Peter A. Petraschke referierte im BBZ und stelle die Werke vor. zVg
17.03.2022 06:00
Bitte viel Zeit mitnehmen
BBZ Weinfelden bietet grosse Zahl an Kunstwerken - Ohne Anmeldung besuchen
Unter der fachkundigen Leitung des Berlinger Künstlers Werner A. Petraschke wurde der BBZ-Kunstrundgang durchgeführt. Rund 40 Interessierte nahmen an diesem Anlass am vergangenen Mittwoch teil.
Weinfelden Das Berufsbildungszentrum (BBZ) Weinfelden ist für Menschen in Ausbildung ein Begriff. Was den Lernenden vielleicht verborgen bleibt ist die grosse Zahl an Kunstwerken inner- und ausserhalb der Gebäude. Schweizer Künstlerinnen und Künstler haben Bilder, Skulpturen, Glas- und Betonkunstwerke geschaffen, die ohne Anmeldung besucht werden können.
Max Bottini: Der in Bürglen geborene und in Uesslingen wohnhafte Künstler gestaltete im Rahmen der Erweiterung der Sporthalle im Jahre 2008 an der West- und Südfassade grossflächige Wandmalereien. In Zusammenarbeit mit Lernenden aus den Berufen Malerin/Maler und Polygraphin/Polygraph wurden unter dem Thema «Sport» Figuren in typischen Sportposen gestaltet. Die zwölf gewählten Farben repräsentieren dabei den Farbkreis, eine im Unterricht wichtige Theorie der Wahrnehmung.
Peter Hotz: Jeder Hallenbadbesucher kennt die markanten «Betonmenschen» vor dem nördlichen Haupteingang. Der Frauenfelder Steinbildhauer Peter Hotz schuf diese 1981 zur Eröffnung des BBZ. Die Gestik der Figuren soll die Zuversicht, den Willen zur Kooperation und die Zukunftsausrichtung der Auszubildenden repräsentieren.
Peter Hächler: Der im Jahr 1999 verstorbene bildende Künstler war für die drei roten Stelen im ursprünglich als Brunnen ausgestalteten Raum im Nord-West Eingang verantwortlich. Er wollte die typischen Thurgauer Riegelhäuser zitieren, die mit ihren roten Vertikal- und Horizontalbalken den ganzen Kanton prägen. Die geknickten Stelen weisen in ihrer Form darauf hin, dass Funktionalität und Kreativität sich im Idealfall sehr gut ergänzen können.
Charles Moser: Das zeitlose Treppenhaus des Hauptgebäudes des BBZ beherbergt ein Foucaultsches Pendel. Die markante silbrige Kugel und der dazugehörige Sandteppich gehen auf die Forschungen von Léon Faucalt zurück (1819 - 1868). Dieser französische Physiker der Neuzeit bewies mit der schwingenden Masse eines Pendels die Corioliskraft. Diese wird als ablenkende Kraft der Erdrotation beschrieben. Das an langen Stahlseilen aufgehängte Pendel wurde 1981 installiert. Der Stahldorn zeichnet nach und nach ein Muster im Sand, welches als Beweis für die Rotation des Erdkörpers dient. Das Kunstwerk ist im Zusammenhang mit dem achteckigen Relief und den Stahlseilen, welche eine Linienpyramide bilden, zu sehen.
Falco Natale Tomaselli: Der Weinfelder Künstler (1921 - 1990) gestaltete 1981 für das BBZ ein Glasfenster. Nach dem Umbau der Mensa wurde es an den heutigen Standort im Eingangsbereich gebracht. Tomaselli war auch der Schöpfer des Heraklit-Brunnens vor dem Pestallozzi-Schulhauses.
Anton Bernhardsgrütter: Der Thurgauer Künstler (1925 - 2015) erstellte 1976 ein eigentliches Wimmelbild mit dem Titel «Oh du mein liebes enges Heimatland». Es zeigt damals aktuelle Themen wie Politik, Militär und Gesellschaft in vielfältigsten Facetten. Bei der Eröffnung des BBZ wurde das Werk, laut Signatur eine Gemeinschaftsarbeit mit Marian Traxler, in der Mensa platziert.
Doris Näf: Beim Neubau des Gebäudes E wurde Näf unter 100 Bewerberinnen und Bewerbern ausgewählt. Zwei grosse Wandflächen wurden durch sie gestaltet. Der abgemeisselte Beton und die Farbe Rot stehe symbolisch für den Werdegang der Jugendlichen im BBZ. Man tritt roh in die Lehre ein und wird als geschliffene, ausgebildete Person wieder entlassen. Die rote Wand besteht aus Korund, ein glänzendes Mineral welches auf die Veredelung eines rohen Zustandes hinweisen soll.
Werner A. Petraschke: Der Referent und Künstler, er unterrichtet seit 2015 am BZWW Gestaltung und Kunst, hat seinerseits einige Werke im BBZ ausgestellt. Seine Bilder, allesamt Leihgaben, behandeln die Themen Horizonte und Chancen. Horizonte fordern auf, hinter diese zu schauen. Nur dadurch könne sich der Mensch Interesse und Neugier ein Leben lang erhalten. Diese beiden Qualitäten würden als Fundament jeglicher Art von Bildung zugrunde liegen.
Noch viel zu entdecken
Kunst lebe immer von der Beziehung vom Kunstwerk zum Betrachter. Wer sich Zeit nimmt, die zahlreichen Exponate zu betrachten, dem wird sich der tiefere Sinn erschliessen. In den acht Kunstwerken im Campus BBZ, gibt es nebst der Bildung, auch sonst noch viel zu entdecken.
red