27.10.2022 08:29
Eigener Garten für 10 Franken
In Weinfelden an der Freiestrasse werden Beete an Hobbygärtner vergeben. Die Anmeldung läuft
Hegen und Pflegen, Setzen und Ernten - und dabei die Gemeinschaft von anderen Gartenfreunden geniessen und von ihrem Wissen profitieren: Ab sofort können sich Interessierte für ein Beet im erweiterten Gemeinschaftsgarten an der Freiestrasse anmelden. ¶
Weinfelden Veronika Portmann steigt von ihrem Velo ab und begrüsst herzlich ihre Freundin Marianne Zweifel, die kurz nach ihr eintrifft. Die beiden Frauen teilen ihre Leidenschaft zum biologischen Gärtnern und pflegen zusammen mit anderen Begeisterten den Gemeinschaftsgarten an der Freiestrasse. Veronika gilt als eine der Pioniere in der Schulgarten-Bewegung und setzt sich für die Weiterentwicklung des Gemeinschaftsgarten ein, der einst von den Schülerinnen und Schülern des Hauswirtschaftsunterrichts genutzt wurde. Individuell aber doch gemeinsam Die beiden Hobbygärtnerinnen laufen durch ihr kleines Reich, Rüeblichraut ragt hoch aus der Erde, Beerensträucher und Tomatenstauden schenken ihre letzten Früchte vor dem Winter und ein prächtiger Chabis wartet darauf, geerntet zu werden. Die leckere «Ausbeute» konnte sich dieses Jahr sehen lassen. Der Garten ist gepflegt, lässt aber der Natur aber Platz zum Atmen und sich entfalten. Veronika Portmann geniesst den Anblick der Beete und hält einen Moment inne. «Unser Gemeinschaftsgarten unterscheidet sich insofern von einem Schrebergarten, dass man sich die Arbeit aufteilt. Jeder pflegt zwar seine eigenen Beete, aber das ganze drumherum wird gemeinsam gepflegt.» Auch der Austausch sei ihnen wichtig, so treffen sich die Gärtner regelmässig zu einem Höck, tauschen sich aus und lernen von einander. Neben dem etwa 50 Quadrameter «kleinen» Garten liegt eine fünfmal so grosse Grünfläche. Die beiden Frauen stellen sich auf den Rasen und breiten die Arme aus. «Hier entsteht die Erweiterung des Gemeinschaftgartens», sagt Marianne Zweifel gar feierlich. Das Land gehört der Stadt Weinfelden, welche den Hobbygärtnern die Fläche zur Verfügung stellt. Bald schon soll hier in den neu entstehenden riesigen 10 x 4 Meter grossen Beeten Gemüse in Hülle und Fülle angepflanzt werden. «Das heisst, dass wir neue Gartenfreunde einladen dürfen, um sich am Gemeinschaftsprojekt zu beteiligten», freuen sich die Initiantinnen. Mit einem symbolischen Beitrag von zehn Franken im Jahr ist das grosszügige Stück Garten sicherlich attraktiv für viele, die keinen eigenen bewirtschaften können oder: «Zum Beispiel im Alter von einem Haus mit Garten in eine Wohnung gezogen sind.» Man habe die gleichen Freiheiten, wie im eigenen Stückchen Garten Eden, kann aber zum Beispiel bei Ferienabwesenheit auf die Unterstützung der anderen Gärtner zählen - und umgekehrt. Nur «Gift» bleibt den Beeten fern. Der Garten wird biologisch geführt und verspricht somit eine geballte Ladung gesunder Kosten.
Von Desirée Müller