v.l. Brigitta Hartmann, Präsidentin, Nadim Ridani, Leitung Café AGATHU und Kathrin Gerster, Vorstand/Kasse.
07.05.2023 00:00
AGATHU: Caféleitung, Rechtsberatung und Finanzen in neuen Händen
Die Arbeitsgruppe für Asylsuchende Thurgau (AGATHU) hat ein arbeitsintensives Jahr hinter sich. «Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine im vergangenen Februar waren auch wir gefordert», sagte Präsidentin Brigitta Hartmann bei der Jahresversammlung des Vereins. Dazu kamen personelle Veränderungen im AGATHU.
Kreuzlingen Gleichzeitig mit dem Zustrom der Kriegsflüchtlinge musste der Vorstand diverse personelle Abgänge verkraften. Iris Lagrange wechselte als Ukraine-Verantwortliche zur Stadt. Ihre Rechtsberatung übernahm im September Angela Romero mit einem 25-Prozent-Pensum. Gabi Mühlböck hatte als Leiterin des Cafés gekündigt. Eingestellt wurde als Ersatz im Sechzig-Prozent-Pensum Nadim Ridani. Der Experte für Nahostwissenschaften hat bereits mit Geflüchteten gearbeitet. «Der Respekt und der würdevolle Umgang mit Migranten geht oft verloren. Ich glaube, hier kann ich etwas dagegen tun», erklärt er. Ausserdem will er mithelfen, mehr junge Leute als Freiwillige für AGATHU zu gewinnen. Innerhalb des Vorstands hatte Paul Hasler, der langjährige Kassier, seinen Rücktritt erklärt. Seine buchhalterischen Aufgaben übernimmt Anja Mosimaa auf Mandatsbasis, die Finanzverantwortung im Verein trägt neu Kathrin Gerster, die an der Jahresversammlung einstimmig gewählt wurde. Der übrige Vorstand, einschliesslich der Präsidentin, wurde im Amt bestätigt.
Finanzen sind in Ordnung
Aufgrund vieler Spenden und stabiler Beiträge von Mitgliedern, Kirchen, der Stadt und des Staatssekretariats für Migration steht AGATHU finanziell recht gut da. Die aktuelle Rechnung weist ein Defizit von gerade mal 84,20 Franken auf. Unter anderem war der Einkauf von Lebensmittel teurer als budgetiert. «Das liegt nicht nur an der Inflation, sondern auch daran, dass vor allem die jungen Männer aus dem Bundesasylzentrum schier nimmersatt sind. Den minderjährigen Bewohnern des Bundesasylzentrum ist das Café AGATHU eine willkommene Abwechslung. Einige besuchen hier ein niederschwelliges Deutschangebot», sagt Brigitta Hartmann. Sowohl Rechnung als auch Budget wurden ohne Einsprachen genehmigt.
Ukrainerinnen beginnen sich zu integrieren
Über die Situation der Geflüchteten aus der Ukraine klärte Iris Lagrange von der Flüchtlingskoordinationsstelle Kreuzlingens die Vereinsmitglieder auf: «Rund 73’000 Menschen flüchteten aus der Ukraine in die Schweiz, 206 nach Kreuzlingen. Die Anzahl der Sozialhilfefälle in der Stadt hat sich 2022 damit verdoppelt.» AGATHU war die erste Anlaufstelle der Geflüchteten. Anfänglich wurden viele von Gastfamilien aufgenommen. Nun – und gerade verlängert bis Ende 2024 - leben ukrainische Geflüchtete im ehemaligen Hotel Bahnhof Post. Als grossen Erfolg bezeichnete die Fachfrau einen Kurs mit dem Schweizerischen Roten Kreuz zum Thema «Hauswirtschaft und Betreuung», der 22 Frauen sehr motiviert habe. «Erste Ukrainerinnen helfen inzwischen bei AGATHU mit. Und sie haben eine eigene Untergruppe zur gegenseitigen Unterstützung gegründet.» Einen neuen Verein namens «Ice-Zeit» gibt es für die ukrainischen Hockeyspieler, die auf dem Talent-Campus trainieren. «Das Eis gibt ihnen Halt», sagt Iris Lagrange.
Brigitta Hartmann, Präsidentin AGATHU