Die Thurgauer Gewerkschaftsvertreter luden zur Medienorientierung ein. Eines ist klar: Das Jahr 2022 wird "laut". mul
20.01.2022 00:00
«Das Gewerkschaftsjahr 2022 wird laut»
Der Thurgauer Gewerkschaftsbund informierte
Lohnverhandlungen, Beratungen zur Kurzarbeit, Protestaktionen – die Gewerkschaften waren 2021 trotz beschränkten Möglichkeiten aktiv. 2022 soll laut Lukas Auer aber noch viel lauter werden.
Weinfelden «Wir werden auf die Strasse gehen und an verschiedenen Fronten kämpfen», eröffnet Lukas Auer, Präsident des Thurgauer Gewerkschaftsbundes, die Medienorientierung. Er steht wie seine Kolleginnen und Kollegin im Lager der Curau AG in Weinfelden hinter einem Rednerpult und spricht von einem schrittweisen kantonalen Mindestlohn, von Vorstössen in den Politikalltag und dass sie mehr Fussabdrücke hinterlassen wollen. Auer ist bereit zu kämpfen und das mit Überzeugung. Seine Kollegin Rita Kägi, Sekretärin des Thurgauer Gewerkschaftsbundes, blickt auf ein forderndes Jahr zurück. «An unserer Arbeit hat sich seit Anbeginn der Pandemie vieles geändert. Der direkte Kontakt fehlt und macht alles komplizierter.» Es sei erstaunlich, wie viele Arbeitgebende auch nach zwei Jahren immer noch Unterstützung bei der Regelung der Kurzarbeit in Anspruch nehmen. Thurbo AG im Zugzwang Gewerkschaftssekretär der SEV, Claude Meier, ist ebenfalls vor Ort und erzählt wie Kägi von einer fordernden Zeit. «Anfang 2021 waren Verhandlungen nicht möglich gewesen, und über die digitalen Medien zu verhandeln ist schwierig. So konnten wir erst im Sommer loslegen.» Die SEV betreut als Gewerkschaft das Schweizer Verkehrspersonal. Ein «Sorgenkind» ist aktuell die Thurbo AG. Das Lohnsystem ist nicht mehr zeitgerecht, obwohl es 2018 erweitert wurde. «Es herrscht Unmut unter den Mitarbeitenden.» So wurde diesen vor 20 Jahren versprochen, dass das Lohnband innert zwei Jahrzehnten vom Minimum auf das Maximum angepasst wird – was bisher nicht passiert ist. Da immer mehr Lokführer zur SBB abwandern, ist die Thurbo AG für weitere Gespräche bereit, welche im Frühling 2022 stattfinden sollen. Ebenfalls fanden Verhandlungen mit der Bus Ostschweiz AG statt, um die Weiterentwicklung des GAV anzuschauen. So konnten drei zusätzliche Ferientage für alle Mitarbeitenden erwirkt werden. Den grössten Erfolg erlangte die SEV bei der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein. Die durch die Pandemie angespannte finanzielle Lage litt noch mehr, als der Bund touristische Unternehmen von Unterstützungsbeiträgen ausschloss. Die Gewerkschaft schaffte es innert kurzer Zeit, diese «unmögliche» Regelung anzupassen, und konnte so die finanzielle Schieflage abfedern.
Unia ist unterwegs
Anke Gähme von der Unia berichtete von deren Arbeit auf Baustellen und Pflegeheimen, wo sie die geltenden Covid-Regelungen prüften respektive die Unternehmen bei der Umsetzung unterstützten. Das Onlineangebot wurde ausgeweitet, welches sehr gut angenommen wurde. 300 Prozent mehr Anfragen über die Online-Kanäle und Telefone wurden verzeichnet. Wie Rita Kägi merkt auch Anke Gähme den Bedarf an Beratung zu Themen wie Lohnersatzzahlungen, Kurzarbeit und Quarantäne. Der deutlich steigernde Zeitdruck auf den Baustellen stellt ein immer grösser werdendes Problem dar. Immer mehr Unfälle passieren durch Unachtsamkeit. Auch hier müssen laut der Unia-Vertreterin Lösungen her. Die vom Baumeister Verband abgelehnte Lohnerhöhung sei wie ein Schlag ins Gesicht der Mitarbeitenden. Die Berufsbilder litten dadurch unter Imageproblemen, was sich schon lange beim Nachwuchsproblem abzeichnet. Dass Unia-Mitglieder trotz der Pandemie auf die Strasse gehen, obwohl sie Unternehmen genau auf die Finger schauen, wenn es um Schutzmassnahmen geht, sehen viele als kontraproduktiv an. Vorerst gäbe es keine anderen Möglichkeiten, um gehört zu werden, so Anke Gähme. Dazu seien die Demonstrationen alle von den öffentlichen Stellen abgesegnet und die aktuellen Regelungen werden eingehalten, so Gähme.
Päcklipost floriert
Azra Ganic ist die Regionalsekretärin der Syndicom Sektion ICT. Diese prüften auch 2021 verschiedene Branchen im Sektor Logistik. «Während die PostAuto AG und die PostFinance AG mit Verlusten zu kämpfen hatte, konnte beim Paketdienst ein nie dagewesener Boom verzeichnet werden», so Ganic. Bei Post Auto AG kann die Syndicom auf erfolgreiche GAV Verhandlungen zurückblicken. «Der neue GAV fürs Personal von PostAuto AG und das Reglement für die Angestellten der Postautounternehmen tritt per 2022 in Kraft. Damit werden etliche Probleme gelöst und Fortschritte erzielt», freut sich die Regionalsekretärin. Dass die Gewerkschaften national wie auch im Thurgau aktiv und vor allem laut werden, ist klar zu spüren. Lukas Auer verspricht, dass der Thurgauer Gewerkschaftsbund die Gewerkschaften unterstützen wird. «Mit mehreren Referenden, Initiativen und konkreten Arbeitskämpfen der Gewerkschaften werden wir aktiv. Damit der Aufschwung bei der Bevölkerung ankommt und die Löhne und Renten endlich wieder steigen», so Lukas Auer.
Desirée Müller