Setzen sich für die naturnahe Pflege der Weinfelder Schulgärten ein (v.l.): Adrian Bürgi, Stellvertretender Leiter Weiterbildungszentrum Rorschach-Rheintal, Barbara Dudli Valmadre, Mitglied der Primarschulbehörde Weinfelden, Thomas Wieland, Schulpräsident Weinfelden, Markus Neubauer, Naturgartenbauer und Dozent am WZR, Viktor Gschwend, Präsident JardinSuisse Thurgau, Matthias Künzler, Leiter Abteilung Natur und Landwirtschaft, Amt für Raumentwicklung des Kanton Thurgau. Bild: Nico Wrzeszcz
28.05.2024 15:34
Für mehr Naturnähe auf den Schularealen
Neuer Lehrgang durch JardinSuisse Thurgau ins Leben gerufen - Entstehung durch Entscheid der Primarschulbehörde
Im März 2023 fällte die Primarschulbehörde Weinfelden einen wegweisenden Entscheid. Sie will sämtliche Schulanlagen naturnah pflegen, ein neuer Lehrgang wurde dafür entwickelt.
Weinfelden «Die Biodiversität auf unseren Schulanlagen soll langfristig erhalten werden. Dafür müssen Gartenbaubetriebe mit einem Zertifikat bestätigen, dass diese für die naturnahe Pflege speziell geschult sind», erklärte Barbara Dudli Valmadre, Mitglied der Primarschulbehörde Weinfelden. Rund ein Drittel aller Tiere und Pflanzen seien mittlerweile gefährdet, mit der naturnahen Pflege wolle man dem entgegenwirken. Dafür brauche es in den Schulhaus-Teams entsprechendes Wissen, Verbindlichkeiten und Transparenz in der Zusammenarbeit mit Gartenbaubetrieben. Aufgrund eines Schreibens der Primarschulbehörde habe sich der Vorstand von JardinSuisse Thurgau zusammengesetzt. «Wir haben uns im Vorstand besprochen und kamen zu dem Schluss: Entweder wir machen nichts oder wir packen diese Chance an, etwas zu verändern», so Viktor Gschwend, Präsident JardinSuisse Thurgau. Um Lösungen zu kreieren wurde der neue Lehrgang «Fachperson naturnahe Pflege» von JardinSuisse Thurgau zusammen mit dem Weiterbildungszentrum Rorschach-Rheintal (WZR) aus dem Boden gestampft.
Attraktiv und zukunftsorientiert
Nach dem Entscheid der Primarschulbehörde im März 2023 ist der Lehrgang bereits im September 2023 am Weiterbildungszentrum Rorschach-Rheintal gestartet. «In rund zwei Monaten finden schon die ersten Abschlussprüfungen statt, der Lehrgang mit Start im September 2024 ist ebenfalls schon gebucht», betonte Adrian Bürgi, Stellvertretender Leiter des WZR. «Gerade im Bereich naturnahe Pflege gibt es hohe Ansprüche, unser Dozententeam ist jedoch mit Herzblut bei der Sache.» Erfreut über die Entwicklung zeigte sich auch Matthias Künzler, Leiter Natur und Landschaft im Amt für Raumentwicklung des Kanton Thurgau. «Diese Schulgartenanlage ist eine Kinderstube für Insekten. Sie bietet eine grosse Vielfalt und ist ein Wohlfühlfaktor für Tiere, wie auch für die Schüler.» Die naturnahe Pflege am Schulzentrum Martin Haffter sei sehr vorbildlich, denn hierfür würden Fachleute und entsprechendes Know-How nötig. «Es wird Zeit für ein Umdenken. Der Kanton Thurgau verfolgt schon seit längerer Zeit eine kantonale Biodiversitätsstrategie.» Gerade im Siedlungsraum herrsche Handlungsbedarf, die Primaschulbehörde gehe mit gutem Beispiel voran.
Geschaffenes nutzen
Dieses Projekt und der Schulgarten seien für das Schulhaus Martin Haffter sehr wichtig. «Das Freifach Schulgarten wird hier seit Jahren erfolgreich umgesetzt und bei entsprechender Nachfrage auf die anderen Schulzentren ausgeweitet», erklärte Schulpräsident Thomas Wieland. Die Anlage biete Plätze, die als Aussenschulzimmer genutzt werden können um im Unterricht besprochen Dinge real zu veranschaulichen und nicht nur am Bildschirm. «Wir haben zudem als Schule die Chance, die Breite der Bevölkerungsschichten anzusprechen und die Kinder bereits früh für den Schutz und Erhalt der Natur zu sensibilisieren.» Die Primarschulbehörde fordere von den Gartenbauern ein Zertifikat nach BioTerra, bei den Gartenbauern habe ein kleines Umdenken stattgefunden. «Für uns wird der neue Lehrgang als gleichwertig angesehen, dieser reicht in Zukunft also aus. Ab dem 1.1.2026 müssen die Gartenbauer nachweisen, dass sie diese entsprechende Ausbildung absolviert haben», so Wieland. Schliesslich solle der Gärtner wissen, was er entfernen kann und was nicht.
Der neue Lehrgang am BZR dauert etwa ein Jahr. «Dabei gibt es jedoch immer wieder Pausen, damit wir alle Jahreszeiten abdecken können. Die abschliessenden Projektarbeiten werden in den jeweiligen Betrieben erarbeitet», sagte Adrian Bürgi. Für die Erarbeitung der Unterlagen habe sich der Kanton Thurgau mit einer Einmalzahlung in Höhe von 10'000 Franken beteiligt, das sei die Hälfte der Kosten.
Von Nico Wrzeszcz