David Perez ist Grossmeister in einem Ritter Orden. Desirée Müller
25.02.2022 00:00
Helden in glänzender Rüstung
Ritter als soziale Akteure mit grossem Engagement - Der Grossmeister des Ordens ist aus Kreuzlingen
Der Ordo Equestris Reginae Caeli (OERC) ist ein Marien Ritterorden, dessen Grossmeister aus Kreuzlingen stammt. David Perez setzt sich mit seinen Rittern für karitative Projekte ein. Demnächst werden 35 vom Orden
Kreuzlingen KreuzlingenDavid Perez trägt einen schwarz melierten Kapuzenpulli, den er leicht hochgekrempelt hat. Diverse Tattoos sind auf seinen Unterarmen zu erahnen. Den ergrauenden Bart trägt der Familienvater und ausgebildete Rettungssanitäter bis auf die Brust. Gerade zur Fasnachtszeit läuft man dem einen oder anderen Ritter über den Weg. Als optisches Vorbild hat wohl keiner der Kinder David Perez genommen. Obwohl er ein richtiger Ritter, gar ein Grossmeister ist. Vereidigt mit einem Schlag ins Gesicht und der Klinge auf den Schultern. Ist er in seinem Element, gleicht er aber gänzlich mehr dem Ritter, wie wir ihn uns vorstellen. Im edlen weissen Mantel mit leuchtendem blauen Kreuz auf der Brust.
Die Mystik bewahren
Lauscht man Davids Erzählungen aus dem «Ritteralltag», muss man als Laie immer wieder mal nachhaken. Was war mit Bernard von Clairevaux? Was ist schon wieder ein Professritter und was ist die Aufgabe eines Novizen? Das Konstrukt eines Ritterordens ist wahrlich komplex und für einen Neuling gar unergründlich. In Davids Familie sind oder waren viele Mitglieder eines Ordens, so war für den Mitarbeiter in der 144-Notfallzentrale in St. Gallen bald klar, dass er die Tradition weiterführen wird. Vor zehn Jahren gründeten einige Mitglieder eines historischen Ritterordens, darunter er selbst, einen Reformorden und amtet seither als gewählter Grossmeister. Seine Ritter-Brüder sind Geistliche, Adlige aber auch «Büezer» wie er sagt. Vom Erzbischof, zum Pfarrer bis zum Polizisten, alle haben sie dem Orden ihre Treue geschworen und werden für immer Teil der Ritter-Familie bleiben. Als er von der feierlichen Zeremonie der Vereidigung erzählt, stockt er plötzlich. «Mehr kann ich dazu nicht erzählen», sagt er und schmunzelt keck hinter seinem Bart hervor. Denn etwas Mystik möchte er bewahren. Freilich kann nicht jeder einen Ritterorden gründen - zumindest nicht mit Legitimation. Entweder muss er aus einem bestehenden Orden heraus entstehen, eine kirchliche Einsetzung durch einen Bischof erhalten, oder einem Adelshaus eingesetzt werden. Oder er wird von einer Kirche oder einem Königshaus ins Leben gerufen. David hat vor sich ein etwa zwanzig Seiten langes Dokument, in welchem er immer wieder mal blättert um Jahreszahlen zu suchen oder seine Wortwahl zu präzisieren. Das Rittersein ist wohl ganz schön kompliziert. Er kennt sich natürlich bestens mit der Geschichte des Rittertums aus und beeindruckt mit seinem Wissen.
1,1 Millionen Franken Wert
Sein Orden setzt sich stark für gemeinnützige Projekte ein. Bereits seit drei Jahren erhält der Orden immer wieder Sachspenden, unter anderem durch die Herz-Neuro-Klinik in Kreuzlingen. Im Rahmen des Umzug nach Münsterlingen, wurden alle alten Spitalbetten und Nachttische dem Orden als Sachspende freigegeben. Bereits in der Vergangenheit konnte David Perez diverse medizinische Hilfsmittel, unter anderem vom Ostschweizer Kinderspital St. Gallen, in Länder wie zum Beispiel Griechenland vermitteln. Durch ein Unternehmen welches Medizinprodukte,- und Geräte vertreibt, durften dieses Jahr weiter zwei Transportinkubatoren für Neugeborene und drei mobile Baby-Behandlungsplätze als Spenden entgegen genommen werden. In Polen und Griechenland waren Einrichtungen sehr glücklich über das unerwartete Geschenk. Ein Ordensmitglied arbeitet als Polizist und hatte einen Einsatz in Afghanistan. Daraufhin sammelten die Ritter insgesamt zwei Tonnen an Kinderkleidern und Spielsachen für die kleinen Afghanen in einer Kinderklinik für Minenopfer, welche der Ordensbruder vor Ort übergab. Alleine in den vergangenen drei Jahren konnte der Orden Gerätschaften im Wert von gut 1,6 Millionen Franken organisieren.
Langsam wachsen erwünscht
Ein Ritterorden ist kein Verein, bei dem man sich über rasant steigende Mitgliederzahlen freut. Als Orden wächst man geduldig und langsam. Wer Interesse an einer Dazugehörigkeit hat, absolviert während eines halben Jahres ein Postulat und ist danach ein Jahr lang Novize. Eine Art Kennenlernphase, beschreibt Perez. Aktivitäten auf den Sozialen Medien werden gründlich geprüft. Äussert sich ein Anwärter religiösoder politisch- radikal oder offenbart sich als Verschwörungstheoretiker, wird ihm kein Einlass in den christlichen Orden der Ritter gewährt. Die Ordensritter treffen sich in den verschiedenen Kirchen der Mitglieder. Seit 2020 haben sie dazu auch die Möglichkeit, im «Chileli Bernrain» ihre Konvente zu feiern. Der Orden erteilt auch Pilgern den Pilgersegen oder hält Pilgergottesdienste.
Weitere Infos
Der Orden und Fra' Don David freuen sich über Anfragen von Interessenten, welche dem Orden beitreten und sich sozial karitativ engagieren möchten. www.OERC.eu ordenskanzlei@OERC.eu.
Desirée Müller