03.04.2024 11:36
Fische nehmen die Treppe
Hochwasserschutz, Biodiversität und neue Fussgängerbrücke: Grosses Projekt in Tägerwilen fertiggestellt
Mit der Fischtreppe bei der Tägerwiler Kantonalbank ist ein wichtiges Element der Bachrenaturierung fertiggestellt. Gleichzeitig konnte in diesem Bereich der Hochwasserschutz verbessert werden.
Tägerwilen «Wir können ein sehr gelungenes Werk vorstellen», sagte der Tägerwiler Bauverwalter Rolf Uhler Ende März anlässlich der Informationsveranstaltung. Nach knapp siebenmonatiger Bauzeit konnte die Fischtreppe beim Zusammenfluss von Chastlerbach und Allmendbach der Bevölkerung präsentiert werden. Vor etwas mehr als einem Jahr wurde das Auflageprojekt durch die Fröhlich Wasserbau AG vorgestellt. «Der Dorfbach Tägerwilen mündet ca. 1,2 Kilometer unterhalb vom Zusammenfluss des Allmend- und des Chastlerbachs in den Rhein. Direkt beim Zusammenfluss der beiden Bäche bestand vor dem Bau ein knapp zwei Meter hohes Hindernis, welches die Längsvernetzung aus dem Rhein in die beiden Seitenbäche verhindere», heisst es im Technischen Bericht.
Mit dem vorliegenden Projekt wurde der Absturz in eine fischgängige Beckenrampe umgebaut. Die Durchgängigkeit wurde mit der Massnahme vor allem für Forellen in einer Grösse von bis zu 70 Zentimeter gegeben. Neben den Fischen profitieren auch die übrigen Wasserlebewesen von der Wiederherstellung der Vernetzung. Gleichzeitig erteilte die Gemeinde Tägerwilen auch den Auftrag, einen Ersatz für die alte Fussgängerbrücke vorzuschlagen.
Endlich rollstuhlgängig
Realisiert wurde eine so genannte Pendelrampe. Darunter versteht man eine Abfolge von wechselseitig zur Gewässermitte geneigten Sohlgurten. Bei Mittelwasser stellt sich ein mäandrierender Fliessweg ein, bei höheren Wasserführungen wird die Strömung in die Rampenmitte gelenkt. Die Verwirbelung baut Energie ab und die Ufer werden entlastet. Die Rampe wurde komplett in Beton erstellt. Damit sich diese gut in die Umgebung einpasst, wurde die Betonoberfläche mit einer Nagelfluhoptik ausgeführt. Durch die raue Oberfläche hat sich bereits eine Begrünung der Mauern eingestellt.
Der alte Fussgängersteg war in einem schadhaften bis schlechten Zustand. Die Anlage war nicht einfach besteigbar und genügte den heutigen Anforderungen nicht mehr. Die Haupttragkonstruktion des neuen Fussgängerstegs besteht aus zwei UPE-Stahlprofilen. Auf den Hauptträgern wird der Holzbelag aus Lärchenbohlen (120 mal 40 Zentimeter) geschraubt. Der Betonbelag war in der Anschaffung zwar teurer, dem Holzbelag jedoch in Bezug auf die Haltbarkeit und den Unterhaltsaufwand überlegen. Das neue Staketengeländer wurde mit einem Edelstahl-Handlauf ausgerüstet. Die seitlichen Rampen beim Fussgänger-steg wurden angepasst, damit der Steg rollstuhlgängig wurde.
Revitalisierung noch nicht fertig
Mit dem Bau der Aufstiegsanlage kann die Längsvernetzung am Dorfbach in Tägerwilen wiederhergestellt werden. Die oben liegenden Gewässer weisen aus fischereibiologischer Sicht einen hohen Wert auf. Mit der Erschliessung dieser potenziellen Laichgebiete für die Seeforellen wird ein erheblicher Mehrwert geschaffen, welcher auch einen höheren Subventionssatz rechtfertigt. Die Kosten für die Fischtreppe bezeichnete Projektleiter Philip Lüthi von der Fröhlich Wasserbau AG mit 250'000 Franken. «Umgebung und neue Fussgängerbrücke kosten rund 70'000 Franken. Bund und Kanton beteiligen sich mit 80 Prozent an der Fischtreppe».
Zufrieden mit dem Resultat zeigten sich Fischereiaufseher Roman Niedermann und Adrian Rink, Präsident der Seerheinfischer Tägerwilen-Gottlieben. Der Verein pachtet den Dorfbach vom Schwanenweiher beim Schloss Castell bis zur Mündung in den Seerhein. «Die Fischtreppe ist ein wichtiges Bauwerk innerhalb der Massnahmen», so Adrian Rink. Der Verein könne nun auch die Etappe von der Fischtreppe bis zur Poststrasse in Angriff nehmen. «Die Pacht des Dorfbaches haben wir vor fünf Jahren übernommen, vor acht Jahren haben wir die ersten Revitalisierungsetappen geplant», erklärt Adrian Rink.
Mit dem Gesamtprojekt Revitalisierung sei der Verein zeitlich also besser dran als ursprünglich gedacht. Natürlich müssten am gesamten Lauf des Baches immer wieder Ausbesserungen gemacht werden. «Nur so können wir das Ziel, den Forellen den Zugang zu den Laichgewässern wieder zu sichern, auch erreichen».
Von Kurt Peter