Das Seemuseum ruft die Bevölkerung auf, Objekte mit Seegeschichte für die kommende Ausstellung bereitzustellen. Nico Wrzeszcz
19.07.2022 13:27
Eine Ausstellung zum Mitgestalten
Pop-up-Ausstellung «Küsse. Kajaks. Katastrophen» im Seemuseum
Seit Januar findet im Seemuseum Kreuzlingen das Transformationsprojekt «Meine Seegeschichte» statt. Nun beginnt ein weiterer Teil davon. Unter dem Motto «Küsse. Kajaks. Katastrophen» können Sie nun gesammelte Erinnerungsstücke einreichen und ausstellen lassen.
Kreuzlingen Die Bevölkerung habe viel Handlungswissen in ihren Köpfen. «Unser Ziel ist es, die Menschen zu Wort kommen zu lassen», erklärte Museumsleiter Christian Hunziker. «Wir wollen die Bevölkerung mit einbeziehen. Die Leute sollen uns Objekte vorbeibringen und uns die Geschichte dahinter erzählen.» Dies soll aber nicht eine erfundene Geschichte sein. Es gehe um persönliche Geschichten vom See, die man selbst oder die Grosseltern erlebt haben. «Es ist so eine Art Spurensuche nach dem Lebensgefühl», so Hunziker. Es gehe bei diesem Projekt auch ein bisschen darum, eine Hemmschwelle zu überwinden. Auch wenn das Objekt materiell keinen Wert hat, so könne doch eine interessante Geschichte dahinter stecken. «Wie zum Beispiel eine Arbeiterkarte aus Friedrichshafen, die während dem Zweiten Weltkrieg nach einer Explosion durch den Wind über den See getragen wurde und in Kreuzlingen gelandet ist», erzählte der Museumsleiter.
Erste Berufsfischerinam Bodensee gibt Auskunft
Neben der Sammelstelle werden auch rund 25 Interviews mit ZeitzeugInnen und ExpertInnen geführt. «Wir haben bereits etwa ein Dutzend Interviews durchgeführt, unter anderem mit Frieda Meier, der ersten Berufsfischerin am Bodensee», verschaffte Hunziker einen Einblick in die Interviewpartner. Bereits zum Kreuzlinger Stadtfest habe das Seemuseum in zwölf Fragenrund 30 «Seekinder» befragt, was für sie den See ausmacht. Interessant: «Diese zwölf Fragen haben wir auch den Experten gestellt. Es ist sehr spannend, welch unterschiedliche Antworten erhalten haben.» Die Ausstellung sei ein Schritt vom Museum zu den Menschen, erklärte Julian Fitze, Kulturvermittler im Seemuseum. Es sei ein Experiment, man wolle viel neue ausprobieren.
Ausstellung im Gewölbekeller
Vom 16. bis 25. September findet die Pop-up-Ausstellung im Gewölbekeller des Seemuseums statt. «Zur Eröffnung haben wir ein Objektkaraoke geplant», erzählte Fitze. Dabei werde ein Objekt gezeigt und eine zufällige Person denkt sich zu diesem Objekt eine möglichst passende Geschichte aus. Dazu werden in den eineinhalb Wochen der Ausstellung Zeitzeugen eingeladen, mit denen die Besucher des Seemuseums in einen Austausch kommen können. Ebenso solle auch ein Erzählnachmittag stattfinden. «Mit Blick auf die Bevölkerung ist es auch durchaus vorstellbar, das Museum abends auch mal später zu öffnen und dafür auch länger geöffnet zu haben», so Christian Hunziker. Man sei auch im Austausch mit anderen Museen gestanden, welche eine Pop-up-Ausstellung in der Art bereits durchgeführt haben. «Wir können nur schlecht einschätzen, wie viele Objekte wir erhalten.» Deshalb gebe es ein kleines Gewinnspiel. Die ersten sechs Objekt und die dazugehörigen Geschichten, die bis zum 24. Juli abgegeben werden, gewinnen Freikarten für das See-Burgtheater. «Unser Ziel für die Pop-up-Ausstellung ist es, wenn möglich, alle Objekte ausstellen und zeigen zu können. Die einzige Bedingung ist jedoch, dass alle Objekte nach Ende der Ausstellung auch wieder abgeholt werden», so der Museumsleiter.
Von Nico Wrzeszcz