Bitte Hundehäufchen aufsammeln - Die Leute vom Schlossweg-Quartier wissen nicht mehr weiter. mul
03.02.2022 00:00
Dabei auf einem «beschissenen» Spaziergang
Hundekot-Alarm rund um den Schlossweg
So kann man seinen Samstagmorgen auch verbringen: Wir begeben uns auf die Suche nach Hundehäufchen rund um das Schlossweg-Quartier und sind erstaunt über das Ergebnis unserer Aktion. David Schäfer und seine Kollegen sind am Verzweifeln.
Kreuzlingen «Achtung Desirée!». Ich stelle gedankenversunken meine Kamera während des Laufens ein und bin umso überraschter, als David Schäfer mich an meiner Kapuze zur Seite zieht. Aber bereits zu spät. Schon in den ersten dreissig Sekunden unseres Spaziergangs also trete ich in einen Hundehaufen, bereits wunderbar verschmiert auf dem Trottoire. Zuvor wurde ich von einer Schar Kinder, Mütter und zwei Vätern auf dem Besucherparkplatz der Überbauung Schlossweg empfangen. Die Kids auf ihren Laufrädern brennen förmlich darauf, sich mit orangen Hundesäcklis bewaffnet auf die tägliche «Kacki-Patrouille» zu machen. Mir kommt die ganze Aktion etwas wie Ostereiersuchen vor. Es wird laut gerufen, wenn ein Häufchen entdeckt wird, alle strömen zum Finder und es fehlt nur noch, dass wir anerkennend applaudieren. Auf der einen Seite traurig, dass sich die Kinder des Schlossweges an solch einer «beschissenen» Freizeitbeschäftigung erfreuen. Doch irgendwie auch cool, dass ihre Eltern das beste aus der Situation machen. Nadia und ihre Freunde haben zumindest keine Probleme, mit Knoten binden. Erstaunlich geschickt und innert weniger Sekunden sind die Würstchen im Säckli eingepackt und fachgerecht verschlossen. Der kleinste Spatz kann grad mal laufen und tapst mit einem unerklärlichen Strahlen im Gesicht stolz auf den grünen Robidog zu. Das orange Säckli aber mit gebührendem Abstand von sich gestreckt.
«Wir wissen nicht mehr weiter»
Kinder David schrieb uns eine E-Mail in der er verzweifelt das Problem vieler Bewohner des Schlossweges beschrieb. Der Spazierweg einmal um die Überbauung herum ist gesäumt von Hundekot. Auch auf der Spielwiese sind die Kids nicht sicher vor den übel riechenden Häufchen. Der kleine Theo rutschte im Sommer auf einem aus - sein Hundekacki-Trauma ist verständlich. So verzichtete der kleine Bub auch dankend auf den gemeinsamen Spaziergang. In David Schäfers Wohnung stinkt es dazu nahezu immer nach dem tierisch grusigen Fäkalien. Ob an den Schuhen seiner beiden Mädchen oder an den Rädern des Kinderwagens - irgendwie schafft es der Dreck immer wieder rein. Es ist nicht so, dass die Hundekot-Sammel-Crew noch nichts unternommen hätte. Schilder wurden aufgestellt, das Gespräch mit den Hundebesitzern gesucht, beobachtet um jemand auf frischer Tat zu erwischen. Alle Aktionen blieben bisher erfolglos. Vor allem auf den Abendspaziergängen treiben einige Hündeler wohl ihr Unwesen, denn morgens sieht die Lage immer besonders eklig aus. Die Kinder flitzen um mich herum, tüten ein, werfen weg, jubeln bei geglückter Mission. Ein groteskes Bild. Auf die Frage, ob es ihnen Spass macht, antworten sie mit einem fröhlichen Ja! Unfassbar, für was die kleinen Menschen alles zu begeistern sind.
Fäkalien schädlich
David und seine Freunde wollen die Betroffenen nicht belehren, das betont er immer wieder. So sprechen sie auch keinstenfalls alle Hundebesitzer an. So ist der alte Ducky mit von Partie bei der Patroullie und trägt stolz die Stinker seiner Kollegen in seinem Körbchen vor sich her. Die Schlosswegler sind einfach verzweifelt und wissen nicht mehr weiter. Es ist eklig aber auch gesundheitsschädlich, wenn sich der mit in die Wohnung gebrachte Hundekot breit macht. Im Frühling Blumen pflücken oder im Sommer barfuss durch die Wiese rennen - das Risiko ist für die Eltern zu gross. Die Einladung zum Spaziergang soll vielmehr ein Appell sein, etwas mehr Rücksicht auf die hundelosen Nachbarn zu nehmen.
Desirée Müller