Theaterauffuehrung "...alles gloge" im Schulhaus Seetal Kreuzlingen am Donnerstag 4. April 2019, Komoedie von Walter G. Pfaus, Regie Roger Cotting (FOTO GACCIOLI KREUZLINGEN)
01.12.2022 00:00
Bühne frei für Bitschnau
Thomas Bitschnau ist neu Präsident des Theater Konzept Weinfelden
Thomas Bitschnau wurde am Sonntag für weitere vier Jahre als Gemeindepräsident gewählt. Doch dem nicht genug: Er übernimmt - bereits zum zweiten Mal - das Amt des Präsidenten des Theater Konzept Weinfelden.
Wie haben Sie die erste Legislatur als Gemeindepräsident erlebt?
Die erste Amtszeit war sehr herausfordernd. Als Quereinsteiger und ohne vorherige Tätigkeit als Gemeinderat war es sehr anspruchsvoll, sich rasch zurechtzufinden und sich einen Überblick über die unzähligen Dossiers zu verschaffen. Dazu kommt, dass einem gewisse Thematiken natürlich näher liegen als andere und daher der Einarbeitungsaufwand unterschiedlich war. Es gibt viele Projekte, die erstrecken sich über mehrere Jahre. Man tritt das Amt an und muss oft mitten in einer Projektphase einsteigen. Manchmal kann man es selbst aufgleisen, manchmal ist man dann von Null auf Hundert mittendrin und manchmal kommt man erst am Ende dazu und darf abschliessen, was der Vorgänger vorgearbeitet hat.
Sie waren gesundheitlich angeschlagen – kam der Gedanke auf, nicht mehr zur Wahl anzutreten?
Eigentlich kaum, denn ich habe diesen zweiten Beruf bewusst gewählt und beabsichtige nach wie vor, diesen nach Möglichkeit bis zu meiner Pensionierung auszuüben, sofern ich wiedergewählt werde. Für die zweite Amtsperiode hat es ja bereits geklappt, worüber ich mich natürlich sehr freue. Gesundheitliche Zwischenfälle kann es in jedem Beruf geben. Man ist eine Weile rekonvaleszent, steigt wieder ein und versucht die Geschäfte wieder nach bestem Wissen und Gewissen zu erledigen. Natürlich setzt nach einem solchen Zwischenfall ein Denkprozess ein und man hinterfragt vieles und man versucht gewisse Dinge zu ändern.
Sie erwähnen in einem Interview, dass Sie nebst dem «regieren» von Berg nun Dinge machen möchten, die Ihnen Spass machen. Daher das erneute Engagement für TK Weinfelden?
Das ist richtig. Die TK Weinfelden liegen mir am Herzen, weil ich es phänomenal finde, was wir hier in Weinfelden für ein Programm zu verhältnismässig günstigen Preisen Jahr für Jahr auf die Beine stellen können. Es sind immer wieder national oder international bekannte Künstler und Künstlerinnen hier zu Gast, die man sonst nur aus den Medien kennt. Das hat einen grossen Reiz und ist hochspannend. Für die Spielzeit 23/24 konnten wir bereits Mike Müller mit einem Solostück engagieren. Finden Sie überhaupt Zeit dafür? Ich bin der festen Meinung, dass man gerade auch in einem solchen Amt einen Ausgleich haben muss, bei mir sind es saisonale Engagements wie die Klausengesellschaft Kreuzlingen, ein Theaterengagement, wo ich selbst gerne auf der Bühne stehe und ein anderes, wo ich hinter den Kulissen agiere. Dazu gehören aber auch diverse sportliche Aktivitäten, die mir wichtig sind. Was die TK Weinfelden angeht, habe ich einen Vorstand, der sehr leistungsbereit ist und ebenfalls über ein gewisses «Feu sacré» verfügt. Wir versuchen, die anfallenden Tätigkeiten bestmöglichst zu verteilen. Die Anzahl der Sitzungen ist bescheiden. Aber ich kann nicht mehr wie früher jeden Termin wahrnehmen. Zeit hat man ja eigentlich nie im Überfluss, aber man sollte sie sich nehmen und solche Freizeitengagements ebenfalls einplanen, so gut es geht. Andere sammeln vielleicht Briefmarken oder pflegen ihren Garten. Freizeitaktivitäten helfen auch, sich zu vernetzen und natürlich den Kopf auszulüften. Das gelingt mir am besten auf dem See oder in den Bergen.
Was sind Ihre Ziele für die nächsten vier Jahre in Berg – und als Präsident der TKW?
Die offiziellen Legislaturziele für 2023-2027 müssen wir nach den Sommerferien erst noch erarbeiten. Was aber auf der Hand liegt: Die wichtigsten Ziele sind sicher die anstehenden Bauprojekte im Ziegelei- und ehemaligen LANDI-Areal gut aufzugleisen, wobei wir dies als Gemeinderat eher begleiten, da die Gemeinde ja selber nicht Bauherrschaft ist. Die Strukturen müssen angesichts des zu erwartenden Bevölkerungszuwachses angepasst werden, unter Berücksichtigung der Sicherheit, schulischer Bedürfnisse und natürlich auch der finanziellen Möglichkeiten. Wichtig ist mir auch eine gute Stimmung im Dorf, was das Zusammenleben und -arbeiten angenehmer macht. Bei der TKW wünsche ich mir erfolgreiche Anlässe und dass es das Publikum wieder als ein Muss ansieht, vom vielfältigen kulturellen Angebot vermehrt Gebrauch zu machen – quasi vor der Haustüre. Als die Theater- und Konzertgesellschaft Mittelthurgau (früherer Name) vor 50 Jahren gegründet wurde, waren die Veranstaltungen gesellschaftliche Anlässe erster Güte in Weinfelden. Da gerade junge Leute immer kurzfristiger planen und manchmal von heute auf morgen entscheiden, bekommt die Attraktivität des Programms eine immer grössere Bedeutung. Es muss breit sein und für jeden etwas dabei haben. Daran arbeiten wir. Aber auch wenn uns das gelingt, schaffen wir es nicht ohne finanzielle Unterstützung. Die Preise müssten viel zu hoch angesetzt werden. Dann ganz generell: Gesund bleiben…
Interview Desirée Müller