Stadtpräsident Max Vögeli: «Wir wollen in dieser ausserordentlichen Situation einen Teil des Gewinns von 1,4 Millionen Franken dem Weinfelder Gewerbe mit einer Gutscheinaktion zurückgeben.»
22.12.2022 00:00
«Es gab einige harte Brocken»
Stadtpräsident Max Vögelis Jahresrückblick Interview
Das nächste Jahr wird mit vielen Emotionen verbunden sein für den Stadtpräsidenten. Max Vögeli erzählt im Interview, warum er dankbar für das vergangene Jahr ist - trotz einiger harter «Brocken».
Max Vögeli, was kommt Ihnen als erstes in den Sinn, wenn Sie an das Amtsjahr 2022 denken? Dass trotz neuen Unsicherheiten in vielen Bereichen wieder etwas Normalität zurückgekehrt ist. Welche Projekte bleiben besonders in Erinnerung?
Im vergangenen Jahr sind vor allem Grossprojekte weiterentwickelt worden, wie beispielsweise der Bushof mit Bahnhofsgestaltung oder die Revitalisierung des Giessens im Osten der Stadt. Beide Projekte werden noch die Hürde einer Volksabstimmung nehmen müssen.
Welche könnte man auch vergessen?
Das Stadtparlament hat ein Projekt zur Aufwertung des Marktplatzes schon in der Budgetphase versenkt. Die Begründung und der Gegenantrag bleiben für mich suspekt.
Wie sind Sie als Stadtpräsident mit der Energiekrise umgegangen?
Haben Sie intern wie auch von den Bürgern Verständnis bekommen für Massnahmen. Wir haben Weisungen für die Mitarbeitenden erlassen und auch umfangreiche Informationen und Empfehlungen an die Bevölkerung abgegeben. In Zentrum stand und steht für uns alle, den Energieverbrauch zu reduzieren und damit einen wichtigen Beitrag zu leisten. Es wird natürlich auch versucht, unser Luxusleben ohne Abstriche zu verteidigen. Ganz abgesehen vom Krieg ist bekannt, dass es in Afrika Hungertote gibt, über zwei Milliarden Menschen weltweit keinen regelmässigen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben und nach wie vor in vielen Ländern die Menschenrechte mit Füssen getreten werden oder gar nicht existieren. Allein vor diesem Hintergrund ist es für mich nicht nachvollziehbar, wie man über eine fehlende Weihnachtsbeleuchtung diskutieren kann.
Es gab «erneute erste Male» wie das Kulturenfest. Sind Sie froh, dass Sie dieses nochmals als Stadtpräsident erleben konnten?
Man musste während der Corona- Pandemie auf vieles verzichten. Umso mehr standen die Anlässe und Feste wieder im Zeichen der Freude und des Zusammenkommens. Die Menschen haben das spürbar vermisst.
Auch, dass die WEGA wieder stattfand? Sprich, dass sich «Ihr» Weinfelden nochmals in voller Pracht präsentieren konnte.
Es war wirklich super. Wir konnten unsere fünfte Jahreszeit wieder in vollen Zügen geniessen. Die WEGA war perfekt organisiert, präsentierte ein vielseitiges Programm und strahlte ihren Charme in den ganzen Kanton aus. Herzlichen Dank an die Verantwortlichen!
Die Neuorganisation des Thurgauerhofs war wohl auch ein rechter Brocken in diesem Jahr?
Das kann man sagen. Nach der Kündigung des langjährigen Verantwortlichen, Beat Engel vom Hotel Thurgauerhof, mussten wir den ganzen Betrieb neu organisieren. Für die Administration und Vermarktung haben wir die Messen Weinfelden ins Boot geholt. Für das Betriebliche vor Ort ist ein Saal- und Hauswart eingestellt worden. Die Gesamtkoordination wird durch Maja Läubli vom Stadtpräsidium wahrgenommen. Zum Glück können wir weiterhin auf dem langjährigen und ausgezeichneten Catering des Stelzenhofes basieren. Es läuft in der Zwischenzeit, mit den üblichen kleinen Pannen, reibungslos.
Wie haben Sie die Wahlen erlebt? Was denken Sie, wird sich unter Simon Wolfer verändern?
Das ist der Lauf der Zeit. Ich gebe mein Amt nach 22 Jahren in jüngere Hände. Was sich verändern wird, sind Entscheide des neuen Stadtrates.
Können Sie total «abschalten» oder werden immer wieder Momente kommen, wo Sie denken: «Hmm das hätte ich jetzt anders gemacht»?
Ich bin sehr zufrieden und kann auf eine erfolgreiche Zeit zurückblicken. Das Herunterfahren wird sicher seine Zeit brauchen. Ich freue mich jedenfalls auf das, was kommt.
Alle Handlungen passieren zum letzten Mal – was für ein Gefühl ist das?
Das stimmt. Seit Juni finden viele Tätigkeiten und auch Anlässe das letzte Mal statt. Das ist schon mit Emotionen und natürlich auch etwas Wehmut verbunden. Das erlebt jede und jeder auch bei anderen Gelegenheiten. Für mich gehört es einfach dazu.
Wie fühlt sich der Gedanke an, dass Sie «nur» noch Weinfelder Einwohner sein werden?
Das wird rasch gehen und ist für mich kein Thema.
Wie wirkt sich die Pensionierung auf Ihr Familienleben aus?
Das werde ich dann sehen. Ich gehe es auf jeden Fall positiv und mit Freude an.
Grosse Reisen oder neue Hobbys geplant?
Mein liebstes Hobby sind jetzt schon unsere vier Enkelkinder!
Was möchten Sie den Einwohnern noch sagen?
Herzlichen Dank für das grosse Vertrauen! Es war für mich eine Ehre und Herausforderung zugleich, die Entwicklung von Weinfelden mitzuprägen.
Von Desirée Müller