Guido Gross sieht in der Energiebeschaffung eine grosse Herausforderung. Kurt Peter
07.04.2022 07:30
Die Entwicklung beobachten
Stadt und Energie Kreuzlingen präsentieren beide Rechnungen 2021 mit Gewinn - Zukunft mit Sorgenfalten
Die Stadt schliesst ihre Rechnung 2021 mit einem Überschuss von 2,7 Millionen Franken, Energie Kreuzlingen mit Gewinn von 3,1 Millionen. Der Rückblick fällt positiv aus, der Blick in die Zukunft mit Sorgenfalten. Der Gemeinderat wird am 12. Mai über die Geschäfte beschliessen.
Kreuzlingen Von einem «erfreulichen Ergebnis, in dem sich die Pandemie nur geringfügig ausgewirkt hat», sprach Stadtpräsident Thomas Niederberger anlässlich der Medienkonferenz am Montagmorgen. Das Plus von 2,7 Millionen Franken entspreche einer Verbesserung gegenüber dem Budget 2021 von 5,4 Millionen Franken. «Wir können aufgrund des Resultats positiv in die Zukunft blicken, allerdings mit einigen Unwägbarkeiten», so Thomas Niederberger.
Glücklicher Einzelfall
Thomas Knupp. Leiter Finanzen, erläuterte einige grössere Abweichungen. «Bei den Grundstückgewinnsteuern konnten wir mit 1,2 Millionen mehr als budgetiert und insgesamt drei Millionen Franken verbuchen, das ist ein Rekordwert». Die allgemeinen Gemeindesteuern lagen um 1,9 Millionen Franken über dem Budget. «Während wir bei den natürlichen Personen eine Punktlandung verzeichnen konnten, lagen die Einnahmen bei den juristischen Personen um 1,8 Millionen höher, davon entfielen 60 Prozent auf einen Einzelfall».
Positiv auf das Resultat hätten sich auch Minderausgaben ausgewirkt, meinte Thomas Knupp weiter. So mussten in den Bereichen Sozialhilfe, Kinder- und Jugendheime sowie Asylwesen 1,3 Millionen Franken weniger ausgegeben werden. Auch der Gemeindebeitrag an die Krankenkassen-Prämienverbilligung sei um 435'000 Franken tiefer ausgefallen. «Und schliesslich fiel der Personalaufwand aufgrund verschiedener Faktoren um 611'000 Franken tiefer als budgetiert aus». «Wir haben 2021 im Vergleich zu den Vorjahren hohe Investitionen tätigen können», erklärte Thomas Niederberger. Von den insgesamt 19 Millionen Franken flossen 5,1 Millionen in das Familien- und Freizeitbad Egelsee, 4,9 Millionen in die Überführung Kulturzentrum Schiesser und 1,3 Millionen in Gewässerverbauungen. «Die offenen Verpflichtungskredite belaufen sich auf 91 Millionen Franken», so Niederberger.
Viele offene Punkte
Die Vorschau des Stadtpräsidenten fiel aufgrund der Ukraine-Krise und der Pandemie mit vielen offenen Punkten aus. Die wirtschaftliche Entwicklung sei ungewiss, die Auswirkungen auf die Sozialkosten sowie die Entwicklung im Gesundheitswesen sowie das Zinsniveau müssten im Auge behalten werden. «Wir sind bereits ins Budget 2023 eingestiegen, wir müssen Rahmenbedingungen berücksichtigen, auf die Entwicklung reagieren und die Aussichten beurteilen», so Thomas Niederberger. Für die Senkung des Steuerfusses gebe es «Spielraum, wenn sich die Rahmenbedingungen nicht massiv verändern».
Ein solides Ergebnis
Thomas Beringer sprach bei der Präsentation der Rechnungen von Energie Kreuzlingen als zuständiger Stadtrat von einem «soliden Ergebnis». Das Gesamtergebnis lag bei einem Gewinn von 3,1 Millionen Franken deutlich über dem Budget, welches einen Überschuss von 900'000 Franken vorgesehen hatte. Guido Gross ging als Direktor von Energie Kreuzlingen auf die einzelnen Bereiche ein. «Die Sparten Gas und Elektrizität tragen am meisten zum positiven Resultat bei», sagte er. Die Sparte Elektrizität machte 1,438 Millionen Gewinn, die Sparte Gas fast 1,6 Millionen. Ein sehr deutliches Absatzplus in der Gasversorgung aufgrund der kalten Witterung sowie Deckungsdifferenzen und etwas tiefere Kosten in der Stromversorgung hätten zum besseren Ergebnis beigetragen. «Beim Gas hat uns der tiefere Eurokurs auch geholfen».
Die Wasserversorgung erzielte ein positives Ergebnis von 233'000 Franken. «Das ist ein um 90'000 Franken besseres Ergebnis als geplant». Umsatz und Beschaffung weichen allerdings deutlich vom Budget ab, «da die geplante Preiserhöhung des Vorlieferanten Wasserversorgung Kreuzlingen nicht zustande kam». Die Investitionen von Energie Kreuzlingen beliefen sich im vergangenen Jahr auf 7,7 Millionen Franken. Budgetiert waren 10,26 Millionen Franken. Die Differenz sei auf nicht getätigte Investitionen wie bei Reservoiren (eine Million), Investitionsausgaben bei Grundstücken EW (633'000 Franken) oder Solaranlagen (444'000 Franken) zurückzuführen.
Die Preise werden steigen
Da Energie Kreuzlingen Gas drei Jahre zurück beschaffe, habe eine Preisanpassung bisher nicht stattgefunden. «Wir konnten zu einem tieferen Preis einkaufen», so Guido Gross. Allerdings hätten aufgrund des Ukraine-Konflikts «Preissprünge in ungeahnten ausmassen stattgefunden». Bei Gas sei eine Preissteigerung von 200 Prozent zu verzeichnen, beim Strom von 100 Prozent. «Die Energiebeschaffung wird noch deutlich anspruchsvoller, auch wenn für 2023 ein grosser Teil bereits beschafft wurde, werden die Preise beim Strom und vor allem beim Gas merklich steigen», zeigte sich der Direktor von Energie Kreuzlingen überzeugt.
Von Kurt Peter