30.05.2022 09:33
»Belle of Belfast City” trifft Hip-Hop-Tänzer
Altmodischi Musig mit neumodischem Tanz
In der Mehrzweckhalle der Primarschule Ermatingen fanden am 24. Mai 2022 zwei Aufführungen der vierköpfigen Band Ceól mit einer musikalischen Entdeckungsreise zu den Kelten statt. Alle Kinder der Kindergärten und Primarklassen konnten dieser Reise in die keltische, irische, gälische, schottische, britische und heutige Hip-Hop-Welt beiwohnen.
Ermatingen Schon mit den ersten Klängen des Ensembles von Ceól breitete sich die zwischen Wehmut und Frohsinn mäandernde Aura schottischer Ebenen und tanzender Beine in der Mehrzweckhalle aus. Die melancholisch und fremd anmutende Musik fesselte mit eigentümlichen Modulationen, mit den Tempovariationen von langsam bis sehr schnell: schon war eine simple Halle ein Ort der Sagen und Mythen, wo höfische Feste gefeiert werden und draussen dunkle Moore dampfen. Die drei Künstler und die Künstlerin stellten einander vor, ihre Instrumente und den Sound ihrer Sprachen.
Schon folgten immer anspruchsvoller werdende Sprechchöre in diesen Sprachen mit allen Kindern im Kanon, Musikstücke aller Arten erklangen: schnell, schneller, am schnellsten. Die traditionell gewandete Tänzerin legte mit angespanntem Oberkörper und hängenden Armen und einer beeindruckenden Bein- und Fussarbeit zur mitreissenden Musik einen Tanz nach dem andern aufs Parkett. Ihre Schuhe seien – im Gegensatz zu Steppschuhen - mit Fiberglassohlen besohlt, erklärte sie. Und dann wurde mitgetanzt, Rhythmusinstrumente wurden verteilt, die Hände einander gereicht und die Begeisterung war kaum zu bremsen. Manch ein Kind staunte, wie leicht das aussah und wie anstrengend es war; und richtig schwierig. Das gab viel zu lachen. Endlich wieder ein gemeinsames Erlebnis, ohne Berührungs- und Annäherungsverbote. Die Freude und Ausgelassenheit überbordeten nie, waren aber fassbar. So reichten sich Spass, Wissensvermittlung, gemeinsames Musizieren und Singen völlig lehrplankonform die Hände.
Für Erwachsene und vor allem PädagogInnen, die so oft auf der Metaebene unterwegs sind, waren unter anderem eben auch die besten Momente diejenigen, wo noch zwischen den Zeilen etwas zu lesen war und Kulturvermittlung stattfand. Aber das haben die Kinder gar nicht mitbekommen, zum Glück: Nachdem der stolze, steif einherschreitende Dudelsackspieler im kecken Kilt und dicken Kniesocken allen die Ohren fast taubgeblasen hatte, trat er unvermittelt mit Discobeleuchtung und hippem Käppi in Street-Montur als Hip-Hop-Tänzer vor das Publikum und legte einen tollen Tanz zu schottischer Musik hin, dass die Kinder begeistert nach vorne drängten, um die Schlusspose zu beklatschen. Er lud einzelne Kinder ein, mit ihm modern arrangierte Real-Street-Moves auszuprobieren. Als dann alle mitmachen durften, war der Begeisterung keine Grenze gesetzt. Da meinte der Leiter Christian Fotsch: «Ihr seht, wie schnell das geht. Einmal so, dann ganz anders. Denkt dran: Ihr seid das auch: viel mehr als man auf den ersten Blick ahnt. Das könnt ihr entdecken». Solche Worte und Erfahrungen hat unsere junge Generation verdient. Vielleicht bleiben die Worte selbst nicht in Erinnerung, aber das Erlebnis dieses Wandels und die Neugierde auf das Spannende in andern und sich selbst. Kinder werden davon nachhaltig geprägt. Denn auf diese Art und Weise verstehen sie die Botschaft dort, wo Worte nicht hinreichen.
red