Jürg Bärlocher anlässlich der Tunnel-Eröffnung. zVg
23.11.2022 00:00
Girsbergtunnel: Kernstück der A7
Vor 20 Jahren wurde das Bauwerk von Bundesrat Moritz Leuenberger eröffnet
Am 22. November 2002 wurde der Girsbergtunnel eröffnet und die A7 somit durchgängig bis zur Landesgrenze befahrbar. Auch 20 Jahre später treffen sich die damals für den Bau des Tunnels Verantwortlichen jährlich Ende November.
Kreuzlingen «Der Abschnitt zwischen Schwaderloh und der Landesgrenze ist ein besonderes Stück Autobahn, auch wenn er weder das Herz noch die Aorta des europäischen Nord-Süd Verkehrs sein wird». Diese Worte fand der damalige Bundesrat Moritz Leuenberger, als der Girsbergtunnel am 22. November bei nasskaltem Wetter dem Verkehr übergeben wurde. An der Feier nahm auch der Verkehrs- und Umweltminister von Baden-Württemberg, Ulrich Müller, teil und ihm blieb nur festzustellen, dass «die Schweizer ihre Hausaufgaben gemacht haben und wir richtig neidisch auf euch seid». Denn vom Ziel, die A7 an die deutsche B33 anzubinden, war man 2002 noch weit entfernt.
Teamwork und Herzblut
Dem damals zuständigen Kantonsingenieur Jürg Bärlocher sprach der deutsche Politiker ein grosses Lob aus und verlieh ihm den Titel der «Personifizierten guten Zusammenarbeit». Doch diese gute Zusammenarbeit sei nicht alleine sein Verdienst, ebenso wenig die rekordverdächtige Bauzeit von etwas mehr als vier Jahren, sagt Jürg Bärlocher rückblickend. «Es war Teamwork, es war Herzblut, Engagement und manchmal auch Improvisationskunst.» Neben der Baustelle wurde damals ein «Arbeiterdorf» errichtet und legendär war vor allem die Kantine, die Arbeiter, Planer und oft auch Baustellenbesucher mit vorwiegend italienischen Spezialitäten verwöhnte.
Der Spatenstich zum Tunnelbau erfolgte im August 1998, der Tag- und Bergbau wurde vorangetrieben. Noch vor der feierlichen Eröffnung fand am 3. November das «Tunnelfest» mit mehr als 50'000 Besuchern statt. Auch daran erinnert sich Jürg Bärlocher mit grosser Freude. Generell hält er rückblickend fest: «Der Bevölkerung muss ich heute noch für das Verständnis und die Geduld danken».
Auf Rastplatz verzichtet
Doch bis zur Eröffnung des Girsbergtunnels dauerte es Jahrzehnte und viele Planungen waren nötig. 1982 empfahl die zur Überprüfung der Nationalstrassenabschnitte gebildete Kommission Biel dem Bundesrat, die A7 im Nationalstrassennetz zu belassen. Allerdings sei der Ausbaustandard ab Anschluss Müllheim zu reduzieren. «Zudem ist die Linienführung wesentlich zu verbessern, unter anderem durch den Girsbergtunnel und den Verzicht auf den dort vorgesehenen Rastplatz», hiess es im Bericht. Der Rastplatz hätte im Gebiet «Eichhof» gebaut werden sollen.
Die Kommission Biel hob im Bericht hervor, das Hauptproblem bei dem Teilstück Müllheim Kreuzlingen der A7 sei nicht die Nationalstrasse an sich, «sondern die als unhaltbar zu bezeichnenden Verkehrsverhältnisse in Kreuzlingen». Die Empfehlungen der Kommission betreffend Linienführung wurden berücksichtigt und so wurde der 1,75 Kilometer lange Girsbergtunnel zum Kernstück des Abschnitts Schwaderloh – Kreuzlingen.
Die beste Lösung getroffen
«Der Girsbergtunnel wurde ins Generelle Projekt aufgenommen, nach zahlreichen Gesprächen, Prüfungen und Überlegungen, die alle Abschnitte zwischen Müllheim und Kreuzlingen betrafen», erinnert sich Walter Ebinger, damals Chef Nationalstrassenbau im kantonalen Tiefbauamt. Auch der Kanton habe sich damals gegen eine grösstenteils oberirdische Linienführung der Autobahn gewehrt. «Mit dem Bau des Girsbergtunnels wurde sicher die beste Lösung gefunden, die Investitionen von knapp mehr als 320 Millionen Franken haben sich gelohnt».
Planung und Bau des Tunnels haben die damals Verantwortlichen zusammengeschweisst. Auf Initiative von Jürg Bärlocher treffen sie sich jährlich zum Eröffnungstermin. So natürlich auch zum diesjährigen Jubiläum: Für Urban Keller, Erich Müller, Walter Ebinger, Conny Blank, Ruedi Kummrow, Jonathan Dunn und Claudia Schneider hat Jürg Bärlocher ein spezielles Jubiläumsprogramm zusammengestellt.
Von Kurt Peter