Sebastian Wörwag, Priska Sieber und Bruno Dörig. mul
06.11.2021 00:00
Auszeichnung mit «Sternchen»
Die PHTG bestand die aufwändige Akkreditierung
Die PHTG ist eine anerkannte Hochschule. Dies gab das Projektteam letzte Woche bekannt. Sie schloss das «Mammut-Beurteilungsverfahren» mit einer Bestnote ab. Nur in einem Bereich gibt es noch Verbesserungspotenzial.
Kreuzlingen Den strahlenden Gesichtern zufolge, konnte man erahnen, dass die PHTG gute Nachrichten zu verkünden hat. «Uns wurde nichts geschenkt, die letzten Monate waren wirklich Knochenarbeit», erzählt Projektverantwortlicher Bruno Dörig. Er spricht von dem Akkreditierungsverfahren, welches die Pädagogische Hochschule durchlief. Auf Herz und Nieren wurden sie in 18 Qualitätsstandarts geprüft, ergänzt Rektorin Dr. Priska Sieber. Warum die Studierenden an der PHTG ihren Abschluss machen, warum die Mitarbeitenden hier arbeiten wollen, wo man sich verbessern könnte. Alles fragen, welche den Schülern, Dozenten und Mitarbeiter*innen gestellt wurden.
Offenheit wird belohnt
Ob man auch hätte mogeln können, fragt eine Kollegin an der Presseorientierung letzten Donnerstag. «Das wäre aufwändiger gewesen, als wahrheitsgetreu zu antworten», sagt Dörig und lacht. So war es der Hochschule wichtig, dass alle Befragten frei heraus antworteten, und das haben sie auch getan. Auch wenn Vieles auf dem Spiel stand. Und als «Belohnung» für die offene Schulpolitik bekam die PHTG eine wohlwollende Beruteilung, welche Sieber und ihre Kollegen besonders freut: «Ihre vertrauensvolle, dialogorientierte und kooperative Kultur und nicht zuletzt das hohe Engagement der Mitarbeitenden fördern die kontinuierliche Entwicklung», heisst es im abschliessenden Bericht. Dank dem positiven Bescheid leistet die PHTG die damit geltenden gesetzlichen Anforderungen an Hochschulen genüge. Andererseits verfügt sie weiterhin über Zugang zu Bundesbeiträgen. «In der Schweiz ist die Bezeichnung «Hochschule» durch das Hochschulförderungs- und - koordinationsgesetz gesetzlich geschützt», erklärt Priska Sieber. Sämtliche nach bisherigem Recht anerkannten kantonalen Universitäten, Fachhochschulen und pädagogischen Hochschulen unterstehen seit 2015 der Akkreditierungspflicht. Demnach seien die Hochschulen verpflichtet, periodisch die Qualität ihrer Lehre und Forschung sowie ihrer Dienstleistungen zu überprüfen und für ihre langfristige Qualitätsentwicklung zu sorgen.
Ohne Akkreditierung keine PHTG
Hätte die PHTG das Verfahren nicht bestanden, hätte man ihr den Hochschul-Titel entzogen. Kantonal dürften Studierende noch ihren Abschluss machen und somit in Thurgauer Schulen unterrichten, doch Priska Sieber bezweifelt, dass dies attraktiv genug gewesen wäre für die angehenden Lehrerinnen und Lehrer. Eine ungenügende Note hätte somit zur Schliessung der PHTG geführt. Doch die nun – für die nächsten sieben Jahre - offiziell ernannte Hochschule kann aufatmen. Und zwar tief. Denn sie schloss mit einer sehr guten Bewertung ab. «Gäbe es dafür Schulnoten, so lägen wir bei einer 5,5 bis 5,8», freut sich Hochschulratspräsident Sebastian Wörwag.
In den Spiegel schauen
Sich selbst kritisch als Bildungseinrichtung zu hinterfragen, war eine der Aufgaben der PHTG – eine der aufwändigsten überhaupt. Mitunter ein Grund, warum die Akkreditierung auch finanziell ein grosser Aufwand war. Die finanziellen Kosten liegen laut Bruno Dörig im niedrigen sechsstelligen Bereich, welche vor allem durch Lohnkosten verursacht wurden. Ein grösserer Posten ging dabei an die Adresse des Projektleiter, welcher während des Prozesses mit einer 30-Prozent-Anstellung verantwortlich war – und seinen Job scheinbar sehr gut machte. Die nächsten sieben Jahre kann sich die PHTG somit wieder ganz auf den Schulalltag konzentieren. Eine Aufgabe bekam die Hochschule jedoch noch aufgetragen: Die PHTG muss in den nächsten zwei Jahren aufzeigen, wie sie im Bereich nachhaltige Entwicklung: «Ziele definiert sowie diese im Qualitätssystem abbildet und umsetzt.» Eine für Priska Sieber angebrachte Kritik, welche sie in Angriff nehmen wird.
Von Desirée Müller