendler erhalten, dafür bin ich sehr dankbar». Sechs Veranstaltungen jährlich auf die Beine zu stellen sei Teamwork, kein Alleingang.
Neues Angebot «Impuls z'Mittag»
«Für mich es Zeit für etwas Neues und ich bin froh, die Reihe auch aus Altersgründen abgeben zu dürfen», sagt Renata Egli. Morgen Freitag, 13. Februar, 19 Uhr, findet anlässlich des Abschlusses der Reihe ein offizieller Festakt in der Kirche Kurzrickenbach statt. Nationalrätin Nina Schläfli wird zu «Demokratie und Bildung» referieren, Dr. Marko Hust zu «Psychische Gesundheit und Teilhabe» und Prof. Dr. Christina aus der Au zu Glaube und Bildung». Der Abend wird auch musikalisch umrahmt. Sie sei berührt und habe fast ein schlechtes Gewissen, spreche aber auch einen grossen Dank an alle aus, die sie in den Jahren unterstützt hätten, erklärt Renata Egli.
Die Reihe Café Treff Philosophie wird nicht fortgesetzt. Das Open Place bietet aber neu einen so genannten «Impuls z`Mittag» an. Damit wolle man Menschen abholen, die wenig Zugang und Ressourcen zur Bildung hätten, so Damian Brot. Einmal im Monat gebe es an dem «Impuls z'Mittag» im Open Place Kurzreferate zu verschiedenen Themen und es bleibe Zeit für Diskussion und Fragen. Die Reihe stehe unter der Leitung von Benjamin Arntzen, der seine Ausbildung als Diakon absolviere und werde von der Internationalen Bodensee Konferenz unterstützt.
Von Kurt Peter