29.06.2023 14:28
Das Instrument beherrschen
Linus Tschopp ist einer der besten Euphonium Spielern der Ostschweiz
Auf dem elterlichen Bauernhof habe ich mich mit Linus Tschopp verabredet. Er ist der jüngste von vier musizierenden Brüder. Ab September wird es ihn nach Bern ziehen. Mit dem Start eines Musikstudiums wird ein neuer Lebensabschnitt auf Ihn warten.
Sulgen Der gelernte Zimmermann entschied sich Ende letzten Jahres, alles auf die Karte «Musik» zu setzen und seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. «Ich bin sehr froh, dass ich eine abgeschlossene Lehre habe. Das ist meine Grundlage und egal was passiert, ich kann immer darauf zurückgreifen.», so Linus. Gerade mal ca. zehn Studentinnen und Studenten studieren an der «Hochschule der Künste Bern» auf dem Euphonium. Drei Jahre lang wird der BA of Art in Classic Music dauern. Um das Lehrdiplom zu erhalten, wird Linus wahrscheinlich noch zwei Jahre dranhängen.
Schon vor dem Studium sehr engagiert
Linus gilt als einer der besten Euphonium-Spieler der Region, hat schon diverse Preise erhalten, an internationalen Wettbewerben im Ausland mitgespielt, stand dabei oft im Finale und reiste mit einer Auszeichnung zurück. 2020 bis 2022 erreichte er unter anderem die Finale des «Prix Musique», an dem bis zu 5000 junge Musikerinnen und Musiker – von der Flötenspielerin bis zum Schlagzeuger - teilnehmen. Aus der Ostschweiz qualifizieren sich jeweils ein bis zwei Teilnehmende vom «Ostschweizer Solisten und Ensemble Wettbewerb». Die wichtigste Auszeichnung für junge Solistinnen und Solisten in der Schweiz. «Ein Thurgauer trumpft gross auf», oder «Linus Tschopp ist so erfolgreich wie kein anderer», lauten die Schlagzeilen über ihn. Trotz all der Erfolge bleibt Linus auf dem Boden. Bescheidenheit wurde ihm in die Wiege gelegt, dies zeigt auch ein Gespräch mit seinem Vater. Ob er denn stolz auf seinen Sohn sei, frage ich ihn. Der Landwirt nimmt sich eine kurze Pause von der Arbeit auf dem Hof und überlegt einen Moment, bevor er antwortet. «Das Wort Stolz nehme ich nicht so gerne in den Mund. Ich bin vielmehr glücklich, dass Linus das machen darf, was ihn mit Freude erfüllt.» Ob er denn vor den Auftritten nervös sei, fragen wir Linus. Trotz all seiner Erfahrung ist der Auftritt immer eine spezielle Erfahrung. Somit ist immer ein leichtes Kribbeln vorhanden. Glücksbringer habe er jeweils keine dabei – dafür aber gute Gedanken im Kopf. «Nach einem schönen Erlebnis versuche ich das Glücksgefühl zu manifestieren und es vor einem Wettkampf oder Auftritt wieder hervorzurufen. Und das klappt meistens ganz gut», verrät er. Auch Selbstreflektion ist für den jungen Musiker wichtig bei der Weiterentwicklung. So «analysiert» er seinen Auftritt gerne und versucht daraus zu lernen. Linus spielt bereits vor Studienantritt auf einem sehr hohen Niveau, ob er denn überhaupt noch etwas lernen kann von seinen Dozenten, wollen wir wissen. «Und ob, sehr vieles sogar! Bei einem Musikstudium kann man viele verschiedene Facetten der Musik kennenlernen. So beispielsweise theoretische Hintergründe besser kennenlernen, im mentalen Bereich Fortschritte erzielen oder Interpretationen von diversen Stielrichtungen besser kennenlernen», ist er überzeugt.
Blasmusik und seine Vielfalt
Mit Blasmusik verbindet man gerne rassige Marsch- oder Festzeltmusik. Dass die Musikrichtung aber viel mehr zu bieten hat, möchte Linus auch jungen Menschen zeigen. Quasi als Botschafter für die vielfältige Blasmusik. Linus ist mit seinem Euphonium Aktivmitglied der Musikgesellschaft Sulgen sowie der Liberty Brass Band Ostschweiz und der Jugendmusik Kreuzlingen. Geprobt wird zudem täglich zu Hause im «Schlaf- und Übezimmer», im Garten auf dem Hof oder gerne auch mal im Wald. Gut 15 Stunden die Woche investiert er aktuell mit dem Selbststudium. Dies dient momentan zur Vorbereitung für das Studium. Zum Üben mussten ihn seine Eltern nie ermutigen. Alle vier Jungs wie auch sein Mutter spielen Blasinstrumente und so gehört die Musik einfach zum Alltag der Familie dazu.
Von Desirée Müller