So kann es laut den Gegner der Bodensee-Thurtal-Strasse nicht weitergehen. Desirée Müller
25.03.2022 17:24
"Die Thurgauer Regierung ist einfach zu stur"
BTS-Gegner luden zur Medienorientierung ein
Von Blödsinn, Sturheit und veraltetem Denken ist an der Medienorientierung im ehemaligen Frohsinn in Weinfelden die Rede. Vertreter aus Politik und Umweltverbänden stellen sich klar hinter den Bundesrat, welcher die Bodensee-Thurtal-Strasse kritisch beurteilt hat. Die BTS sei nicht die Lösung aller Probleme - vielmehr sollen punktuell Lösungen in den Gemeinden gefunden werden.
Weinfelden Mal ist sie auf die eine, mal auf die andere Seite gekippt – die Bodensee Thurgau Strasse (BTS) -Geschichte ist seit 20 Jahren ein grosses Thema im Thurgau und: „Wir stehen immer noch genau am gleichen Ort wie damals“, sagt Kantonsrat Kurt Egger. In dieser Zeit wurde laut des „Grünen“ „an nichts Neuem herum studiert“, das Projekt stehe grundsätzlich auf einer schlechten Basis. Verschiedene Punkte habe der Bundesrat der BTS angekreidet und jedem einzelnen stimmt Egger zu: Die Probleme sind zu gering, der Flächenbedarf ist zu gross, der Nutzen zu klein, die Kosten zu hoch. Zur Erklärung zeigen die Anwesenden eine Karte, auf welcher mit roten Punkten die Stauproblematik in den verschiedenen Regionen der Schweiz aufgezeigt wird. „Die Statistik zeigt, dass es in dem Abschnitt weniger als 7 Stunden pro Woche Stau gibt“, erklärt Egger und ist überzeugt, dass der Bau einer Entlastungsstrasse durch den Oberthurgau und das Thurtal von Bonau nach Arbon die falsche Lösung sei für die Verkehrsüberlastung in betroffenen Gemeinden. Auch finanziell sei das Projekt ein „Blödsinn“ und stehe in keinem Verhältnis. „Das Schweizer Nationalstrassennetz ist gebaut. Engpässe sollen durch Erweiterungen behoben werden – neue Autobahnen zu bauen, ist aber definitiv nicht der Plan.“
Lärmteppich nimmt zu
Peter Wildberger, Präsident des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VSC) Sektion Thurgau, erwähnt die Bodenstrategie des Bunden, nach der bis 2050 kein zusätzlicher Boden oder Wald für eine neue Infrastrukturfläche verwendet werden soll. „Boden ist nicht vermehrbar“, betont er. Projekte wie den Ausbau von Pannenstreifen zu Spuren, das seien gute Ansätze. Mit der BTS würde laut Wildberger ein riesiger neuer Lärmteppich entstehen. Auch wenn es künftig mehr e-Autos geben würde: „Der Lärm verursachen hauptsächlich die Pneus“, erklärt er. Toni Kappeler von Pro Natur Thurgau spricht von einem beträchtlichen Eingriff in die Natur, die Verkehrsproblematik dürfe nicht bagatellisiert werden, doch die BTS sei das falsche Instrument für die örtlichen Probleme. „Die Befürworter können so lange Lobbyarbeit betreiben, wie sie wollen. Es ist Realitätsverweigerung.“ Auch der frühere Thurgauer SP-Politiker Peter Grubser lobt den Bundesrat, er hofft, dass der Planungswahnsinn endlich gestoppt werde.
Wirtschaft nicht in Gefahr
Ueli Fisch zeigte den Regionalökonomischen Aspekt auf. Dass der Thurgau „abgehängt“ werde, sei so falsch. Der Wirtschaftswachstum sei von anderen Faktoren abhängig, und zwar von qualifizierten Arbeitskräften, Boden, Liegenschaften, Einwohnern und dem Steuerfuss. Strassen bauen um die Wirtschaft zu stärken – dies sei ein veraltetes Modell, ist er überzeugt. Die Pandemie habe gezeigt, dass es auch andere Weg zum Arbeiten gibt, statt zu Pendeln. „Die BTS hätte keine volkswirtschaftliche Bedeutung.“ Nationalrätin Esther Graf-Litscher zeigte sich für einmal emotional. „Wer kommt heute noch auf die Idee, 33 Kilometer Autostrasse durch eine Wiesenlandschaft zu bauen?“. Die Thurgauer Regierung sei stur und halte an veralteten Projekten fest. „Man muss zeitgemässe, punktuell Lösungen anschauen.“ Der Regierungsrat sei aufgefordert, einen Plan B zu diskutieren. Sie sei gemeinsam mit Kurt Egger mit der Astra im Gespräch, welche gerne bereit sei, an alternativen Lösungen zu arbeiten. „Die BTS würde dem Thurgau mehr schaden, als sie nützt.“
Der Lengwiler Landwirt Matthias Rutishauser spricht von Blödsinn, bestes Kulturland für den Strassenbau zu opfern. „Jeder zweite Schweizer wird vom Ausland ernährt, wir sind somit auf unsere Anbauflächen angewiesen“, so der junge Bauer. Fruchtfolgeflächen zu kompensiere, das funktioniere nicht. „Ich kann auf der Schwägalp keine Rüebli anpflanzen.“ Dem stimmt Tobias Neubauer als Erlen zu. „Wir müssen entscheiden, in welche Richtung wir als Gesellschaft einschlagen wollen.“
Noch bis Ende April läuft die Vernehmlassung zum Entscheid des Bundesrates zur Priorisierung der Strassenbauprojekte. Die BTS-Gegner planen, nochmals „Gas zu geben“.
Desirée Müller