21.12.2023 08:00
Dunkle Strassen an der Bochselnacht
Nicht nur für die Weinfelder Bevölkerung ist der diesjährige letzte Donnerstag vor Weihnachten ein besonderer Tag. Denn auch viele Besucherinnen und Besucher aus der Region kommen, wenn Weinfelden seine traditionelle Bochselnacht feiert.
Weinfelden Denn dann ziehen alle Kinder von der 1. Primar- bis zur 2. Sekundarschule nach dem Eindunkeln mit ihren «Bochseltieren» durch die Weinfelder Strassen. Das Besondere dabei: Während dieser Zeit wird sowohl die Strassenbeleuchtung, wie auch die Beleuchtung der Geschäfte entlang der Strecke während des Umzugs ausgeschaltet. Dadurch entwickelt sich ein ganz besonderes Ambiente.
Die «Bochseltiere», in der Regel ausgehöhlte, mit Schnitzereien verzierte und durch Kerzen erleuchtete Runkelrüben, werden von den Schülern in der Schule selbst gefertigt. Die Sekundarschule tragen dabei Laternen, die Primarschule Räbelichtli. Früher ging der Brauch sogar so weit, dass Jugendliche in der Bochselnacht rauchen dürfen. Von ihren Eltern geduldet, verrauchten sie Zigaretten und Stumpen. Seit 2004 ist dies aber vonseiten der Schulgemeinde, zumindest während des Umzuges, verboten. Der Umzug startet am heutigen Donnerstag um 17.30 Uhr und führt vom Pestalozzi-Schulhaus über die Rathausstrasse, Amriswilerstrasse, Ruggengatter, Kirchgasse, Frauenfelderstrasse, Bahnhofstrasse, Schulstrasse und zurück zum Pestalozzi-Schulhaus.
Im Anschluss an den Umzug singen die 4., 5. und 6.-Klässler sowie die 1. und 2. Klasse der Sekundarschule das Lied «Freut euch des Lebens» vor dem Rathausbrunnen. Danach begeben sich die Schülerinnen und Schüler zu ihren Schulhäusern zurück, und geniessen dort ein kleines Vesper.
Bochselnachttheater
Am gleichen Abend führen die Schülerinnen und Schüler der 3. Sekundarschule um 19.30 Uhr in der Alten Turnhalle des Thomas-Bornhauser-Sekundarschulzentrums das Bochselnachttheater auf. In diesem Jahr wird das Stück «Oliver Twist» von Charles Dickens gespielt. Tradition ist auch, dass sich die Erwachsenen nach der Aufführung in den Wirtshäusern der Stadt treffen um dort den traditionellen «Böllewegge», ein mit Zwiebeln gefülltes Hefegebäck, essen.
Von Nico Wrzeszcz
Woher kommt der Begriff «bochseln»?
Der Begriff «bochseln» ist verwandt mit «posseln» oder «pochen» und bedeutet etwa klopfen, Lärm erzeugen oder Schabernack treiben. Dieser Lärm sollte dazu beitragen, böse Geister und Dämonen zu vertreiben. Die Bochselnacht erinnert aber auch an alte Totenbräuche, deren Ursprung in mit römischen Bräuchen vermischten keltischen und germanischen Sitten liegen. Daher werden noch heute gerne Totenköpfe in die Rüben geschnitzt.