09.10.2023 08:42
Bahnhof nicht "up to date"
Gegner der Initiative "Aufwertung Bahnhof Weinfelden" melden sich
Für Weinfelden bedeutete ein JA zum Bahnhofs-Kredit eine "finanzielle Verwahrlosung" und Steuererhöhungen - dieser Meinung ist das Nein-Komitee und fährt gleich mit Gegenvorschlägen auf. Dass es einige "Baustellen" gibt am Bahnhof sehen sie ein, doch das ganze Päckli an geplanten Massnahmen brauche es nicht.
Marcel Knup, warum gibt es zwei «Nein-Gruppen?»
Das war ein strategischer Entscheid, um möglichst breit gegen aussen aufzutreten.
Armin Huber, warum stehen die IG-Mitglieder nicht hinter ihrer Meinung?
Sie wollen ihre Ruhe haben, nicht an die Öffentlichkeit gehen, uns aber trotzdem unterstützen.
Verschicken sie anonyme Mails oder wie soll das gehen?
Nein, schon mit ihren Namen. Sie schreiben zum Beispiel auch Leserbriefe, treten aber nicht an Veranstaltungen auf oder Presseterminen. Wir sind mit 20 Unterstützern gestartet, es werden immer mehr.
Marcel Knup, warum sperren Sie sich gegen das Bahnhofs-Projekt? Sieht doch nach einem Mehrwert oder eben Aufwertung für Weinfelden aus?
Optisch wird alles wunderschön dargestellt, da sind wir alle gleicher Meinung. Doch wir müssen der Bevölkerung aufzeichnen, dass man mit dem Projekt auch Probleme schaffen kann.
Armin Huber, die wären?
Fangen wir mit der Finanzierung an. Weinfelden hat in den nächsten zehn Jahren Projekte in Peto, die weit über 100 Millionen Franken kosten. Bankstrasse, der Bau eines neuen Schulhauses oder der Wärmeverbund. Die Verantwortungslosigkeit des Stadtrates und des Parlaments sind erschreckend. Man kann von einer künftigen finanziellen Verwahrlosigkeit sprechen. Unter diesen Voraussetzungen sind Steuererhöhungen vorprogrammiert.
Aber die Velosituation könnte mit einem Keller doch geklärt werden?
Wir müssen kein Co2 verlochen, in dem wir eine Tiefgarage bauen, die eine teure Kiste wird. Das ist nicht mehr up to date. Wir empfehlen einen Veloturm, hergestellt in der Schweiz. Auf einem Parkplatz könnten bis zu 60 Velos sicher verstaut werden. Es gibt diverse Finanzierungsmöglichkeiten. Zum Thema Co2 – Situation. Warum spricht niemand an, dass Linden gefällt werden müssen? Stellen Sie sich vor, was für ein brütend heisser «Willkommensplatz» das wird.
Dafür aber sicherer und nachts hell beleuchtet…
Thema Lichtverschmutzung: In der Tat müsste der Platz hell beleuchtet sein, das wird die Anwohner bestimmt nicht freuen.
Der Begegnungsplatz ist auch nicht nach ihrem Geschmack Marcel Knup?
Ich würde behaupten, dass es Pendlern nicht wichtig ist, ob sie über einen schönen Platz laufen, um an ihr Auto, das Velo oder zum Bus zu gelangen. Und welche Eltern lassen ihre Kinder zwischen einem Gleis und einer Strasse spielen? Da gibt es in Weinfelden bestimmt schönere Naherholungsgebiete Dazu gibt man den heute schon negativ auffälligen Gästen am Bahnhof einen noch angenehmeren Ort um sich aufzuhalten.
Negativ auffallende Gäste? Was ist damit gemeint Armin Huber?
Ich weiss, man darf es nicht laut aussprechen, doch die unerwünschten Gäste am Bahnhof Weinfelden nimmt zu. Mehr Sicherheitspersonal zu engagieren ist nicht die Lösung, dieses zahlen schliesslich wieder wir Bürger. Wir dürfen das Thema nicht unter den Teppich kehren, nur weil es sich nicht gehört, es anzusprechen.
Das etwas an der Verkehrsführung getan werden muss, sehen Sie aber ein Herr Huber?
Absolut! Doch jetzt ist es verfrüht, um zu handeln. Solang der Bund kein Konzept für die Umfahrung um Weinfelden vorlegt, sollte man die Finger von einer neuen Verkehrsführung lassen.
Aber eine 30-er Zone könnte man schon mal einführen René Ramseier?
Eine 30-er Zone gibt den Fussgängern eine Sicherheit, die nicht vorhanden ist. Die Bäume, welche im Mittelstreifen geplant sind, stellen dabei eine grosse Gefahr da. Die Automobilisten können zum Beispiel ein Kind übersehen, das hinter einem dieser Bäume steht und vielleicht plötzlich über die Strasse rennt. Dazu kommt das Licht-Schatten-Verhältnis, das die Autofahrerinnen und Autofahrer ablenken kann.
Für den Postautoverkehr gäbe die geplante Verkehrsführung aber eine Entlastung, Marcel Knup.
Da bin ich mir nicht ganz sicher. Durch die geplante 30er Zone, sowie der geplanten Fläche für die Fussgänger zum queren der Strasse ist mit einer deutlichen Verlangsamung des Verkehrs zu rechnen. Ich gehe davon aus, dass die Strasse regelmässig verstopft sein wird und dadurch das Postauto seine Fahrtzeiten auch nicht mehr einhalten kann.
Armin Huber, man kann ja schon 25 Jahre warten, bis die SBB mit ihren eigenen Projekten startet, aber da verstreicht schon sehr viel Zeit…
Der Gemeinde gehören von den 12 Tausend Quadratmeter, vom geplanten Begegnungslatz, gerade mal 1200. Sollen wir wirklich unser eigenes Gärtli hin bauen und dann alles wieder abreissen, wenn die SBB ihre Ideen umsetzen will? Der helle Wahnsinn nenn ich das. Gehen wir lieber jetzt partiell die Probleme an.
Welche wären das kurz zusammengefasst?
Die Erwirkung des Behindertengleichstellungsgesetz beim Busbahnhof, sowie eine Überdachung. Dazu der Veloturm. Die Aufgabe des Stadtrates wäre es zudem, für die Sicherheit am Bahnhof zu sorgen.
Von Desirée Müller