31.05.2022 08:50
Handballer schreiben Kreuzlinger Sportgeschichte
Aufstieg in die NLA gefeiert - Serie mit 3:1 gegen Horgen entschieden
Mit einem 27:25-Auswärtserfolg in Horgen haben die Männer des HSC Kreuzlingen ihr grosses Ziel erreicht. Erstmals steigen sie in die Nationalliga A auf und schaffen damit etwas, was in einer olympischen Ballsportart zuvor erst den Kreuzlinger Wasserballern gelungen ist. Gleichzeitig ist der HSCK neben dem Grossstadtverein GC Amicitia Zürich der einzige Club in der Schweiz, der sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern ein Team in der höchsten Spielklasse stellt.
Handball Zwar waren die Kreuzlinger aufgrund ihrer beeindruckenden Serie in der NLB-Hauptrunde (18 Siege in Folge) als Favorit in die Playoff-Finalserie «best of 5» gestartet, doch schon die bittere 28:29-Heimniederlage zum Auftakt gegen die zum zweiten Mal in Folge im Final stehende SG Wädenswil/Horgen zeigte auf, dass der HSCK auf seinem Weg in die «Bel Etage» des Schweizer Männerhandballs einen steinigen Weg vor sich hat. Playoffs haben ihre eigenen Gesetzmässigkeiten. Die Thurgauer zogen aus der ersten Heimniederlage seit über einem Jahr allerdings die richtigen Schlüsse. Nur mit der spielerischen Überlegenheit und grösseren Qualität im Spielerkader kann man nicht durch die Playoffs spazieren. Schon gar nicht durch einen Final, wo es nach langen neun Meisterschaftsmonaten mit 26 Spieltagen um den NLA-Aufstieg geht. Das Team des scheidenden Trainers Werner Bösch – der Vorarlberger wechselt im Sommer in die 1. Bundesliga der Frauen nach Deutschland und übernimmt das Profiteam der TuS Metzingen bei Stuttgart – reagierte aber stark und holte sich den Heimvorteil mit einem 28:25-Erfolg am Zürichsee wieder zurück. Am Auffahrts-Donnerstagabend folgte dann vor über 1000 Zuschauern in der restlos ausverkauften Egelseehalle der wohl entscheidende Schritt. Der HSCK rang die Zürcher in einem Abnützungskampf nieder und sicherte sich mit dem 26:22-Heimsieg den ersten Matchball im nur drei Tage später stattfindenden vierten Finalduell am Zürichsee.
Entscheidung mit 7:1-Serie
In der mit 700 Zuschauern ebenfalls komplett ausverkauften Waldegg-Sporthalle in Horgen machten die Kreuzlinger Handballer den Sack zu. Sie waren erneut über weite Strecken die spielbestimmende und bessere Mannschaft, auch wenn sie gegen Ende der ersten Halbzeit zwischenzeitlich mit zwei Treffern zurücklagen. Mit einem Blitzstart nach der Pause stellte der HSCK die Weichen. Vom 13:12 enteilte er den Zürchern bis auf 20:13. Da waren noch 20 Minuten zu spielen.
Wie eigentlich immer in dieser Finalserie gelang es der SG Wädenswil/Horgen aber irgendwie, doch noch einmal Kraftreserven anzuzapfen. Bemerkenswert, mit welcher Moral und Leidenschaft die Zürcher sich gegen die Niederlage stemmten. Auch weil die Thurgauer nun im Abschluss mehrfach besten Chancen nicht verwerteten, kamen die Gastgeber noch einmal bis auf zwei Tore (48./19:21) heran. Wiederum wurde damit eine dramatische Schlussphase eingeläutet. Unaufhörlich angefeuert von den rund 200 mitgereisten HSCK-Fans überstand die Bösch-Truppe aber auch diese letzte heikle Phase. Ausgerechnet der junge Linkshänder Drenit Tahirukaj, der in den ersten zwei Finalpartien weit unter seinen Möglichkeiten geblieben war, hielt die Kreuzlinger mit drei Treffern in Serie auf Erfolgskurs. Dazu kam, dass Trainer Bösch zum richtigen Zeitpunkt den Torhüter wechselte. Für Haris Berisha, der vor allem in der ersten Halbzeit stark auftrumpfte und unter anderem gleich drei Penalties parrierte, kam Nikola Marinovic. Und der über 160-fache österreichische Nationalkeeper spielte seine ganze Routine aus, blockte vier Minuten vor Schluss beim Stand von 23:26 einen Abschluss vom Kreis und keine 30 Sekunden später auch noch einen weiteren Penalty. Es war dies bereits der fünfte (!) Siebenmeter, den die Zürcher nicht verwerten konnten. Als dann Attila Kun mit seinem dritten Tor innerhalb von viereinhalb Minuten knapp 60 Sekunden vor der Sirene auf 27:24 für Kreuzlingen erhöhte, war das Playoff-Finale entschieden.
26 Siege in 30 Spielen
Am Ende sicherte sich das beste NLB-Team der Saison 2021/22 (26 Siege in 30 Spielen inklusive Playoffs) verdientermassen den Aufstieg in die höchste Spielklasse. Die Zürcher dürfen dennoch ebenso stolz sein auf das Erreichte. Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres hatte sich das Team von Trainer Predrag Milicic für den Aufstiegsfinal qualifiziert. Vor Jahresfrist war Genf etwas stärker, jetzt Kreuzlingen. Aber die Spieler der SG Wädenswil/Horgen nahmen auch die diesjährige Niederlage höchst sportlich an. Sie applaudierten den Kreuzlingern nach dem Schlusspfiff fair zum Aufstieg, im Wissen darum, dass sie alles aus sich herausgeholt hatten und schlussendlich an einem besseren Finalgegner gescheitert waren.
Drei Wochen frei
Auf die Kreuzlinger wartet nun eine rund dreiwöchige Erholungspause. Auf den 20. Juni hat der neue Cheftrainer Heiko Grimm, der nach dem Abgang von Werner Bösch die Wunschnachfolgelösung der HSCK-Führung war, das erste Training der NLA-Saison 2022/23 angesetzt. Vom Aufstiegskader werden dann Topscorer Paul Kaletsch (Handballpause), Oliver Wipf (2. Mannschaft), Jérôme Portmann (HSG Konstanz 2) und Adrian Blättler (GC Amicitia Zürich/NLA) nicht mehr dabei sein. Neu im Dress des HSCK spielen werden nächste Saison Rechtsaussen David Fricker (24 Jahre, 1,78 Meter, 121 NLA-Spiele, TSV St. Otmar St. Gallen/NLA) und Lionel Mirdita (20 Jahre, 1,95 Meter, 3 A-Länderspiele für die Schweiz, Topscorer der SG GS/Kadetten Espoirs Schaffhausen/NLB). Dazu will sich der NLA-Neuling auch im linken Rückraum namhaft verstärken: «In dieser Personalie sieht es ganz gut aus», lässt sich Sportchef Grimm (noch) nicht ganz in die Karten blicken. Am 20. Juni soll der neue Rückraumshooter aber in jedem Fall zum Trainingsstart erscheinen.
Saisonstart im September
Traditionsgemäss beginnt die neue Saison in der höchsten Spielklasse (Quickline Handball League) am ersten September-Wochenende. Die Gegner des HSC Kreuzlingen heissen dann nicht mehr Möhlin, Steffisburg oder Birsfelden, sondern tragen illustre Namen wie Kadetten Schaffhausen, St. Otmar St. Gallen, Pfadi Winterthur, GC Amicitia Zürich oder BSV Bern. Gespielt wird auch in deutlich grösseren Hallen als bisher mit einem Fassungsvermögen von rund 2000 Zuschauern, darunter topmoderne Stadien wie jene in Gümligen (Mobiliar Arena) oder Winterthur (AXA Arena). Diesbezüglich tut sich bekanntlich auch in Kreuzlingen einiges. Auf dem Grundstück gegenüber der Mercedes-Lang-Garage, wo sich aktuell die Otto’s-Verkaufsräumlichkeiten befinden, soll – sofern alles nach Plan läuft - in den nächsten Jahren eine multifunktionale Sporthalle entstehen. Ab der Saison 2025 wären NLA-Spiele in der Sporthalle Egelsee vom Verband nicht mehr zugelassen.
red
NLB-Playoff-Final «best of 5», 4. Spiel
SG Wädenswil/Horgen vs. HSC Kreuzlingen 25:27 (12:13); Endstand 1:3
Sporthalle Waldegg, Horgen. – 700 Zuschauer (ausverkauft). – Sr. Boshkoski/Stalder.
Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen Wädenswil/Horgen, 6-mal 2 Minuten gegen Kreuzlingen.
Wädenswil/Horgen: Steiner (3 Paraden), Imhof (5 Paraden), Kasalo (5 Paraden); Si. Gantner (2), Pospisil (5), Sa. Gantner (6), Lechner (2), D. Gantner (1), P. Gantner (1), Kälin, Schuler (2), Zuber (2/2), Döbbeling, Esposto, Wolfer (3), Karlen (1).
Kreuzlingen: Berisha (1.-54./10 Paraden, von 3 Penalties), Marinovic (54.-60./5 Paraden, davon 1 Penalty); O. Wipf, Lutz (1), Dedaj, R. Wipf, Bär, Heim (4), Kaletsch (2), Portmann, Kun (6), Ramosaj (2), Blättler (1), Schneider (1), Zeller (1), Tahirukaj (9/3).
Bemerkungen: Bei Kreuzlingen u.a. Valon Dedaj nicht eingesetzt. – Penaltystatistik: Wädenswil/Horgen 2/7, Kreuzlingen 3/3.