22.12.2022 00:00
Der «Gänsehautmoment»
Yanek Schiavone erzählt über das Engagement der Hilfsorganisation «Des sourier pour le Togo»
Schiavone gründete vor zehn Jahren den Verein «Des souries pour le Togo» in Tägerwilen. Dieser baute seither Schulen sowie Gesundheitszentren und organisierte viele Aktionen, die in Erinnerung bleiben - wie aktuell eine Miniatur- Fussball-WM im Togo.
Tägerwilen/Marokko Yanek ist nach einer langen Autofahrt im Hotel angekommen. Er humple etwas, aber sonst sei er wohlauf, so der Gründer der Tägerwiler Organisation «Des sourires pour le Togo.» Der 35-Jährige aus Kreuzlingen befindet sich auf Recherchetour für sein Buch über Jugendliche in Marokko. Geplant war sein Auszeitjahr von der Arbeit als Seklehrer in Bürglen eigentlich anders, doch bei einem Fussballspiel mit «Locals» auf der griechischen Insel Lesbos im Rahmen eines Flüchtlingsprojekts, verletzte er sich an seinem sowieso schon lädierten Knie. Die anschliessende Reise durch Indonesien wurde somit kurzerhand verschoben. «Immerhin konnte ich das Projekt in der Türkei noch durchführen», ist er dankbar. So radelte er von Kreuzlingen nach Istanbul und sammelte Spenden für ein Hilfsprojekt.
Glücklichste Mensch der Welt
Wir reden per Whatsapp-Call miteinander und nach einer Stunde frage ich ihn etwas verwirrt: «Wie machst du das Himmelherrgottnochmals alles?» 100 Prozent Anstellung als Lehrer, gefühlte 120 Prozent Einsatz für seine Hilfsorganisation in Afrika und verschiedenste weitere Engagements im Namen von benachteiligten Kindern. Viel Zeit für anderes bleibe in der Tat nicht, doch sei das absolut ok für ihn. «Ich bin der glücklichste Mensch der Welt», sagt er und ich sehe ihn durchs Telefon hindurch strahlen. «Was gibt es Schöneres, als Kindern zu helfen, die so wenig haben?», fragt er. Vor zehn Jahren reiste Yanek nach Togo und verliebte sich in Land und Leute. Eine fröhliche, bescheidene Kultur lernte er kennen. Doch auch viel Armut. Zurück in Kreuzlingen verfasste er auf Facebook einen Post. Er erinnert sich noch an den Wortlaut: «Hey ich bin Yanek und möchte mich für die Kids in Togo engagieren.» «Es meldeten sich zu meiner Überraschung Menschen aus der ganzen Schweiz», ist er heute noch erstaunt. Seither realisiert der Verein mehrere Projekte im Jahr. Diesen Sommer reisten wieder einige Vereinsmitglieder - auf eigene Kosten - nach Togo um die Fortschritte zu prüfen. «Es ist auch sehr wichtig, Infrastrukturen, wie eine unserer Schulen, instand zu halten. Nachhaltigkeit steht für einen der drei Grundpfeiler des Vereins.» 1000 Kinder können zum Beispiel dank des Vereins die Schule besuchen. Besonders freut sich Yaneck über die Eröffnung einer Klinik, die durch De souris pour le Togo aufgebaut wurde. «Und noch mehr, dass drei Wochen nach der Eröffnung das erste Baby darin zur Welt kam», so der Kreuzlinger ganz gerührt. Für einmal lancierten die Mitglieder und Mithelfenden vor Ort eine Aktion, die nicht von Dauer ist - jedoch sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird. «Wir holten die Fussball WM in den Togo», sagt Yanek fröhlich. Lokale Fussballvereine konnten ihre Jungmannschaft für ein Turnier anmelden, das die ganze WM durch lief. «Die Kinder konnten sich für ein Land entscheiden, für welches sie quasi spielten. An den Wochenenden fanden so die Matches statt und anschliessend wurde gemeinsam das Spiel in Katar angeschaut. «Es hat uns wahnsinnig gefreut, dass sich die Aktion so schnell herumsprach, jeweils das ganze Dorf kam zusammen.»
Gschenkli für Waisen
Aktuell sammelt der Verein Spenden, mit dem Geld werden Weihnachtsgeschenke für die Kids in Waisenhäusern gekauft und von einem Samichlaus in Togo verteilt. Yanek kann es kaum erwarten, die Fotos zu sehen und Geschichten zu hören. «Solche Aktionen sollen Hoffnung bringen und den Menschen Mut machen, dass es auch Gutes in der Welt gibt.» Man merkt, mit wie viel Freude Yanek am Werk ist und auch alle Mitglieder des Vereins.
Die Freude daran behalten
«Das Wichtigste ist für uns, dass wir alle Spass haben an unserer Arbeit. Natürlich wäre schön, wenn wir noch mehr Projekte durchführen könnten, doch auch wir müssen unsere Energie gut einteilen. Wenn wir etwas machen, dann richtig und mit voller Überzeugung.» Und dann geschehen genau die «Gänsehautmomente », die Yanek die Power geben, sich so zu engagieren und auf vieles andere zu verzichten:. «Nämlich dann, wenn alle an einem Strick ziehen und der Punkt kommt, an dem wir merken, dass wir wirklich etwas bewegen können.»
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Von Desirée Müller