12.12.2023 00:00
6,28 Millionen Franken sind gesprochen
Die Volksschulgemeinde Tägerwilen darf einen Kredit für den neuen Kindergarten aufnehmen
Nach langen harten Diskussionen mit der IG «Zämä fürs Dorf» stärkten die Schulbürger ihrer Behörde den Rücken. Sie genehmigten Baupläne für einen Doppelkinderkarten mit Spezialunterrichtsräumen für die Sekundarschule am Palmenweg.
Tägerwilen Am Ende versagte dem Schulgemeindepräsidenten Daniel Heidegger kurz die Stimme. 228 von 259 anwesenden Stimmberechtigten folgten den Argumenten der Behörde und bewilligten die Aufnahme eines Kredits für den Neubau am Palmenweg, in dem nicht nur der Kindergarten, sondern – im Untergeschoss - auch die Sekundarschule Platz finden wird. Die Gegner des Projektes von der IG «Zämä fürs Dorf» konnten nur 14 Abstimmende mobilisieren. Kerngruppenmitglied Marcel Fässler überzeugte die Anwesenden weder davon, dass über den Kindergarten besser in Zusammenhang mit dem nächsten Bauprojekt an der Urne abgestimmt werden solle, noch mit dem Antrag, bei der Versammlung geheim abzustimmen. Der Schulbürger Matthias Fuchs gab offenkundig die Stimmung der Mehrheit wieder, als er unter grossem Applaus sagte: «Es sind immer die gleichen Leute, die immer gegen alles sind.» Allerdings dürfte die entschiedene Opposition der IG gegen die Baupläne zum grossen Interesse der Tägerwiler beigetragen haben. Noch nie sei eine Schulgemeindeversammlung so stark besucht worden, meinte Präsident Heidegger. Der Beginn verzögerte sich um einige Minuten, weil in der Dreifach-Turnhalle schliesslich sogar Schwedenkästen zu Sitzplätzen umfunktioniert wurden. Alle Stühle und Bänke waren belegt. Ausserdem waren der Behörde die Stimmzettel ausgegangen. 200 waren vorbereitet, sechzig mussten nachgedruckt werden.
«Kindgerechte Atmosphäre»
Das Architekten-Team Lucia Miglio und Filippo Beradi stellte der Versammlung noch einmal die Pläne für den Neubau vor, der bis Herbst 2027 den dreissigjährigen Pavillon ersetzen soll. Auf ein Kellergeschoss in Massivbauweise sollen in Holzbauweise zwei Etagen aufgesetzt werden. Gedeckte Veranden erweitern die Gruppenräume in den Garten. Im ersten Stock ermöglicht eine Wendeltreppe den Gang ins Grüne. Die «kindgerechte Atmosphäre» lässt sich Tägerwilen 6,28 Millionen Franken kosten – zusätzlich zum vor zwei Jahren bewilligten Projektierungskredit von einer Viertelmillion. «Es ist finanzierbar», sagt Heidegger. «Wir werden in der Bauphase Verluste schreiben, aber wir haben ohnehin eine zu hohe Eigenkapitalquote von 71,3 Prozent. Sie soll 2029 auf 31,6 Prozent abgesenkt sein.» Das «stabile Steuersubstrat» der Gemeinden Tägerwilen, Wäldi und Gottlieben hatte in der Vergangenheit die Konten der Schulgemeinde gefüllt. «Und dass, obwohl wir den Steuerfuss kontinuierlich von 110 auf jetzt 82 Prozent gesenkt haben.» Insgesamt hat die Schulgemeinde nach ihrem Masterplan allerdings in den nächsten dreissig Jahren bis zu vier Bauvorhaben, die insgesamt Investitionen von ungefähr 25 Millionen erfordern könnten. Nach der Entscheidung über den Kindergartenneubau steht als nächstes am 3. März die Urnenabstimmung über den Neubau des Schulhauses und Kindertreffs am Hasenweg an. Erst wenn die Schülerzahlen weiter wachsen, wird eine Erweiterung des Schulstandorts Trittenbach diskutiert. Eine Parzelle an der Poststrasse, die noch umgezont werden müsste, gilt als Reserve für die Zukunft. Derzeit besuchen rund 700 Kinder die Primarschule. Bis zum Jahr 2035 wird die Zahl um zehn Prozent steigen. Ein ähnliches Wachstum ist in der Sekundarschule zu erwarten. «Wir sollten unseren guten Ruf als Schulstandort nicht aufs Spiel setzen, indem wir die Klassen vergrössern oder die Lehrpersonen in Provisorien unterrichten lassen», hiess es aus dem Plenum. «Noch sind wir attraktiv für gute Leute.»
Von Inka Grabowsky