Gunter Maurer (links) erhielt von Stephan Tobler das Goldlabel. Kurt Peter
17.11.2022 00:00
«Ernten, was gesät wurde»
Kreuzlingen ist Energiestadt Gold – Massnahmenpakete wurden gelobt
2006 erhielt die Stadt Kreuzlingen die Auszeichnung «Energiestadt», seit kurzem hat sie den Goldlabel-Status. Damit wurden die departementsübergreifenden Bemühungen und die Massnahmen in den Bereichen Energie und Klima ausgezeichnet.
Kreuzlingen «2004 hat sich die Stadt auf den Weg gemacht, auf einen langen und manchmal steinigen Weg, heute ernten wir, was gesät wurde», sagte Stadtpräsident Thomas Niederberger anlässlich der Würdigung und der Übergabe des Goldlabels. Vor allem der Energiebeauftragte Gunter Maurer habe sich stark für die Ziele eingesetzt. «Aber Energie und Klima sind departementsübergreifende Aufgaben und brauchen eine gute Zusammenarbeit».
In vielen Bereichen gepunktet
Gunter Maurer ging in seinen Ausführungen auf die Begründungen des Trägervereins Energiestadt ein. Bei dem von diesem durchgeführte Re-Audit habe das Goldlabel erreicht werden können, «weil wir ein umfassendes Massnahmenset in der Stadt haben». Maurer nannte unter anderem den Verkehrsrichtplan, Tempo 30-Zonen, Begegnungszonen, gute ÖV-Verbindungen und dass städtische Bauten Energie fossilfrei erzeugten. «Wir haben das Bekenntnis zu den Netto-Null-Zielen bis 2050».
Zur stolzen Punktzahl von 77,4 Punkten hätten auch die guten Förderprogramme mit genügend finanziellen Ressourcen, die vorbildliche Energieberatung und das Ziel, in den nächsten 30 Jahren keine fossilen Heizungen mehr zu haben, beigetragen. «Zudem kann die Stadt mit den Massnahmen der Klimaanpassung punkten, beispielsweise mit Bachöffnungen und naturnaher Umgebungsgestaltung», erklärte Gunter Maurer.
Eine Erfolgsgeschichte
Stadtrat Ernst Zülle hob das proaktive Beratungsangebot für Liegenschaftenbesitzer hervor. «Kreuzlingen stellt die erforderlichen Fördermittel, auch um sämtliche Altbauten bis 2050 komplett zu sanieren, langfristig zur Verfügung». Ziele seien die fossilfreie Energieversorgung und der massive Zubau erneuerbarer Energien, insbesondere der Solarenergie, auf dem gesamten Stadtgebiet. «Die Zwischenziele werden natürlich laufend überprüft und das nächste Re-Audit folgt in vier Jahren».
Stephan Tobler, Vizepräsident des Trägervereins Energiestadt, sprach von einer Erfolgsgeschichte «eines Vereins, der seit über 30 Jahren existiert». Inzwischen lebten 70 Prozent der Schweizer Bevölkerung in einer Energiestadt. Der Verein sei ein Kompetenzzentrum für lokale Energie- und Klimapolitik. «Kreuzlingen hat ein gutes Resultat erzielt, das ist auf Engagement und den Rückhalt in der Politik zurückzuführen», sagte er anlässlich der Labelübergabe.
Auswirkungen sind spürbar
Von den 80 Gemeinden im Thurgau hätten 18 das Label Energiestadt, sechs davon das Goldlabel. «Die Rolle der Gemeinden ist die Basis, um unsere Ziele zu erreichen» so Stephan Tobler. Leider zünde der Funke bei der Bevölkerung nur langsam, doch die gegenwärtige Weltlage, die aufzeige, wie sehr die Schweiz von Energielieferungen aus dem Ausland abhängig sei, spiele dem Trägerverein in die Karten. Vom Kanton erwarte er sich mehr Unterstützung, auch wenn die Zertifizierungen mit Beiträgen gefördert würden.
Der Vertreter des Kantons, Thomas Volken vom Amt für Energie, überbrachte die Grüsse der Regierung und gratulierte Kreuzlingen «das in den Kreis der 89 Schweizer Gemeinden mit Goldlabel aufgenommen wurde». Leider reichten die Taten für die hochgesteckten Ziele oft nicht, in Kreuzlingen schon. Er lobte den vorbildlichen Massnahmenkatalog der Stadt im Bereich Klimawandel. Dessen Auswirkungen seien spürbar: «Wir haben die Technologie, das Know-how und das Potenzial, doch die Zeit läuft uns davon und es fehlt der Wille, Massnahmen umzusetzen».
Von Kurt Peter