Flügge werden!
Ehemalige Schülerinnen und Schüler der Schule Kemmental erzählen
Regelmässig wollen wir ehemalige Schülerinnen und Schüler zu Wort kommen lassen.
Regelmässig wollen wir ehemalige Schülerinnen und Schüler zu Wort kommen lassen.
Amélie Schenk beendete vor zwei Jahren ihre obligatorische Schulzeit und begann eine Lehre als Medizinische Praxisassistentin (MPA) bei Medbase in Kreuzlingen.
Aufgewachsen ist Amélie in Altishausen und Graltshausen, inzwischen wohnt sie in Ottoberg.
Über ihre Erfahrungen erzählte Amélie anhand von Stichworten.
Der Lehrbeginn war eine grosse Umstellung für mich und sehr streng, auch weil ich es gegen Ende der Schulzeit etwas gemütlicher nahm.
Im ersten Lehrjahr hatte ich zwei Tage Unterricht an der Berufsschule und einen Tag ÜK (Überbetriebliche Kurse), war also nur zwei Tage die Woche in der Praxis. Dort konnte ich anfangs nur mitgehen und zuschauen. Inzwischen mache ich alles, von Blutdruck messen bis zu Blut abnehmen.
Der Beruf gefällt mir richtig gut! Der Kontakt mit den Menschen und dass ich ihnen helfen kann, macht mich glücklich, auch wenn die Patienten mich nicht immer glücklich machen. Meine Schwester sagt, ich sei die geborene MPA.
Die Berufsschule für MPA ist sehr anspruchsvoll, da die Lehre nur drei Jahre dauert und es sehr viel Stoff zu lernen gibt. Das Programm ist sehr strikt und vor allem findet Frontalunterricht statt. Alles wird nur einmal gesagt und Zeit zum Nachfragen gibt es kaum. In der Sek war das anders, da konnte man immer fragen und alles wurde auch ein zweites Mal erklärt. Meine Lehrlingsbetreuerin fordert mich stark. Sie erwartet von mir einen 5er-Durchschnitt, weil sie weiss, dass ich das schaffe. Diese Erwartung bringt mich dazu, mein Bestes zu geben.
In der Sek war der Zusammenhalt unter den Schülern sowohl in den Jahrgangsgruppen, z.B. im Englisch, als auch in der altersgemischten Klasse sehr gut, da wir viel zusammenarbeiten mussten.
Das altersdurchmischte Lernen habe ich positiv in Erinnerung. Mir wurde geholfen, als ich in der 7. Klasse war und ich half sehr gerne, als ich zu den Älteren gehörte.
Es war auch nicht so, dass die älteren Schülerinnen und Schüler auf die jüngeren herunterschauten. Es gab nicht die grossen Coolen und die kleinen Uncoolen. Es war ein Miteinander.
Ich habe sehr davon profitiert, dass ich in der Sek lernte selbständig zu arbeiten, zu planen und mich selber einzuschätzen. Ich weiss ziemlich genau, wie viel Zeit ich für etwas brauche und wie schnell ich etwas lerne. Da ich von aussen keinen Druck hatte, lernte ich mich selber zu motivieren und anzuspornen. Ich war Lerngruppenleiterin und habe das sehr gerne gemacht. Dort musste ich mich durchsetzen. Das kommt mir heute zugute, wenn Patienten etwas möchten, das einfach nicht geht.
Geniesst die Sek! Es wird schnell genug streng und in der Lehre ist man oft nur unter Erwachsenen. Nutzt die Chance Schwerpunkte zu setzen! Ich arbeitete im letzten Jahr mehr in Deutsch, Naturwissenschaften und Englisch, aber weniger in Mathe. Es nützt mir sehr viel, dass ich so gut Englisch spreche, denn wir haben viele Patientinnen und Patienten in der Praxis, die Deutsch nicht verstehen. Und nehmt die Coachinggespräche unbedingt ernst!In diesen Gesprächen kann man lernen sich zu reflektieren. Wichtig ist, zu sich und den Lehrpersonen ehrlich zu sein. Wenn man diese Gespräche ernst nimmt, sind sie sehr wertvoll. Die Lehrperson nimmt sich Zeit und hört zu. Das war immer sehr schön.
Das Gespräch führte Barbara Meier Vogt, Lehrerin der Sekundarschule.
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