Sie leisten die wertvolle Kinder- und Jugendarbeit (vl.): Bastian Ehrmann, Leitung, Lukas Geiger, Zivildienst, Julia Berktold, Praktikantin, und Markus Grundler, Jugendarbeiter. Beim Fototermin leider nicht dabei war Jugendarbeiterin Kathi Nguyen. Kurt Peter
05.11.2026 00:00
«Eine schnellere, komplexere Welt»
Die Kinder- und Jugendarbeit hat sich verändert - OJA will auch jüngeres Zielpublikum ansprechen
Der Stadtrat möchte den Betriebsbeitrag an den Verein Offene Jugendarbeit um jährlich 150'000 Franken erhöhen. Damit soll das Projekt «Crescendo» weiterverfolgt werden und die Resultate in drei Jahren als Grundlage für eine mögliche Verlängerung dienen.
Kreuzlingen Für den zuständigen Stadtrat Daniel Moos ist klar: «Die Gemeinde hat eine Verantwortung für Kinder und Jugendliche ausserhalb des Unterrichts». Das 2022 vom Verein Offene Jugendarbeit (OJA) lancierte Projekt «Crescendo - stärker werden» hat zum Ziel, die bestehende Arbeit schrittweise zu einer umfassenden Kinder- und Jugendarbeit weiterzuentwickeln. Dazu wurde die Zielgruppe nach unten geöffnet und neu werden auch Kinder von der 3. bis zur 6. Primarstufe angesprochen. Zudem wurde die Präsenz in die Quartiere und Schulen verlagert.
Dorthin, wo die Menschen sind
Die Pilotphase habe wichtige Erkenntnisse geliefert und Entwicklungen angestossen, so Daniel Moos. Für eine belastbare Beurteilung der mittel- und langfristigen Wirkung reiche der Zeitraum jedoch nicht aus. «Deshalb muss das Projekt weitergeführt werden und um dies zu ermöglichen, beantragt der Stadtrat, den jährlich wiederkehrenden Betriebsbeitrag um 150'000 Franken auf 330'000 Franken zu erhöhen, befristet auf die kommenden drei Jahre». Die Weiterentwicklung der OJA im Rahmen des Projekts «Crescendo - stärker werden» reagiere auf gesellschaftliche Veränderungen sowie auf veränderte Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen. «Die Welt ist komplexer und schnelllebiger geworden, unsere Aufgabe ist es, Kinder und Jugendliche zu begleiten, Fragen zu beantworten, in schwierigen Situationen zu beraten und niederschwellig vor Ort zu sein». Die offene Kinder- und Jugendarbeit beschränke sich heute nicht mehr ausschliesslich auf einen stationären Treffpunkt, sondern orientiere sich zunehmend an der Lebenswelt junger Menschen.
Sozialraumorientierung, aufsuchende Arbeit und Beziehungsarbeit seien fachliche Grundlagen moderner Kinder- und Jugendarbeit. «Damit die OJA die Arbeit im Sinne des Projekts weiterführen kann, sind zusätzliche personelle Ressourcen notwendig», stellt Daniel Moos klar. Denn sozialraumorientierte Arbeit, Präsenz in Quartieren und Schulen sowie projektbezogene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sei personalintensiv. Insgesamt leiste die Treffpunktarbeit einen wichtigen Beitrag, doch Kinder und Jugendliche sollten auch dort erreicht werden, wo sie ihren Alltag hätten: Im Quartier, im öffentlichen Raum, an Schulen oder in digitalen Lebenswelten.
Angebote werden genutzt
Diese Ausrichtung der Kinder- und Jugendarbeit über den klassischen Treffpunkt Jugendhaus hinaus trage den gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung. «Durch aufsuchende Arbeit können frühzeitig Entwicklungen erkannt, Konflikte entschärft und niederschwellige Unterstützungsangebote geschaffen werden». Die bisherigen Erfahrungen aus der Pilotphase zeigten, dass die erweiterten Angebote der OJA gut genutzt würden. Seit Oktober 2024 öffne das Jugendhaus mittwochs von 13.30 Uhr bis 16.30 Uhr seine Türen auch für Kinder der Mittelstufe. Geschicklichkeitsspiele, Bastelangebote, Kochen oder Filmnachmittage würden angeboten.
Die Zielerreichung, die Nutzung des Angebots sowie die wahrgenommene Wirkung werde jährlich überprüft. Die Evaluation erfolge anhand verschiedener Instrumente wie Kurzbefragungen, Rückmeldungen von Eltern und Lehrpersonen oder die Erfassung der Teilnehmendenzahlen. Nach der Pilotphase erfolge eine Gesamtevaluation, die als Grundlage für Weiterführung, Anpassungen oder Verstetigung des Angebots diene.
Von Kurt Peter