16.09.2021 06:00
Auch für die Winzer war 2021 ein spezielles Jahr
Nicht nur Corona hat in diesem Jahr vieles erschwert. Auch das Wetter liess in grossen Teilen zu Wünschen. Doch wenn unsereins einfach beim Regen im Haus bleiben konnte, mussten die Winzer sich um ihre Reben kümmern. Und dabei hoffen, dass die Trauben den nassen Sommer unbeschadet überleben.
Weinfelden In diesem Jahr war so vieles anders, als in den Jahren zuvor. Der Sommer, der kein richtiger war, Corona, und auch beim traditionellen Rebumgang am vergangenen Mittwoch war in diesem Jahr etwas anders, als die Jahre zuvor. «Nach der Idee von Michael Burkhart haben wir uns entschieden, auch Mitglieder des Weinbauvereins am Ottenberg zum Rebumgang einzuladen», erklärte Valentin Hasler. Ebenso wurde der Ablauf etwas geändert. Anstatt sich beim Rebgut Sunnehalde, welches in diesem Jahr Gastgeber war, über das Weinjahr auszutauschen, ging es direkt in die Weinberge hinein. Was schnell klar wurde: die Rebstöcke haben sehr unter dem vielen Regen und teils auch Hagel gelitten. «Wir hatten es alle schwer in diesem Jahr», so Winzer Michael Burkhart. «Es war sehr herausfordend, miserabel war es meiner Ansicht nach jedoch nicht.» Eine der grossen Herausforderungen für die Winzer war mit Sicherheit die Ungewissheit. «Teilweise haben alle mit dem Problem zu kämpfen, dass einige Stöcke einen Vollertrag liefern, während andere Stöcke der gleichen Sorte quasi keinerlei Trauben tragen», beschrieb Burkhart. Einen Unterschied mache dabei unter anderem der Standort. Einige Reben wurden vom Hagel getroffen, andere wiederum nicht.
Pflanzenschutzmittel waren unerlässlich
Ohne zu spritzen kam in diesem Jahr fast kein Winzer aus. Selbst Michael Broger, der normalerweise biodynamisch produziert, musste in diesem Jahr etwas härtere Geschütze auffahren. «Wir sind teilweise an unsere Grenzen gestossen und wussten nicht, wie wir weiter machen sollen. In diesem Jahr haben wir etwa 3,5 bis 4 kg Kupfer für den Pflanzenschutz eingesetzt.» Doch auch damit bleiben Schäden nicht aus, schliesslich schwäche der Hagel das gesamte Immunsystem der Pflanzen.
Das Potenzial für einen guten Wein stehe in dem so verregneten Jahr dennoch nicht schlecht. «Wichtig ist die Reifephase im Herbst, und die beginnt eben jetzt. Wenn wir in den nächsten Wochen annähernd so schönes Wetter wie heute haben, stehen die Chancen wirklich gut», ist sich Broger sicher.
Auch Winzer Martin Wolfer stand in diesem Jahr vor den gleichen Problemen. «Anfangs haben wir unsere Pflanzen noch biologisch behandelt, mussten dann aber recht schnell umsteigen. Bei vielen Pflanzen kam der Mehltau einfach zu schnell.» Wolfer hatte ebenso zu grossen Teilen mit Motivationsschwierigkeiten zu kämpfen. «Wenn wir an der Ostseite gearbeitet haben, hatte man Freude, war motiviert. Ist man auf die Westseite, war man direkt wieder down.» Einen Vorteil haben die Winzer am Ottenberg aber gegenüber der restlichen Schweiz. «Wir sind es gewohnt Jahr für Jahr im Hang zu arbeiten, auch wenn es mal nasser ist. In anderen Weinregionen war es in diesem Jahr Neuland», so die Winzer.
Weinweg sehr gut besucht
Trotz schlechtem Wetter war der Weinweg wieder ein voller Erfolg. «Wir hatten in diesem Jahr sehr viele Anmeldungen von Gruppen, teilweise so viele zeitgleich, dass wir an die Grenzen unserer Kapazität gestossen sind», erzählte Michael Burkhart. «In diesem Jahr hätte alles stimmen können und trotzdem wäre vieles nicht gelungen. Aber Einsatz und Motivation bleiben weiterhin das A+O für die Winzer», beschloss Valentin Hasler den diesjährigen Rebumgang.
Von Nico Wrzeszcz