Die Jungparlamentarier tagten in Weinfelden. zVg
03.03.2022 07:52
Die Kantonsräte der Zukunft tagten
Jugendparlament Thurgau hat klare Ziele
Politik und Medienkompetenz gehören in den Schulalltag - von dem ist das Jugendparlament Thurgau überzeugt. Präsident Marco Bortoluzzi wünscht sich diesbezüglich mehr Unterstützung seitens der Schulen. Am vergangenen Samstag trafen sich die jungen Politiker im Thurgauerhof in Weinfelden für die jährliche Hauptversammlung
Weinfelden Lieber eine Handvoll engagierter Köpfe, statt ein Verein mit tausend passiven Mitgliedern, findet Marco Bortoluzzi, Präsident des Thurgauer Jugendparlaments (Jupa). Etwas überrascht über die gerade mal zehn Teilnehmer an der Hauptversammlung im Thurgauerhof in Weinfelden war der 23-Jährige vergangenen Samstag dann aber schon. «Vielleicht müssen wir uns künftig anders aufstellen als eine Partei», überlegt sich der junge SVP'ler. Die Anwesenden waren entweder bereits im Vorstand, oder traten zur Wahl an. Der harte Kern sei jedoch eine «coole Truppe», die einiges bewirke, und darum gehe es schlussendlich. «Mein persönliches Ziel als Präsident ist es nicht schnell zu wachsen. Wir sind keine Partei, die auf möglichst viele Anhänger angewiesen ist um so ihre politische Meinung zu streuen», so Bortoluzzi, der sich schon lange für politische Themen einsetzt. Eine Sache freut ihn besonders: «Zu Beginn war ich der einzige Lehrabgänger, alle anderen Mitglieder waren Studenten. Mittlerweile sind wir sehr ausgeglichen aufgestellt was die Ausbildung betrifft.» Ein sehr wichtiger Punkt im Jugendparlament: «So können wir auf ganz einer breiteren Ebene diskutieren.»
Politik unterhaltsam machen
Über aktuelle Abstimmungen oder Wahlen wird im Jupa aber nicht debattiert. Möglichst neutral möchten die jungen Politikerinnen und Politiker nach Aussen treten und andere junge Erwachsene für die politische Arbeit begeistern. «Wir sind jung und lustig. Ich denke es ist etwas anderes, wenn wir Schülerinnen und Schülern das Thema näher bringen möchten, als ein Lehrer.» So waren Bortoluzzi und seine Kolleginnen und Kollegen bereits mehrmals in der Region in Sekundar- und Kantonsschulen unterwegs, um Politik «locker-Flockig» ins Klassenzimmer zu bringen. An der Hauptversammlung wurde nämlich einmal mehr betont, dass Medienkompetenz und Politik in den Schulplan gehören.
Wahr oder Fake?
«Es ist unfassbar wie viel Zeit Kinder und Jugendliche auf den sozialen Kanälen in einer Traumwelt verbringen. Wenn eine Primarschülerin bereits von einer Gucci-Handtasche träumt, mach mich das wirklich nachdenklich. Aus meiner Sicht ist es verwerflich, dass Eltern ihr Haushaltsbudget strapazieren müssen, nur dass ihr Kind in der Schule einem Status nacheifern kann.» Fake-News von wahren Meldungen zu unterscheiden, werde in der digitalen Welt dazu immer schwieriger für junge Menschen. Hier setzt die Medienkompetenz an, welche das Jugendparlament Thurgau in den Schulen fördern möchte. Generell wünscht sich das Jupa, dass sie Lehrpersonen stärker für die Vermittlung politischer, aktueller Themen einsetzt. «Letztes Jahr schickten wir an Thurgauer Schulleiterinnen und Schulleiter sowie Lehrpersonen eine Einladung zum Jugendpolitiktag, mit der Bitte, diese an die Schüler weiterzuleiten. Leider nahmen nur 25 Jugendliche teil. Eine Umfrage nach der Veranstaltung zeigte, dass die wenigsten ihre Schüler überhaupt über das Angebot informierten. Das finde ich doch sehr schade.» der Jupa-Präsident wünscht sich hier eine stärkere Unterstützung seitens der Schule. Begeistert ist er hingegen vom Engagement von Pascal Mächler von der Fachstelle für Kinder-, Jugend- und Familienfragen in Frauenfeld. «Wir freuen uns wirklich sehr, wenn unsere Angebote und Projekte auf möglichst vielen Kanälen gestreut werden.»
Wer sich in jungen Jahren politisch einsetzen möchte wie Marco und seine Kolleginnen und Kolegen, kann Mitglied des Jugendparlaments Thurgau werden. Aktuell zählt der Verein vierzig Mitglieder aus den verschiedensten Berufsgattungen. «2022 wollen wir wieder spannende Anlässe für unsere Mitglieder veranstalten. Man kann wichtige Kontakte knüpfen und vieles fürs Leben lernen.»
Desirée Müller