Yvonne Istas, Laurent Schmitt und Barbara Stark (v.l.) erläuterten die Ausstellungen in Kreuzlingen und Konstanz. Kurt Peter
20.01.2022 00:00
«Alle seine Facetten zeigen»
Ernst-Kreidolf-Ausstellung im Museum Rosenegg und in der Wessenberg-Galerie Konstanz
«Querbeet» heisst die Ausstellung über den Künstler Ernst Kreidolf, die am Freitag eröffnet wird. «Querbeet» heisst auch, dass der in Tägerwilen aufgewachsene Maler und Illustrator in all seinen Facetten präsentiert wird.
Kreuzlingen «Das Projekt der Ausstellung dauert schon lange»: Yvonne Istas, Leiterin des Museums Rosenegg, blickte anlässlich der Medienkonferenz am Dienstagmorgen zurück auf das Jahr 2019, als erste Gespräche über eine gemeinsame Ausstellung mit der Konstanzer Wessenberg-Galerie stattgefunden hätten. «Jetzt hats endlich geklappt,», bestätigte Barbara Stark von der Galerie, die auch Präsidentin des Ernst Kreidolf-Vereins ist.
Maler statt Bauer
Geplant gewesen seien die Ausstellungen von Januar bis April 2021, aus bekannten Gründen aber sei eine Verschiebung nötig geworden. «Wir sind auch den zahlreichen Leihgaben, neben vielen Privaten auch die Gemeinde Tägerwilen und das Kunstmuseum Bern dankbar», so Yvonne Istas. Denn durch diese Leihgaben sei es möglich geworden, den Künstler in all seinen Facetten zu präsentieren. Denn es sind im Museum Rosenegg auch Gegenstände aus Kreidolfs Haushalt zu sehen: Globus, Staffelei, Schreibutensilien, Vasen, Geschirr und viele mehr.
Ernst Kreidolf wird 1863 in Bern geboren, wo der aus Tägerwilen stammende Vater ein Geschäft führt. Die Familie zieht 1868 an den Bodensee zurück, der Vater eröffnet in Konstanz ein Spielwarengeschäft. Ernst Kreidolf lebt ab 1868 auf dem Bauernhof seiner Grosseltern in Tägerwilen. «Dieses ländliche Umfeld fördert seine Liebe zu Flora und Fauna, die sich schon früh in seinen Bildern nachvollziehen lässt», so die Museumsleiterin. Doch er soll, so der elterliche Plan, den Staudenhof übernehmen. Bald wird aber klar, dass die Neigung und das Talent des sensiblen Knaben im künstlerischen Bereich liegen. An der Ausstellung werden Pflanzen und Landschaftsstudien und Portraits seines Grossvaters aus dieser Zeit gezeigt. Als Ernst Kreidolf 1879 seine Lehre in Konstanz beginnt, erhält er zweimal die Woche Unterricht beim Konstanzer Kunstmaler Johann Baptist Hengartner.
Begeisterung für die Bergwelt
Ernst Kreidolf zieht 1883 nach München, wo er ein Studium an der Kunstgewerbeschule mit Bravour abschliesst. Er studiert ein Jahr an einer Privatschule, da «seine Lebensumstände erst beim zweiten Versuch den Sprung in die Akademie der Bildenden Künste ermöglichen», wie Yvonne Istas erklärt. Um die Kosten für seinen Lebensunterhalt, das Schulgeld und die Malutensilien bezahlen zu können, arbeitet Kreidolf als Lithograf und zeichnet für das Münchner Polizeiblatt steckbrieflich gesuchte Verbrecher. Hier zeigt sich sein Können als Portraitist.
Schon während seiner Studienjahre in München zieht es ihn immer wieder hinaus aufs Land und schliesslich in die Abgeschiedenheit und Ruhe der Alpen. Seine Sorgen und Selbstzweifel rücken bei den ausgiebigen Wanderungen in den Hintergrund. Hier findet der Maler immer neue, farbenfrohe Motive. Eine Vielzahl von Skizzen, Aquarellen und Studien, ebenfalls in der Ausstellung zu sehen, zeugen von der Begeisterung, die er der Bergwelt entgegenbringt. In der Landschaft rund um Partenkirchen findet er schliesslich auch die Inspiration für seine Kinderbücher, die ihn in einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen. Es sind seine Bilderbücher, die ihm zu Anerkennung, Bekanntheit und finanziellem Erfolg verhelfen. Mit den «Blumen-Märchen» beginnt 1898 Kreidolfs Karriere als Illustrator und Dichter märchenhafter Bilderbücher, in denen er Pflanzen und Tieren menschliche Züge verleiht.
Erfolg kommt mit den Büchern
Nach den «Blumen-Märchen» (1898) folgen allein bis 1911 sechs weitere Werke in denen sich Kreidolf als Maler und Poet verwirklicht. Er beteiligt sich zudem mit Illustrationen an zahlreichen Publikationen, wie am «Fitzebutze» (1900) von Richard und Paula Dehmel oder
an Leopold Webers «Traumgestalten» (1900). Nach dem Ersten Weltkrieg, in dessen Folge er sein Vermögen verliert und sich wieder vermehrt der Malerei widmet, kehrt er zu meist floralen Bilderbuchthemen zurück. Die «Alpenblumenmärchen» (1922), «Ein Wintermärchen»
(1924) oder «Das Hundefest» (1928) bezeugen den anhaltenden Einfluss der Flora und Fauna auf Ernst Kreidolf und seine Kunst.
Von Neugier geprägt
Nach der Vernissage am 21. Januar wird die Sonderausstellung am 23. Januar offiziell eröffnet, sie dauert bis 17. April. «Wachsen - Blühen - Welken» heisst die Ausstellung in der städtischen Wessenberg-Galerie in Konstanz, die am 29. Januar eröffnet wird und bis 17. April dauert. «Ernst Kreidolf beschäftigt und schon lange und wir haben ihm auch schon zahlreiche Ausstellung gewidmet», so die Kunsthistorikerin Barbara Stark. Die Konstanzer Ausstellung biete einen Einblick in die facettenreiche Pflanzenwelt von Ernst Kreidolf, zeige von wissenschaftlicher Neugier geprägte Studien.
Von Kurt Peter