Walter Studer (links) und Gunnar Brendler wagen mit ihrem Kurs ein Experiment und wollen gegen die "Christenschmelze" vorgehen. Kurt Peter
13.10.2022 06:00
«Beten ist kein Speed-Dating»
Kurse «Wie geht Beten?» als Reaktion auf die Distanz der Bevölkerung zur christlichen Kirche
«Eine Reise in die christliche Mystik» verspricht der Kurs «Wie geht Beten?» Pfarrer Brendler und Journalist Walter Studer führen durch zwei Abende, die ganz im Zeichen der christlichen Werte stehen.
Kreuzlingen «Der Kurs ist eine Idee von Walter Studer, das Ziel ist es, Menschen, die nicht oder wenig in die Kirchen kommen, mit den Basics des Christseins bekannt zu machen», erklärte Gunnar Brendler anlässlich eines Mediengesprächs. Um die Schwelle tief zu halten finden die beiden Abende auch nicht im Kirchgemeindehaus, sondern im Trösch statt. Unter dem Titel «Wie geht Beten? - Eine Reise in die christliche Mystik» bieten die beiden eine Einführung in die Gebetspraxis.
Eine «Christenschmelze»
«Alles redet vom Klimawandel, bei uns auch von der Gletscherschmelze. Die Zahl der Christen geht jedes Jahr zurück. Und so kann man auch von einer Christenschmelze sprechen» so Walter Studer. Er sprach dabei von einer «Erosion der Grundlagen der Ethik». Die Menschen hätten keine Beziehung zum Beten mehr und «sie kennen nicht mehr die Bedeutung der christlichen Feiertage». Er habe sich deshalb überlegt, wie diese «Aktion gegen den christlichen Analphabetismus gestaltet werden kann». Und es sei klar: Er könne als Moderator mitmachen, für die Grundlagen aber brauche es einen Pfarrer, der die Formen und Riten erklären und weitergeben könne.
«Es gibt hunderte Arten zu Beten und oft begegnet uns ein triviales Zerrbild von dem, was Beten ist», erklärte Brendler. Es sei ein Irrweg zu glauben, dass das Gebet von der Kirche vorgeschrieben werde. Beten sei Kommunikation mit dem Göttlichen, Beten sei eine christliche Meditation. In der Mystik gehe es ja um Intuition und Erfahrung. Der Ansatz der beiden Abende: «Wir sagen nicht, so ist es richtig, Beten ist eine persönliche Sache und wie man etwas erfährt, ist so unterschiedlich wie das Gebet.
Mensch steht im Mittelpunkt
«Was wir machen ist ein Risiko und uns ist bewusst, dass wir über dünnes Eis laufen», so Walter Studer. Der Kurs wolle alle Menschen erreichen, die ein solches Angebot suchten oder sich für das Thema interessierten. «Das Christentum kann Hilfe im Alltag sein, das Gespräch mit Gott eine Auslegeordnung». Die beiden Abende hätten viel mit Ausprobieren zu tun, so werde unter anderem das Jesus-Gebet, in dem es um Stille gehe, vorgestellt. «Das Gebet wurde schon von Ur-Christen praktiziert und zeigt, wie sehr Mystik mit der Religion verbunden ist», sagte Gunnar Brendler. «Der Mensch steht im Mittelpunkt der Veranstaltungen, es gibt dabei sicher auch Austausch und Diskussion».
Der erste Abend «Einführung in die Gebetspraxis» findet am Montag, 31 Oktober, 19 Uhr statt, der zweite Abend am Montag, 7. November, 19 Uhr. Die Teilnahme ist kostenlos, Anmeldung bis 26. Oktober an das Sekretariat, 071 672 67 74 oder sekretariat@evang-kreuzlingen.ch
Von Kurt Peter