Das Ensemble probt bereits intensiv an "Liliom". Mario Gaccioli
22.06.2023 00:00
«Das Stück ist eine Entdeckung»
Melancholisch dunkler, absurd-komischer Stoff: «Liliom» auf der Seebühne
Die Proben für «Liliom – Eine Vorstadtlegende» haben begonnen. Für seine Sommerproduktion am Bodenseeufer konnte das See-Burgtheater wieder ein erstklassiges Ensemble gewinnen. Astrid Keller inszeniert mit der zehnköpfigen Schauspieltruppe den gleichermassen mitreissenden wie tragischen Klassiker des ungarischen Autors Ferenc Molnár. Premiere ist am 13. Juli.
Kreuzlingen «Liliom – Eine Vorstadtlegende» lebt von den Figuren des Stücks und deren Dialogen. Diese haben Regisseurin Astrid Keller sofort in Ihren Bann gezogen. Entsprechend freue sie sich jetzt sehr auf die Schauspielarbeit, denn die Proben für das Open Air Theater am Kreuzlinger Bodenseeufer haben diese Woche begonnen. Aus Zürich, Wien, Hamburg, Basel sowie aus der Bodenseeregion hat das See-Burgtheater eine hochmotivierte Truppe zusammen getrommelt, die den melancholisch-dunklen und zugleich absurd komischen Stoff des ungarischen Dramatikers Ferenc Molnár mit Leben füllt. Eine wichtige Aufgabe, denn zentrale Punkte der Handlung werden nicht gezeigt, sondern ziehen sich in Dialogen, oftmals sogar nur angedeutet, durch das Stück. So wird etwa Gewalt kaum und eine handlungsbestimmende Liebesaffäre gar nicht gezeigt. «Dadurch, wie die Figuren miteinander reden, spürt man ganz viel», so Astrid Keller – und man hinterfrage viele scheinbare Gewissheiten über Beziehungen. Sie ist sich sicher: «Das Stück wird eine Entdeckung sein für viele Zuschauer.»
Die Charaktere der von Molnár so lebendig ausgearbeiteten Rollen werden auch durch die Kostüme transportiert. Gestaltet werden sie von den Kostümbildnerinnen Klara Steiger und Beate Fassnacht. Sie möchten die Zartheit und Grobheit der für das Stück so essentiellen Sprache auf das Erscheinungsbild der Figuren übertragen. Dabei solle dem Stück eine Art Zeitlosigkeit gegeben werden: die Kostüme sollen nicht richtig heutig, aber auch nicht der Original-Zeit zuzuordnen sein – schliesslich sei das Thema Gewalt ja ebenfalls zeitlos. Das Bühnenbild stammt auch in diesem Jahr von Damian Hitz, für die musikalische Leitung konnte erneut Philippe Frey gewonnen werden.
Und darum geht es im Stück: Liliom ist Karussellausrufer bei Frau Muskat – und deren Liebhaber. Als er und Julie sich heftig ineinander verlieben, verliert er seinen Job. Ohne Arbeit, Geld und richtige Wohnung, klammern sich die beiden an ihre Liebe, die zwischen Leidenschaft, Hilflosigkeit und Gewalt aufgerieben wird. Als Julie schwanger wird und ein Kind erwartet, will Liliom Geld beschaffen und lässt sich zu einem Raubmord überreden. Der Plan misslingt allerdings, Liliom nimmt sich das Leben und landet im Jenseits. Achtzehn Jahre später darf für einen Tag zu seiner Tochter auf die Erde…
Weitere Informationen: www.see-burgtheater.ch
red