Markus Brüllmann, Mirco Bassetto und Stefan Luginbühl an der Arbeit im Weinberg. Kurt Peter
18.09.2025 05:00
Ökosystem Weinberg fördern
Ein Jahr Kreuzlinger Wein aus dem Seeburgpark unter der Leitung des Ressorts Arbeitsintegration
Auf Hochtouren läuft die Lese im Kreuzlinger Weinberg im Seeburgpark. Die roten Trauben werden durch Mitarbeitende der Arbeitsintegration und der städtischen Verwaltung geerntet. Die Qualität ist gut, der Ertrag durch Kirschessigfliegenbefall geschmälert.
Kreuzlingen Das Ressort Arbeitsintegration hat die Verantwortung über den Kreuzlinger Rebberg am 1. November 2024 übernommen, nachdem Ueli Halter den Pachtvertrag gekündigt hatte. Die Stadt hatte die Pacht neu ausgeschrieben. Darauf bewarben sich drei Personen, wobei zwei Konzepte eingereicht und durch die Abteilung Gesellschaft und Liegenschaften bewertet und abgewogen wurden. Überzeugt hatte das Konzept des Ressorts Arbeitsintegration der Stadt Kreuzlingen, das im Rahmen eines sozialen und integrativen Projekts die Arbeiten im Rebberg in die Projektstruktur integrieren kann.
Optimale Lage
Vier Traubensorten werden auf der 6500 Quadratmeter grossen Fläche angebaut. Die Rotweinsorten Léon Millot, Maréchal Foche und Cabernet Jura sowie die Weissweinsorte Solaris. «Solaris wurde im August geerntet», erzählt Mirco Bassetto, Leiter Soziale Dienste. Aktuell sind Mitarbeitende der Arbeitsintegration sowie Mitarbeitende der städtischen Verwaltung an der Ernte der drei Rotweinsorten. «Wir haben über 90 Grad Oechsle gemessen, das ist ein gutes, wenn auch nicht allein qualitätsentscheidendes Ergebnis», sagt Stefan Luginbühl, Ressortleiter Arbeitsintegration.
Die Arbeit in den Reben sei bei den Mitarbeitenden der Arbeitsintegration beliebt. «Das ist klar, hier wird sichtbar, was geschaffen wurde», so Mirco Bassetto. Er hat seine Rebbauausbildung vor Jahren abgeschlossen und kann Stefan Luginbühl, der ebenfalls einen entsprechenden Lehrgang absolviert hat, optimal unterstützen. Unter ihrer Anleitung wird den Auflagen gemäss biologischem Anbau im Rebberg gearbeitet. «Im Sommer sind täglich drei bis vier Mitarbeitende in der Anlage beschäftigt», sagt Mirco Bassetto, der die Lage des Rebbergs lobt: «Die Nähe des Sees sorgt im Winter für weniger Frost und kühlt im Sommer».
Maximalertrag 6000 Flaschen
Stolz auf das Produkt ist auch Markus Brüllmann, Leiter Departement Soziales. Die Rot- und Weissweine werden aktuell vorwiegend bei städt-ischen Anlässen wie dem Neuzuzügeranlass angeboten. «Wir haben nun erste Erfahrungen gesammelt und sehen, dass die Motivation der Mitarbeitenden der Arbeitsintegration sehr hoch ist. Ganz im Sinne der Partizipation begrüssen wir auch gerne Mitarbeitende aus allen städtischen Abteilungen auf unserem Weinberg im Seeburgpark», ergänzt er. Dies auf freiwilliger Basis. Vorstellen könne sich das Ressort auch, weitere Interessierte zur Mitarbeit einzuladen: «Wir sind keine geschlossene Gesellschaft», sagt Mirco Bassetto.
Er schätze den Maximalertrag auf 6000 Flaschen Rot- und Weisswein, sagt der Leiter Soziale Dienste. Das hänge von verschiedenen Faktoren ab. Die Witterung könne einen Strich durch die Rechnung machen, aber auch Schädlinge und Pilze. «Dieses Jahr registrieren wir viele Kirschessigfliegen», so Markus Brüllmann, der gerne auch selbst im Rebberg mitarbeitet. Eine Anlage, die seit November 2002 besteht und auf der, in Erinnerung an die früher zahlreichen Weinberge, Reben kultiviert werden. Von Anfang an wurden krankheitsresistente Sorten angebaut und das Ökosystem Weinberg durch Mehrung der Artenvielfalt gefördert. «Wir sind Bio Suisse zertifiziert und stehen dadurch unter regelmässiger Kontrolle», sagt Mirco Bassetto nach dem Rundgang.
Von Kurt Peter