22.05.2025 05:00
Gutes, kompaktes Projekt
Erweiterung und Sanierung der städtischen Verwaltungsliegenschaften kommt 2026 vors Stimmvolk
Im Januar 2026 wird der Gemeinderat über ein Kreditbegehren von 49,4 Millionen Franken für Neubau und Sanierung der städtischen Verwaltungsliegenschaften abstimmen. Die Vorprojekte inklusive Kosten liegen vor.
Kreuzlingen Stadtpräsident Thomas Niederberger spricht im Zusammenhang mit dem Vorprojekt von einem «Meilenstein für beide Standorte Sallmansches Haus und Boulevard». Vor einem Jahr seien die beiden Siegerprojekte im Modehaus Rudolf präsentiert worden und nun läge die Weiterbearbeitung vor. «Die beiden Projektgruppen sind in zehn Sitzungen immer mehr ins Detail gegangen, zusammen mit Architekten, Planern und in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege».
Aussenansicht bleibt
Stadtrat Ernst Zülle erklärte zum Standort Sallmansches Haus, dass die Liegenschaft als wertvoll eingestuft sei, bei der Scheune sei der Schutzstatus noch pendent. «Zentral für die Überlegungen war die Scheune, die in der Aussenansicht nicht verändert wird». Der Kern des Hauses werde neu gebaut. Der Bau zwischen Scheune und Sallmanschem Haus werde abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. Hier befinde sich dann auch der Lift, der die Gesamtanlage erschliesse. Der Narrenkeller bekomme dadurch einen behindertengerechten, neuen, unterirdischen Zugang.
Markus Brüllmann, Chef des Departementes Sozial sprach im Zusammenhang mit diesem Standort von einer «in sich geschlossenen Verwaltungseinheit». Das ganze Haus werde vollumfänglich in Betrieb genommen und alle Abteilungen des Departementes könnten untergebracht werden. Das heisse, dass die Arbeitsintegration und die Sozialversicherungen von der Marktstrasse ins Sallmannsche Haus umziehen würden.
Landabtausch nötig
Die Platzsituation mit den grossen Bäumen und dem Brunnen bleibe unverändert. «Auf dem Scheunendach können wir mit Zusage der Denkmalpflege eine Photovoltaikanlage installieren», erklärt Markus Brüllmann. Geheizt wird die Gesamtanlage mit Erdwärme, weitere energetische Massnahmen müssten getroffen werden, «allerdings stossen die Planer in denkmalgeschützten Häusern an Grenzen». Thomas Knupp, Leiter Finanzen, rechnet mit Kosten von knapp 11,4 Millionen Franken. «Bei beiden Projekten gilt, dass der Fokus auf dem Notwendigen und der Funktionalität lag».
Für die Umsetzung des Neubaus der Verwaltung am Boulevard ist ein Landtausch mit der Häberlin Architekten AG notwendig. «Der Tauschvertrag ist beurkundet, natürlich unter Vorbehalt der Volksabstimmung», erklärt Thomas Niederberger. Die Stadt tauscht demnach Land an der Markstrasse/Sonnenstrasse gegen die Parzellen am und hinter dem Boulevard, unter anderem das Haus «Bodan», das Copycenter und Lohr Sport. «Die Parkplätze darf die Stadt weiter benutzen, bis die Neubauten in Betrieb gehen, abgemacht ist bis 2030», präzisiert Stadtschreiber Michael Stahl.
Hohe Frequenz im Erdgeschoss
Das Projekt beinhaltet die Sanierung des bestehenden Stadthauses sowie eine Tiefgarage. «Der Neubau ist ein Beton-Holz-Hybridbau», ergänzt Ernst Zülle. Von aussen werde der Neubau als Holzbau wahrgenommen. Die Abteilungen mit hoher Frequenz wie Einwohner- oder Steueramt befänden sich im Erdgeschoss und seien über einen zentralen Eingang am Boulevard zugänglich, so Thomas Niederberger. Im bestehenden Stadthaus befänden sich Backup-Büros. Der Neubau ermögliche mit dem «Birkenhain» einen öffentlich nutzbaren Platz, auch am Boulevard entstehe eine neue Platzsituation.
Die Kosten für Sanierung und den Neubau beziffert Thomas Knupp auf gesamthaft 38 Millionen Franken, inklusive Tiefgarage, in die 3,3 Millionen Franken investiert werden. Der Umbau des Stadthauses kommt auf 3,7 Millionen Franken. «Die Zahlen sind verlässlich, da sich Architekten, Planer und ein neutraler Kostenrechner intensiv mit dem Projekt auseinandergesetzt haben», bestätigen Thomas Niederberger und Ernst Zülle. Die Stimmberechtigten werden im Juni 2026 somit über einen Baukredit von 47,5 Millionen Franken abstimmen.
Umfangreiche Abstimmungsfrage
«Die Abstimmungsfrage wird aber mehr beinhalten als nur den reinen Baukredit», so Michael Stahl. Denn neben dem Geld müssen die Stimmberechtigten auch dem Landabtausch mit der Häberlin AG, dem Übertrag des stadteigenen Schlemmerzentrums ins Verwaltungsvermögen und der Aufhebung des Kreditbeschlusses vom 27. November 2016, der «Schlussstein-Abstimmung» zustimmen. Mit dem Kauf des Schlemmerzentrums und dem umliegenden Land sei die im Projekt handlungsfähig gewesen, ergänzt Thomas Niederberger. Die Liegenschaft muss natürlich dem Neubau weichen.
Der Narrenkeller im Sallmanschen Haus soll nach dem Wunsch des Stadtrates der Öffentlichkeit weiterhin zur Verfügung stehen, nach dem Umbau mit einer Abluftanlage. Die Liegenschaft an der Markstrasse werde nicht mehr für Verwaltungszwecke gebraucht und soll Wohnzwecken zugeführt werden. «Wir stellen uns vor, das Haus im Baurecht abzugeben», so der Stadtpräsident. Auch die Liegenschaften Hauptstrasse 88, 90 und 58 werden nicht mehr für Verwaltungszwecke gebraucht. «Hier stehen verschieden Möglichkeiten zur Diskussion, die von Verkauf über Baurecht bis zur Vermietung reichen».
Von Kurt Peter