Das Streichquartett Modulor Quartet spielt am 5. Abonnementskonzert der GML Kreuzlingen. zVg
10.05.2023 08:51
5. Abo Konzert der GML Kreuzlingen
Am Sonntag, 14. Mai, findet um 19.30 Uhr im Kult-X das 5. Abonnementskonzert der GML Kreuzlingen statt. Unter dem Thema "Anything goes? - grosse Streichquartettliteratur im Programm des Bodenseefestivals" spielt das Modulor Quartett mit Gregor Hänssler und Beatrice Harmon, Violinen, Demian Herzog, Viola, und Milena Umiglia, Violoncello.
Kreuzlingen Im Programm spielen die vier jungen MusikerInnen im Rahmen des Bodenseefestivals Kompositionen, die die jeweiligen Grenzen ihrer Zeit weit ausloten. Der Beginn des sogenannten „Dissonanzen-Quartett“ von Mozart liess die Zuhörenden seinerzeit verständnislos zurück und es wurde gerätselt, ob der Komponist nicht mehr zwischen einem Es und einem Dis unterscheiden könne. Viele sahen bereits in der langsamen Einleitung eine einzige Ansammlung von Regelverstössen gegen den oder glaubten gar an Fehler beim Setzen der Noten. In zeitlicher Nachbarschaft von drei grossen Klavierkonzerten entstand dieses bedeutende, Joseph Haydn gewidmete Streichquartett, das in allen vier Sätzen in der Kompositionskunst neue Massstäbe setzt - allerdings in so betörend schöne Melodik gekleidet, dass das Gelehrte im Galanten aufgehoben erscheint.
Auch Ravels Quartett brach 1903 mit vielen kompositorischen Regeln und gilt als Beginn der Entwicklung seiner ganz individuellen Musiksprache. Mit dem ersten Satz startete der Komponist einen letzten Versuch, den begehrten Prix de Rome des Pariser Conservatoire zu erhalten. Vier Jahre hintereinander hatte er sich vergeblich um dieses Kompositionsstipendium beworben, und wieder standen die Juroren seinem eingereichten Stück verständnislos gegenüber: es fehle ihm an Einfachheit, meinten sie. Aus heutiger Sicht kann man über dieses Urteil nur den Kopf schütteln. Und froh darüber sein, dass sich Ravel auch dieses Mal nicht entmutigen liess und dem bereits genialen ersten Satz drei Weitere folgen liess, die in der musikalisch eng mit diesem verwandt sind. Gewidmet ist das Werk des 28-Jährigen seinem Lehrer Gabriel Fauré, dem er im Widmungsschreiben ausführt: „Mein Quartett in f entspricht dem Wunsch nach musikalischer Konstruktion, der zweifellos unzulänglich realisiert ist, aber viel klarer erscheint als in meinen vorhergegangenen Kompositionen“. In diesem jungen Alter schon zu so eigener musikalischer Sprache gefunden zu haben, ist allerdings ungewöhnlich.
In Leos Janáčeks 1. Streichquartett wird die musikalische Tradition auf andere Weise in die Komposition einbezogen: die literarische Liebestragödie „Die Kreutzer-Sonate“ von Leo Tolstoj - die wiederum von Beethovens gleichnamiger Violinsonate handelt - verwandelt sich hier in ein subjektives Bekenntniswerk. So wurde aus grosser Musik der Wiener Klassik zunächst eine dramatische Erzählung der russischen Literatur und daraus wiederum ein Streichquartett der frühen Moderne in Tschechien. Im Unterschied zu den Quartetten von Mozart und Ravel handelt es sich hier um reine Programmmusik. Obwohl der Komponist keine detaillierte Andeutungen machte, steht ausser Frage, dass es Janáček um die moralische Dimension von Tolstois Erzählung ging: den Ehebruch einer Frau, die aus ihrer unglücklichen Ehe auszubrechen versucht, indem sie dem Werben eines Liebhabers nachgibt. Anders als der Dichter, der über seine Heldin mit bürgerlichen Moralvorstellungen urteilt, stellte sich Janáček auf ihre Seite. Seine Musik durchläuft „alle Stadien der Emotionen von der rastlosen Suche über den Schmerzensschrei bis zur tödlichen Verzweiflung im Finale“ (Max Brod) und ist ein leidenschaftliches Plädoyer für die Sehnsucht der Frau nach Unabhängigkeit und Freiheit.
Tickets kosten 35 Franken, Studenten zahlen fünf Franken. Vorverkauf bei der Papeterie Bodan, 071 672 11 11 oder tickets@gml-kreuzlingen.ch (gegen Vorauskasse. Nach Eingang des Kartenbetrages auf unser Vereinskonto werden Sie per E-Mail benachrichtigt, und die Karten liegen am Veranstaltungsabend an der Kasse für Sie zur Abholung bereit.)