08.12.2022 08:54
Ein Baum geht auf Reisen
Mit der Umpflanzung einer Rotbuche im Haffterpark startet der Massnahmenplan für nachhaltige Parkanlagen
Bis 2032 sollen die drei Weinfelder Parks für die nächsten Generationen umgestaltet sein. Biodiversität und Artenvielfalt sind dabei zwei wichtige Themen.
Weinfelden «Noch ein Stück vor!», ruft Jessica Behrens ihrer Kollegin zu, die in einem Akt der Balance die Schaufeln des Baggers unter den «ausgestochenen» Baum führt und versucht ihn anzuheben. Auch nach über einer Stunde scheint sich die Rotbuche noch zu wehren. Dass sie an ihrem neuen Standort jede Menge Platz hat, um ihre Wurzeln zu legen, weiss sie in diesem Moment noch nicht. Die Übung scheint zu einem Ding der Unmöglichkeit zu werden. Landschaftsgärtner arbeiten mit den Stadtgärtnerinnen Hand in Hand, tauschen sich aus, suchen nach Lösungen. Und dann, nach einer gefühlten Ewigkeit knackt es und gleichzeitig ist ein erleichtertes Aufatmen der Beteiligten zu vernehmen. Die letzte Wurzel hat den Kampf gegen den Bagger verloren. Vorsichtig wurd die Buche aus dem Loch gehoben und mit dem Bagger den Kiesweg entlang Richtung Apothekergarten transportiert. Nach wenigen Metern ist jedoch die Reise schon zu Ende. Die Äste eines benachbarten Baumes wurden nicht berücksichtigt bei der Planung. Kurzerhand werden diese gestutzt und der letzte Abschnitt des Weges kann begannen werden.
Meinung der Bevölkerung
Die Umpflanzung der 20-jährigen Rotbuche ist die erste Massnahme eines Konzeptes, welches die kurzbis langfristige Entwicklung der Weinfelder Parks aufzeigt. Namentlich sind dies der Haffterpark, der Komitee- Park sowie der Apotheker- Garten. Bereits 2008 wurde ein erster Gestaltungsplan erarbeitet, zwei Jahre später folgte die Sanierung des Haffterparkes. 2019 musste eine über 150-jährige Hagebuche aus Sicherheitsgründen gefällt werden. 2020 lud die Stadt die Anwohner der Parks zu einer Infoveranstaltung ein. «Uns war es wichtig, die Anwohner in die Planung mit einzubeziehen, ihre Ideen zu hören und Meinungen zu erfahren», sagt Stadtrat Ressort Tiefbau Daniel Engeli. Die Nachhaltigkeit der Weinfelder Parkanlagen ist der Stadt ein grosses Anliegen. Recht könne man es natürlich nie allen machen, doch Wünsche nach mehr Biodiversität, Sitzgelegenheiten oder die naturnahe Heckenbepflanzung wurden gerne ins Konzept übernommen. Ideen wie die Nutzung der Parks für Kulturveranstaltungen wurden aufgenommen, eine Umsetzung benötige hier aber noch Zeit.
Weitere Massnahmen im 2023
In Sachen Umgestaltung hingegen geht es schnell vorwärts. Nach der Umpflanzung der Buche stehen 2023 Neupflanzungen zweier Bäume an. Dazu müssen die Treppen und Wege saniert werden. In den Folgejahren sind Wiesenflächen geplant. «Die Parks haben viele Grünflächen, doch diese sind nicht sehr wertvoll für die Biodiversität», so die Leiterin Gärten. So sollen die Parks in Zukunft auch «leben» dürfen.
Von Desirée Müller