Die Solar Butterfly machte Halt in Märstetten.
14.03.2024 09:00
Auf der Suche nach 1000 Ideen
Klimaktivist in Märstetten zu Besuch
Louis Palmer ist ein weltweit bekannter Klimaaktivist, der als erster mit einem Solarauto die Welt umrundete. Seit zwei Jahren ist der Schweiz nun mit seinem solarbetriebenen Tinyhouse unterwegs und machte nun in Märstetten Halt. Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich begeistert von seinen Projekten
Märstetten «Wir müssen einfach aufhören mit dem Seich!» echauffiert sich eine Sekschülerin nach dem Vortrag von Louis Palmer. Vielmehr eine Abenteuergeschichte waren seine Erzählungen statt dem angekündigten Referat. Dass zweihundert Jugendliche eine Stunde stillsitzen, keine Faxen machen oder mit dem Nachbarn tuscheln – das muss man als Redner erstmal hinkriegen. Nicht aufgeben, um Hilfe bitten und kreativ sein: diese Einstellung liess den ehemaligen Lehrer mit einem Solarfahrzeug um die Welt reisen und dabei 700'000 Menschen zu erreichen. Sein Bild prangte an den Gebäuden im Timesquare in New York, er kutschierte Prinzen, Präsidenten und Stars in seinem Solarauto tausende von Kilometern herum und erregte so Aufmerksamkeit. Damit generierte er Sponsorengelder, welche er für die Entwicklung seiner Projekte investierte oder soziale Projekte wie ein Schulhaus in Afghanistan realisierte.
Kindheitstraum
Bereits in der Schule träumte der damals 11-jährige Louis von einem Solarauto. So eins werde er sich kaufen, wenn er gross sei. Eins von Mercedes, Toyota oder Ford, war er sich sicher. Doch bis er «gross» war, standen in deren Ausstellungen grosse «Karren». Keine Spur von Autor, die mit Sonnenenergie betrieben werden. Er sei zwar Lehrer, aber ein Auto bauen, das könne er nicht. So begeisterte er hunderte von Menschen, ihm dabei zu helfen. Entstanden ist ein Fahrzeug, dass ausschliesslich mit der Kraft der Sonne betrieben wird. Auf einem Anhänger installierte sein Team Solarzellen, die genug Power lieferten, um Palmer und seine Gäste um die Welt zu fahren. Was er dabei alles erlebte, ist nicht nur faszinierend sondern auch unterhaltsam. Videos von Elefanten oder Kühe mit denen er sich in Indien die Strasse teilen musste. Messerschlucker, die ihm ihr Können präsentierten, während er im Stau stand und Polizeieskorten, die Palmer durch Länder begleiteten, welche ein «normaler» Mensch nicht freiwillig besuchen würde. Drei Wochen stand er an der Grenze zu Saudi Arabien und wartete auf die Bewilligung des Scheichs, ins Land einreisen zu dürfen. «Er ist der reichste Mann der Welt, und verdient sein Geld mit dem Verkauf von Erdöl», so Palmer. Traurig aber verständlich, dass er nicht erpicht war, den Solarenergie-Pionier Einlass zu gewähren. Doch dann kam tatsächlich das OK des Erdöl-Moguls.
5000 Schulen
Seit zwei Jahren tourt er und sein junges Team mit dem Solar-Butterfly durch die Welt, immer auf der Suche nach innovativen Menschen, die wie er «verrückte» Träume verfolgen. In Finnland traf er sich mit einem Tüftler, der in den sonnigen Monaten Sand erwärmt und so im Winter sein Haus heizt. Oder mit einem Mann, der seinen Kühen Algen statt Heu zu essen gibt. Durch die leichte Verdauung müssen die Kühe fast nicht mehr furzen und stossen so viel weniger Co2 in die Luft. In Costa Rica besuchte er eine Organisation, welche den Urwald in rasender Geschwindigkeit aufforstet, statt ihn abzuholzen. Und besuchte in Dubai die riesigen Solaranlagen in der Wüste. Die jungen Zuhörerinnen und Zuhörer lauschten seinen Geschichten ganz begeistert und verliessen nach seinen motivierenden Schlussworten wild durcheinanderredend die Halle. Nik will sich wenn er 18 ist ein e-Auto kaufen und schaut heute schon darauf, möglichst wenig Strom zu verbrauchen. Die Eltern seines Kollegen haben bereits Sonnenkollektoren auf dem Dach und ein anderer will künftig achtsamer in Sachen Klimaschutz werden. Die sonst so gelassenen, herumalbernden Teenager sprachen scheinbar über nichts anderes mehr, diskutierten, was man alles ändern sollte und man konnte fast schon ihre Gedanken rattern hören. «Verfolgt eure Träume, egal was die anderen sagen», manifestierte Louis Palmer in den Köpfen der jungen Menschen. Das Butterfly-Solarmobil live und in Farbe zu bestaunen, beeindruckte diese. Ein Schüler habe bereits eine Dokumentation über Palmers Reisen gesehen und war sichtlich beeindruckt und stolz, das solarbetriebene fahrbare Tinyhouse nun ganz nah anschauen zu können. Bei einem Parcour durchs Schulhaus konnten die Schülerinnen und Schüler selbst aktiv werden und nutzten ganz motiviert das Angebot.
Während das Fahrzeug durch die Welt fährt, besucht Palmers Team 5000 Schulen, hält Vorträge und wenn immer möglich ist er mit dabei. Er, der den höchsten Umweltpreis der Welt entgegennahm, seine Projekte auf den bekanntesten TV-Sendern der Welt vorgestellt wurde und er, der die Welt nicht nur ein bisschen, sondern gigantisch besser machen möchte.
Von Desirée Müller