Luden zum traditionellen Rebumgang (v.l.): Michael Burkhard, Reto Lüchinger, Martin Wolfer und Stadtrat Valentin Hasler. Bild: Nico Wrzeszcz
02.09.2025 16:50
Hoffen auf trockenes Wetter
Weinfelder Winzer blicken auf wechselhaftes Weinjahr zurück - Hagel hat viele Stöcke beschädigt
Vergangene Woche lud die Weinfelder Rebkommission zum traditionellen Rebumgang. Und auch 2025 war für die Winzer wieder ein ganz besonderes Jahr.
Weinfelden Der 21. Juli diesen Jahres war ein dunkler Tag für die Weinfelder Winzer. Hagel beschädigte einen grossen Teil der Reben, der ganze Ottenberg war betroffen, die Stimmung bei den Winzern getrübt. «Dabei sind wir eigentlich gut ins Jahr gestartet. Zu Beginn hatten wir trockene Phasen, auch der Regen kam immer zur passenden Zeit. Doch ab Juli wurde es zunehmend feuchter, bis dann auch der Hagel dazu kam», resümierte Gastgeber Martin Wolfer das bisherige Weinjahr. Dieser ist auch der Grund, warum Rebkommissionsmitglied Benno Forster nicht am Rebumgang teilnehmen kann. «Gutachter der Versicherung sind gerade bei ihm, um die Hagelschäden zu bewerten», lässt Stadtrat und Kommissionspräsident Valentin Hasler den Winzer entschuldigen.
Perfekte Bedingungen für Pilzwuchs
Der Hagel hätte viele Trauben aufplatzen lassen, der zusätzliche Regen und die Feuchtigkeit förderten den Pilzwuchs. «Wir hatten Glück, dass der August zu Beginn heiss und trocken war. Doch der Regen in der vorletzten Woche wäre uns gerne erspart geblieben.» Da immer wieder Feuchtphasen anstünden, werde es schwer für die Winzer. «Die nächsten Tage sind matchentscheidend für uns. Daher hoffen wir auf trockenes Wetter. Denn bei hoher Feuchtigkeit und höheren Temperaturen ist die Fäulnisgefahr einfach grösser», so Wolfer. Diese Gefahr sei Ende August durchaus gegeben, hat sich in den letzten Jahren die Erntezeit immer weiter nach vorne verschoben. Doch das bringe nicht nur Nachteile. «Wir konnten am 26. August schon mit der Wimmet vom Müller-Thurgau beginnen, das ist schon sehr aussergewöhnlich», betonte Michael Burkhart.
Auch er musste Hagelschäden verzeichnen und rechnet mit 30 bis 40 Prozent Einbussen bei der Lese. «Der Hagel führt zu einer Reifeverzögerung sowie einem Mehraufwand bei der Lese. Die Wärmephase hat zum Glück viel eingetrocknet», sagt Michael Burkhart. Dennoch suchen die Winzer aktuell nach helfenden Händen, die Unterstützung von Erntehelfern sei aktuell dringend nötig. «Es ist erst alles in trockenen Tücher, wenn alles im Keller ist. Doch auch da wird es mit grosser Wahrscheinlichkeit einige Zusatzrunden brauchen.»
Wein für die Stadt und Gastronomie wichtig
In der Weinfelder Gastronomie werde die gute Zusammenarbeit mit der Stadt und den Winzern geschätzt, das mache Weinfelden besonders. «Vor allem bei uns ist das Zusammenspiel wichtig, sind doch 80 Prozent der verkauften Weissweine und 65 Prozent der Rotweine direkt aus Weinfelden», erklärte Reto Lüchinger vom Gasthof Eisenbahn. Weiterhin sei der Müller-Thurgau am gefragtesten, andere Weissweinsorten holten jedoch auf.
Rebumgang erfüllt mittlerweile einen anderen Zweck
Aus historischer Sicht sei der Rebumgang mittlerweile mehr zur Tradition geworden, als dass es ihn tatsächlich benötige. «Seit rund 200 Jarhen ist der Weinbau mit Unterbrüchen schon Thema am Bründlerberg», blickte Valentin Hasler in die Geschichte zurück. «Ursprünglich hatte der Rebumgang die Funktion festzulegen, wann welcher Winzer mit der Wimmet beginnen darf. Doch dies hat sich schon seit einigen Jahren gewandelt, auch weil die Wimmet mittlerweile immer früher beginnt», so Hasler. Vielmehr werde der Rebumgang heute dafür genutzt, gemeinsam auf das vergangene Weinjahr zurückzublicken. Er sei zudem ein Zeichen der Wertschätzung und sogar eine Art Aushängeschild für die Weinstadt Weinfelden geworden.
Von Nico Wrzeszcz