17.03.2022 08:00
Christentum und Sozialismus
Der Kreuzlinger Café-Treff Philosophie diskutiert über Trennendes und Verbindendes der beiden Modelle
Seit 2016 bereichert der Café-Treff Philosophie das Open Place der evangelischen Gemeinde in Kreuzlingen-Kurzrickenbach. Gegründet wurde es von Renata Egli-Gerber und ihrem inzwischen verstorbenen Mann Urs Egli.
Kreuzlingen «Die Idee ist, am Open Place neben Seelsorge und Hilfe bei der Grundversorgung zusätzlich Bildung anzubieten, und zwar auch jenen Menschen, die sich selbst als eher kirchenfern betrachten», so die Leiterin des Programms. Bisher hatte sie Fachleute zu Emotionen, Menschenwürde, Sprache oder Wahrheit zu Wort kommen lassen. Nun soll es um das Verhältnis von Christentum und Sozialismus gehen. «Wir haben uns als Open Place das ganze Jahr dem Thema ‘Arm und Reich’ gewidmet», sagt Pfarrer Damian Brot. Der Gedanke, sich als Christ mit dem alternativen Denkmodell Sozialismus auseinanderzusetzen, lag also nah. «Die beiden Erklärungsmodelle für die Welt haben durchaus gemeinsame Werte, aber beide haben ihre Schattenseiten», so der Geistliche.
Um fundiert philosophieren zu können, braucht man Wissen. Das vermittelt am 25. März Pfarrer Johannes Bardill aus Horgen, der einem breiteren Publikum als Teil des Radiopredigt-Teams von SRF bekannt ist. Er referiert über die Einstellung der evangelisch-reformieren Kirche zur Arbeiterbewegung. Die Industrialisierung vor 120 Jahren brachte einen gesellschaftlichen Umbruch mit sich. Die Kirche musste – und muss bis heute - darauf reagieren. Am 29. April wird Markus Ries, Professor für Kirchengeschichte an der Universität Luzern, sprechen. «Wir wollten auf jeden Fall die katholische Seite zu Wort kommen lassen», so Renata Egli-Gerber. «Und Professor Ries ist nicht nur bewandert in katholischer Soziallehre, Befreiungstheologie und dem Antikommunismus in der katholischen Kirche, sondern ausserdem ein Thurgauer.» Am 1. Mai wird die Thurgauer Kantonsrätin und SP-Politikerin Nina Schläfli bei einem Dialog-Gottesdienst um 10 Uhr eine Ansprache in der Kirche Kurzrickenbach halten. «Der Raum nötigt mir durchaus Respekt ab», sagt die Historikerin aus Kreuzlingen. «aber ich nehme die Gelegenheit gerne wahr, mich einmal abseits des politischen Alltagsgeschäfts mit Grundsätzlichem auseinanderzusetzen.»
Bis zu 50 Teilnehmer kommen erfahrungsgemäss zu den abendlichen Gesprächsrunden in der Kirche in Kurzrickenbach. Sie dürfen nach dem 50-minüten Einführungsreferat und der Pause mit Imbiss selbst mitdiskutieren oder Fragen stellen. Das Format wird gut angenommen. Dementsprechend gibt es auch bereits einen Plan für die zweite Jahreshälfte: «Wir haben uns die Themen ‘Tod und Sterben’ vorgenommen», so Egli-Gerber. «Uns geht es darum, wann die Menschen darüber sprechen und wann sie darüber schweigen.»
Bei den Abendveranstaltungen – und selbstverständlich beim Gottesdienst - wird kein Eintritt verlangt. Es gibt aber jeweils eine Kollekte.
Freitag, 25. März, 20 Uhr, Kirche Kurzrickenbach
Einführungreferat: Pfarrer Johannes Bardill, Horgen: Die Industrialisierung vor 120 Jahren brachte einen grossen Umbruch in der Gesellschaft. Wie reagierte die evangelisch-reformierte Kirche auf die Arbeiterbewegung? Wie ist es heute?
Freitag, 29. April, 20 Uhr, Kirche Kurzrickenbach:
Einführungsreferat: Prof. Dr. Markus Ries, Luzern: Welche Rolle spielen heute in der katholischen Kirche Antikommunismus, katholische Soziallehre und Befreiungstheologie? Wie wirken sie sich auf das kirchliche Leben aus?
Sonntag, 1. Mai, 10 Uhr, Kirche Kurzrickenbach: Dialoggottesdienst mit Pfarrer Damian Brot und der Thurgauer SP-Präsidentin und Kantonsrätin Nina Schläfli.
red