Bei einigen hat es schon gefunkt – Speeddating 60+ in Weinfelden. (Pixabay)
10.11.2021 00:00
Ein «Match» für den dritten Lebensabschnitt
Speeddating 60+ ein Erfolg
Es gibt bereits eine Warteliste für die Teilnahme an den Speeddating Events organisiert von der Pro Senectute Thurgau. Im «Firehouse» treffen sich Seniorinnen und Senioren zum sieben minütigen Austausch mit ihren Dating-Partnern bevor es einen Tisch weiter geht. Andrea Kressibucher erzählt, ob es bei einigen bereits gefunkt hat.
Weinfelden «Die Idee stand in unserem Team bereits vor meinem Eintritt in Januar 2021 in Raum. Nachgegangen wurde dem nicht, weil niemand die Moderation übernehmen wollte», erzählt Andrea Kressibucher, Bereichsleiterin für Bildung und Sport von Pro Senectute Thurgau. «Ich war sofort Feuer und Flamme, denn an der Moderation sollte es nicht scheitern.» Nachdem sie grünes Licht von ihrem Vorgesetzten erhalten hat, fing die Recherche an. Pro Senectute Appenzell Ausserrhoden hatte das Speed Dating bereits vor Corona eingeführt und von dort bekam Kressibucher hilfreiche Tipps. Eine schöne Location mit angenehmer Atmosphäre war ihr sehr wichtig und so kam sie auf das Firehouse. «Unsere Idee kam dort sehr gut an und so kam dann alles ins Rollen.» So will Pro Senectute Thurgau ihrer Zielgruppe eine seriöse Plattform bieten, um ihre sozialen Kontakte erweitern zu können. «Wir können für sie nur den ersten Schritt machen, wie sich die Geschichten entwickeln, liegt nicht mehr in unserer Hand», sagt sie mit einem Schmunzeln.
Und so funktioniert es
Bei den Anmeldungen setzt die Veranstalterin die Limite von 15 Damen und 15 Herren. Bis jetzt habe es fast immer geklappt, dass die Geschlechter ausgeglichen waren. «Während der Durchführung sitzen sich Mann und Frau jeweils sieben Minuten gegenüber und lernen sich kennen. Die Damen dürfen am Tisch sitzen bleiben und die Herren wechseln nach unserem Signal den Tisch, bis sich alle unterhalten haben», erklärt die Initiantin. Den Teilnehmenden wird eine «Date-Karte» abgegeben. Finden sie jemanden sehr interessant, können sie dies vermerken. «Am Schluss sammeln wir die Karten ein und werten sie aus. Bei einer Übereinstimmung werden von uns die Kontaktdaten weitergegeben», so das einfache Konzept. Man sei jeweils sehr gespannt, wie alles abläuft und ob vielleicht auch bekannte Gesichter zu treffen sind. Zum Teil seien die Erwartungen von Teilnehmenden sehr hoch. Andere liessen es einfach auf sich zukommen, machten die Organisatoren die Erfahrung. Die Damen seien grundsätzlich etwas mutiger und melden sich sehr schnell an. «Die Herren bringen wir in der Anzahl jeweils bis kurz vor Durchführung voll. So konnten wir im Juni und September eine Veranstaltung durchführen. Für die Damen haben wir sogar eine Warteliste für das nächste Jahr», freut Kressibucher sehr. «Vermutlich ist bei den Frauen der Wunsch nach einer Partnerschaft auch im fortgeschrittenen Alter stärker als bei den Männern», vermutet Kressibucher. Niemand sei schliesslich gerne alleine, vor allem seit der Pandemie zeige sich dies sehr deutlich. «Wir haben zeitlich auch genau den richtigen Moment erwischt.»
Freundschaft oder mehr?
Bei den Damen sei tendenziell eher eine Partnerschaft gewünscht und bei den Herren Freundschaften und neue Bekanntschaften. «Ich möchte jedoch nicht schubladisieren und denke, dass es bei beiden Geschlechtern auch beide Motive dabei hatte.» Welche Themen besprochen wurden, kann Kressibucher nur erahnen. So gönnen sie den Teilnehmenden natürlich die nötige Privatsphäse. Was sie hingegen wissen, sind die aktuellen Lebensumstände. Ob man geschieden oder verwittwet ist und was man sich für die Zukunft wünscht, wird gerne während den Pausen diskutiert. «Es stand immer eine grosse Dankbarkeit im Raum. Die Teilnehmenden haben diese Möglichkeit des Speed-Datings 60+ sehr geschätzt.» Und die schönste Nachricht: «Wir wissen von mindestens einem Paar, welches uns bereits kurz nach der Veranstaltung mitteilte, dass sie ihr gemeinsames Leben am planen sind.»
Von Desirée Müller