Cornelia Zecchinel, Michele Pizzolante, Jürg Bregenzer, Reto Müller, Eve Hübscher und Anja Illmaier (vl). beim symbolischen Kult-X-Spatenstich. ⋌Kurt Peter
12.08.2026 07:50
«Nährboden für neue Ideen»
Übergangsnutzung findet im Kunstraum statt - Eröffnung des neuen Kulturzentrums Ende 2027
Der Baustart im Kult-X ist auch der Start für eine Übergangsphase. Veranstaltungen finden in den kommenden 18 Monaten im Kunstraum statt. Das Ziel: Das Kulturzentrum nach wie vor am Leben und im Gedächtnis der Bevölkerung halten.
Kreuzlingen Für den zuständigen Stadtrat Daniel Moos war der vergangene Montag ein besonderer Tag. «Der symbolische Spatenstich ist ein Meilenstein, der ohne die Unterstützung der Bevölkerung nicht möglich gewesen wäre», sagte er mit dem Verweis auf die erfolgreiche Volksabstimmung vom September 2021. Dieses damals ausgesprochene Vertrauen sei auch ein Auftrag, das Projekt sorgfältig umzusetzen. Von der Abstimmung bis zum Baubeginn seien zahlreiche Ideen und Veränderungen eingeflossen, so sei auch nun vorliegende Zwischenlösung im Kunstraum umgesetzt worden.
Modernes Zentrum eröffnen
«Das ermöglicht tragfähige Nutzungen für die Vereine während der Bauzeit», so der Stadtrat. Das Kulturzentrum werde dadurch nicht nur saniert, sondern inhaltlich und organisatorisch weiter gestärkt. Erfreulich sei, dass sich das Projekt sowohl terminlich wie auch finanziell auf Kurs befinde und «wir Ende 2027 ein modernes Kulturzentrum eröffnen können». Die bisherigen Ausschreibungen und Vergaben zeigten, dass der bewilligte Kostenrahmen von sieben Millionen Franken eingehalten werden könne. «Der Spatenstich steht für das Vertrauen der Bevölkerung, für die gute Zusammenarbeit alle Beteiligten und für die gemeinsame Überzeugung, dass Kultur ein wichtiger Bestandteil einer lebendigen und attraktiven Stadt ist», erklärte Daniel Moos.
«Ein wichtiges Prinzip in der bisherigen Planung war für uns, die späteren Nutzenden eng einzubeziehen. Das Kulturzentrum soll schliesslich nicht nur baulich überzeugen, sondern vor allem im täglichen Betrieb funktionieren», ging Michele Pizzolante, Leiter Departement Gesellschaft und Liegenschaften auf die vergangenen Wochen ein. Nach den ersten Grundsatzdiskussionen seien im März die konkreten Nutzungsanforderungen, Raumanpassungen sowie Materialien und Farben vertieft worden. «Die Finalabstimmung erfolgte im Mai mit der Arbeitsgruppe Nutzung und Betrieb, das Konzept wurde freigegeben und der Startschuss für die Ausführungsplanung erfolgte».
Schritt der Veränderung
Definitiv in die Umsetzung sei es im Juli 2026 gegangen, fuhr Michele Pizzolante, nachdem die Baubewilligung eingetroffen sei. Mittlerweile seien über 80 Prozent der baubezogenen Leistungen vergeben. «Besonders erfreulich ist, dass ein grosser Teil der Arbeiten an Unternehmen aus Kreuzlingen beziehungsweise aus dem Kanton Thurgau vergeben werden konnte. Damit bleibt ein bedeutender Teil der Wertschöpfung in unserer Stadt und unserer Region». Das gemeinsame Ziel: Ende 2027 ein Kulturzentrum zu übergeben, das architektonisch zurückhaltend und funktional sei und doch viel Raum biete für Kultur und Begegnung.
Die Thurgauische Kunstgesellschaft betreibt im Kult-X den Kunstraum. Präsidentin Cornelia Zecchinel sprach im Zusammenhang mit dem Betrieb im Provisorium von einem «einschneidenden und zugleich wichtigen Schritt der Veränderung». Der Schritt hin zu einem neuen gemeinsamen Kunst- und Kulturzentrum sei für die Thurgauische Kunstgesellschaft Bestätigung und zugleich Motivation, auch in Zukunft Wagnisse und Experimente einzugehen. «Im Provisorium während des Umbaus treffen sich kulturell engagierte Menschen aus unterschiedlichen Sparten der Künste über gemeinsame Veranstaltungen und Programme».
Die Jugend begeistern
Kurator Reto Müller hob vor allem die gemeinsame Zukunft Kult-X und Kunstraum hervor. «Wir machen einen tollen Schritt in eine neue Zukunft und es ist eine grosse Chance für Austausch sowie die Nutzung von Synergien. Das Spezielle dieser gemeinsamen Zukunft: «Wir lassen ganz verschiedene Flughöhen an Formen der Kultur und an Professionalität der Organisation zu, bieten damit einen niederschwelligen Zugang und setzen darauf, das Kulturzentrum noch näher an die Menschen zu bringen. Und Kult-X-Co-Leiterin Eve Hübscher fügte hinzu: «Das Kult-X wird durch verschiedene Aktionen und Angebote die Jugend der Region begeistern können». Am Grundkonzept ändere sich nichts, die nutzenden Vereine würden weiterhin die Räumlichkeiten belegen können, zusätzlich gebe es im neuen Haus aber auch Räume für Begegnungen, neue Angebote, «und Raum für alle, am Kult-X mitgestalten wollen. Nährboden für neue Ideen». Stadtrat Daniel Moos bezeichnete dies als «organisches Wachstum ohne Vorgaben durch die Stadt».
Kult-X-Präsident Jürg Bregenzer lobte Stadt und Kunstgesellschaft für dieses Wagnis des gemeinsamen Weges. «Eine gewisse Unsicherheit muss sein, das gehört einfach zu einer weiteren Entwicklung». Eine Entwicklung, die Eve Hübscher anhand von Zahlen deutlich machte: In nur drei Jahren ist die Zahl der Veranstaltungen von 275 im Jahr 2023 auf 412 im Jahr 2025 gestiegen. «Ein klares Indiz für das Bedürfnis».
Von Kurt Peter