Präsidentin Michelle Probst (links) und Kassierin Karin König wünschen sich eine definitive Lösung für die Spielgruppe,
24.02.2022 06:30
Aus der Not geboren, Zeit gewonnen
Spielgruppenverein Tägerwilen mit neuem Konzept nach Auszug aus der Liegenschaft «Studerus»
Mit der Kündigung der Räumlichkeiten in der Liegenschaft «Studerus» bleibt dem Spielgruppenverein Tägerwilen nur noch ein Raum im Pavillon. Nach den Sommerferien kommt daher ein neues Konzept zum Tragen.
Tägerwilen Der 1992 ursprünglich in Kreuzlingen gegründete Spielgruppenverein betreut derzeit 52 Kinder, davon 44 aus Tägerwilen, in fünf Spielgruppen, die im Pavillon zwischen Gemeindeverwaltung und Sekundarschulhaus sowie in der Liegenschaft «Studerus» ihre Räumlichkeiten haben. Zusätzlich wird eine Waldspielgruppe geführt. «Die Kinder sind zwischen zweieinhalb und viereinhalb Jahre alt, die Spielgruppe ist die bestes Vorbereitung auf den Kindergarten», sagt Vereinspräsidentin Michelle Probst.
Erster Traum geplatzt
Das Angebot entspreche einem grossen Bedürfnis, so Karin König, die als Kassierin auch die Anmeldungen betreut. Die grosse Hoffnungen, dass das geplante Kinder- und Jugendzentrum in Tägerwilen und damit auch zwei Räume für die Spielgruppe realisiert wird, zerschlug sich nach der Abstimmung vom 27. September 2020, als das Projekt an der Urne abgelehnt wurde. «Dabei wurde nur ans Geld, nicht aber an die Kinder gedacht», blickt Michelle Probst zurück. Und es gab eine neue unerfreuliche Entwicklung. Die Liegenschaft «Studerus» wurde im vergangenen Jahr verkauft, im November die Räume durch den neuen Besitzer gekündigt. «Wir hätten wohl bleiben , doch die höhere Miete hätten wir uns nicht leisten können», so Michelle Probst. Also musste der Vorstand reagieren und eine neue Lösung suchen
«Bis Ende Juli können wir diese Räumlichkeiten noch nutzen, ab 1. August greift das neue, aus der Not geborene Konzept, welches vorsieht, dass die fünf bisher geführten Spielgruppen aufgelöst und in flexible Einheiten überführt werden». Damit könne der Raum im Pavillon besser genutzt werden und die Eltern könnten die Kinder flexibler anmelden: «Neu können ab den Sommerferien individuelle Zeiten zur Betreuung durch die drei Spielgruppenleiterinnen gebucht werden», erklärt Karin König. Maximal würden pro Gruppe 16 Kinder von zwei Leiterinnen betreut. Für die Umsetzung des Konzepts müsse die dritte Stelle geschaffen werden. Der Vorstand suche noch eine geeignete Person, so Michelle Probst.
Nur Zeit gewinnen
«Die Betreuung der Kinder in fixen Zeiten entspricht nicht mehr den modernen Anforderungen, individuellere Betreuungszeiten werden von den Eltern positiv aufgenommen», sind sich beide Vorstandsmitglieder sicher. Die Erfahrung der vergangenen Jahre und die derzeit laufenden Anmeldungen zeigten dies klar auf. Auch die beiden Spielgruppenleiterinnen hätten das neue Konzept positiv aufgenommen. «Wir hatten einige Ideen schon länger im Kopf, wurden aber auch durch Corona ausgebremst», so Karin König. Gleichzeitig aber «ist das neue Konzept standortunabhängig umsetzbar, aber es fehlt an Sicherheit für die kommenden Jahre. Wir können damit nur Zeit gewinnen».
Die Zukunft des Spielgruppenvereins Tägerwilen ist in Bezug auf den Standort unsicher. Die Volksschulgemeinde ist derzeit an der Planung des benötigten Schulraumes. «Solange diese nicht steht, hängen wir in der Luft, weil auch nicht klar ist, wie es mit dem Pavillon weitergeht», sagt Michelle Probst. Das Gebäude gehöre der Politischen Gemeinde, die bestehende Infrastruktur sei aber dringend zu sanieren, wenn der Pavillon stehen bleibe. «Die Gemeinde unterstützt den Verein mit günstiger Miete und Beiträgen pro Tägerwiler Kind». Dennoch habe der Vorstand das Gefühl, dass derzeit sowohl die Politische Gemeinde wie auch die Volksschulgemeinde mit ihren Aufgaben selbst stark belastet seien. «Wir haben niemanden, der sich um uns kümmern», bringen es beide auf den Punkt. Beim ausgewiesen Bedarf nach der Spielgruppe sind aber beide zuversichtlich, dass «eine gute Lösung gefunden wird».
Von Kurt Peter