14.12.2021 08:30
Chefärzte der Thurgauer Kantonsspitäler sind äusserst besorgt
Aufgrund der zunehmenden Anzahl von Covid-19 Patienten kommt es zu einer Einschränkung der Gesundheitsversorgung auch für andere Patienten. Aus Sicht der Thurgauer Chefärzte ist fraglich, ob die aktuell getroffenen Massnahmen genügen, allen Patienten, welche intensivpflegebedürftig sind, einen Platz anbieten zu können. Nur durch sofortige schärfere Massnahmen und eine höhere Impfquote kann die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung aufrechterhalten und das Entstehen einer Triagesituation vermieden werden.
Thurgau Seit Ende November 2021 stossen die Intensivstationen der beiden Thurgauer Kantonsspitäler an ihre Kapazitätsgrenze. Der Grund dafür ist die Zunahme von Patienten mit Covid-19, nahezu alle ungeimpft. Bisher konnte die Zunahme dieser Patienten dadurch aufgefangen werden, dass Operationen von Patienten, die nach der Operation einen Platz auf der Intensivstation benötigt hätten, verschoben wurden. Kapazitätsengpässe konnten ferner durch Verlegung einzelner Patienten auf Intensivstationen anderer Kantone überwunden werden, Dies erweist sich als zunehmend unmöglich, da die Intensivstationen in der ganzen Schweiz ebenfalls an ihre Grenzen stossen. Die Schaffung von ad hoc Betten auf den Intensivstationen, wie zu Beginn der Pandemie, ist kaum noch möglich, weil das entsprechende Personal nach 4 Covid-19-Wellen nicht mehr vorhanden ist.
Hinzu kommt, dass in der aktuell 5. Welle kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist: In den jeweils vorangegangen Wellen konnte man auf die Wirkung strenger behördlicher Massnahmen, den Beginn der wärmeren Jahreszeiten oder den Effekt einer Durchimpfung der Bevölkerung hoffen. Aktuell fehlen aber die griffigen Massnahmen, der ganze Winter steht noch vor der Tür und ein zu grosser Anteil der Bevölkerung ist nicht geimpft.
Trotz äusserstem Einsatz aller Mitarbeiter sorgen wir uns nicht nur um die medizinische Betreuung der an Covid-19 erkrankten Patienten, sondern auch um die medizinische Versorgung der nicht an Covid-19 erkrankten Patienten. Es besteht die Gefahr, dass diese Patienten dringlich notwendige Operationen, die nur mit gleichzeitiger Behandlung auf einer Intensivstation möglich sind, nicht mehr erhalten. Die durchschnittliche Liegedauer eines Patienten auf der Intensivstation beträgt rund 2 bis 4 Tage. Bei Covid-19 Patienten sind es im Durchschnitt 2-4 Wochen bei deutlich erhöhtem Betreuungsaufwand durch Isolationsmassnahmen. Das heisst, ein Covid-19-Patient benötigt Ressourcen, die sonst etwa 10 Patienten zur Verfügung stehen würden. Die längere Liegedauer führt auch unweigerlich dazu, dass mit der Zeit nur noch Covid-19 Patienten auf der Intensivstation liegen, wenn man nicht die Anzahl der für sie zur Verfügung stehenden Plätze begrenzt.
Da mit einer Erhöhung der Impfrate in der Schweiz eher nicht zu rechnen ist, obwohl dadurch das Problem weitgehend behoben werden könnte, und die kalte Jahreszeit noch lange andauern wird, sind strengere behördliche Massnahmen der einzige Weg eine funktionierende Gesundheitsversorgung für alle aufrecht zu erhalten. Wir schliessen uns deshalb gerne der im letzten Newsletter der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften geäusserten Forderung nach schärferen Massnahmen an und appellieren an die Behörden, diese zu ergreifen sowie an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen.
red