Das grosse Mysterium gelöst
Viel Wirbel ums BBM Kreuzlingen
Sechs Sprachlehrern wird gekündigt, Weiterbildungskurse eingestellt und das Bistro geschlossen. Was geschieht im Bildungszentrum für Bau und Mode?
BBM in Kreuzlingen.
Sechs Sprachlehrern wird gekündigt, Weiterbildungskurse eingestellt und das Bistro geschlossen. Was geschieht im Bildungszentrum für Bau und Mode?
Kreuzlingen «Da ist was faul an der ganzen Sache», sagt Pensionärin Elisabeth Herd. «Da muss etwas im Busch sein», bestätigt PHTG-Angestellte Angela Gischig. Beides ehemalige Schülerinnen der Sprachkurse des Kreuzlinger Bildungszentrum für Bau und Mode (BBM). Anfang der Sommerferien bekamen die rund 100 Kursteilnehmer «ohne Vorwarnung » Post von der Schulleiterin Fabienne Lachat. «Darin stand, dass alle Sprachkursangebote ab den Herbstferien eingestellt werden. Wir waren entsetzt und den Tränen nahe », so Elisabeth Herd, die seit zehn Jahren Kurse am BBM besucht. In den Klassen brodelte die Gerüchteküche. «Warum werden ausgerechnet jetzt, nach über zwei Jahrzehnten, die Sprachkurse am BBM nicht mehr vom Kanton unterstützt? » Nicht alle auf dem gleichen Stand «Kursteilnehmende von einer anderen Klasse schrieben der Regierungsrätin Monika Knill einen Brief, diese antwortete am 23. August und erklärte die Sachlage», erzählt Marcel Volkart, Chef des Amts für Berufsbildung und Berufsberatung. «Wir hätten es geschätzt, wenn alle Teilnehmer die gleiche Information erhalten hätten. Wir wussten nichts von dem Brief, den eine andere Klasse an Monika Knill schrieb», sagt Elisabeth Herd. So blieben die meisten Teilnehmer im Ungewissen. Die Lehrpersonen der Grundbildung wendeten sich zudem voller Solidarität an die Berufsfachschulkommission - auch bezüglich der Schliessung des BBM-Bistros. Die Berufsfachschulkommission konnte laut Volkart vor den Sommerferien das Traktandum nicht behandeln, worauf die Vertretung der Grundbildungslehrpersonen den Amtsleiter bat, die Fragen zu den Sprachkursen zu beantworten. Eine entsprechende Antwort an die Lehrpersonen der Grundbildung erfolgte dann (erst) am 16. September 2022.
Jede schien etwas anderes zu wissen und Gerüchte vermischten sich mit Fakten. Die Schüler wandten sich an die Kreuzlinger Nachrichten und baten darum, dass wir etwas «tiefer graben ». Bei Fabienne Lachat kommen wir nicht weiter. Ein Interviewtermin wird spontan abgesagt, von einem Artikel abgeraten. Man wolle keinen Wirbel um die Einstellung der Kurse machen, so ihre Antwort. Dann meldet sich Amtschef für Berufsbildung und Berufsberatung Marcel Volkart und nimmt sich die Zeit, die Sache zu erläutern. Man merkt im Gespräch schnell, dass der «Fall» eigentlich einfach aufzulösen ist: Berufsbildungszentren dürfen nur vom Kanton subventionierte Weiterbildungskurse veranstalten, wenn diese zu den unterrichtenden Berufen passen. Sprich: das GBW (gewerbliche Berufe) in Weinfelden zum Beispiel darf neu keine subventionierten Yogakurse mehr anbieten. Und das BBM in Kreuzlingen (Coiffeur und Elektriker) nun mal keine Sprachkurse. Auch dürfe man der Konkurrenz wegen in Kreuzlingen nicht Kurse vom Kanton subventionieren. Eine Ausnahme gibt es aber: Kann ein Berufsbildungszentrum die Kurse ohne Unterstützungsbeiträge des Kantons finanzieren, dürfen diese weitergeführt werden. Was im BBM nicht der Fall ist. Bisher ein Auge zugedrückt Doch wieso werden die Kurse genau jetzt aufgelöst? Die kantonalen und eidgenössischen Vorgaben betreffend einer möglichen Subventionierung gelten laut Amtsleiter seit vielen Jahren.
Der Ermessensspielraum legte man bisher grosszügig aus und drückte bislang da und dort ein Auge zu und liess die Weiterbildungen laufen. «Am BBM hatten die Sprachkurse eine lange Tradition. Viele der Teilnehmer besuchten die Kurse seit Jahren und es hat sich eine Gemeinschaft gebildet», weiss Volkart. Ein politischer Vorstoss im Grossen Rat griff das Thema auf und wies auf die Konkurrenzierung von einzelnen Weiterbildungsangeboten mit der Privatwirtschaft hin. In der Folge prüfte das Amt sämtliche Kurse näher darauf, ob es auf regionaler Ebene Konkurrenzangebote gibt. Anfang 2022 nahm Marcel Volkart mit Schulleiterin Fabienne Lachat Kontakt auf und informierte sie, dass die Weiterbildungskurse nicht mehr subventioniert werden dürfen. Diese bat Volkart um ein halbes Jahr «Schonfrist», bis die Kurse abgesetzt werden, so dass die Schüler die Sprachkurse wenigstens abschliessen können. Das Amt sagte dem Kompromiss nach Absprache mit der Regierungsrätin im Sinne einer Übergangslösung zu, da die Kurse bereits ausgeschrieben waren. Und doch informierte Lachat die Schülerinnen und Schüler erst kurz vor den Sommerferien darüber, dass ab den Herbstferien keine Weiterbildungskurse mehr stattfinden. Im Januar 2022 wurde jedoch bereits darüber informiert, dass Kurse nur noch kostendeckend möglich seien - von dem die interviewten Schüler aber nichts wussten. Gemäss Hinweisen von Fabienne Lachat wollte man erst über eine Schliessung der Kurse informieren, wenn dies definitiv entschieden ist. Gschnorr war unnötig Änderungen der Richtlinien, fehlende Subventionen, aufwändige Zertifizierungen... Für viele Schüler waren Lachats Zeilen nicht verständlich. «Hätte man uns wie Herr Volkart erklärt, warum die Kurse eingestellt wurden, hätte es kein so grosses 'Gschnorr' gegeben», ist Elisabeth Herd überzeugt. «Eigentlich können wir dankbar sein, dass der Kanton die Kurse trotzdem so lange unterstützt hat», resümiert Herd.
Von Desirée Müller
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