Interview mit Thomas Bitschnau, Gemeindepräsident von Berg
Hohe Lebensqualität trotz Durchgangsverkehr
Thomas Bitschnau, Gemeindepräsident von Berg über geplante Projekte, schöne Aussichten und eine besonders hohe Lebensqualität in seiner Gemeinde.
Thomas Bitschnau, Gemeindepräsident von Berg
Thomas Bitschnau, Gemeindepräsident von Berg über geplante Projekte, schöne Aussichten und eine besonders hohe Lebensqualität in seiner Gemeinde.
Herr Bitschnau, was glauben Sie, schätzen die Einwohnerinnen und Einwohner an Berg?
Die Bewohner schätzen die Lage, mit Sicht auf die Berge und doch nicht weit weg vom See oder von Städten, aber auch die umfangreichen Möglichkeiten, sich in der Umgebung erholen zu können. Man kennt sich und es herrscht ein vorwiegend positives Klima im Dorf. Es gibt zahlreiche Vereine für Freizeitaktivitäten.
Und was gefällt Ihnen persönlich an «Ihrer» Gemeinde?
Ebenfalls die Lage und man fühlt sich daheim, es ist nicht alles so anonym, wie es man es wohl oft in einer Stadt erlebt. Die Sicht zum Alpstein und die vielen Grünflächen rund um das Dorf sind ein ganz besonderes Plus. Wir sind auch verkehrstechnisch gut erschlossen.
Kleinkindbetreuung ist immer ein grosses Thema? Wie ist Berg diesbezüglich aufgestellt?
Wir haben zwei private Institutionen, die diese Dienstleistung anbieten. Es gibt auch zwei Standorte mit einem Mittagstisch. Mögliche weiter gehende Angebote prüfen die Gemeinde und die Schule derzeit gemeinsam.
Im Gegenzug dazu steigt die Zahl älterer Menschen. Wie sieht denn die Wohnsituation für diese Generation aus?
Berg verfügt über zwei Heime, das Tertianum im Schloss Berg sowie das Heim Brünnliacker in Guntershausen. Auffällig ist, dass viele ältere Menschen bis ins hohe Alter im Eigenheim bleiben können. Sie sind oft gut organisiert, man hilft sich gegenseitig. Das hat man auch während der ersten Coronawelle im Frühling 2020 gut beobachten können. Dann gibt es auch die Wohnbaugenossenschaft mit ihrem Wohnungsangebot, das vorwiegend von Rentnern genutzt wird.
Grosses Thema ist auch immer mehr das verdichtete Bauen. Gibt es in Berg und Umgebung eigentlich noch freie Bauparzellen? Welche grösseren Bauprojekte wurden kürzlich verwirklicht oder sind geplant?
Ja, es gibt schon noch freie Parzellen, aber wenige. In vielen Fällen sind die Eigentümer aber nicht bereit, sie zu verkaufen. Derzeit wird das Baugebiet Benzenwies II überbaut. Das dürften ungefähr ca. 20 Bauplätze sein. Die Nachfrage ist sehr gross. Dann ist die Grossüberbauung im Ziegeleiareal ein grosses Thema. Derzeit liegt der Gestaltungsplan beim Kanton zur Bewilligung. In diesem Gebiet könnten über 200 Wohnungen entstehen, aber verteilt über mehrere Jahre. Es ist eine zeitliche Etappierung vorgesehen. Dort sind jedoch Mehrfamilienhäuser geplant.
Der Slogan von Berg heisst: «Berg ist auf der Höhe». Damit meint man sicherlich nicht nur die geografische Lage der Gemeinde, oder?
Nein, natürlich nicht! Es ist auch ein Wortspiel. Wir sind auf der Höhe, weil wir in Berg eine überaus hohe Lebensqualität haben, trotz des starken Durchgangsverkehrs. Besonders bei uns ist sicher auch, dass wir im gesamten Gemeindegebiet über zwei Bahnstationen und eine Postautohaltestelle verfügen. Die Gemeinde verfügt über eine solide Finanzlage und kann den Einwohnern einen attraktiven Steuerfuss bieten. Naherholungsgebiete sind in nächster Nähe. Wir haben Einkaufsmöglichkeiten, zwei Banken, eine Postannahmestelle im VOLG, zwei Metzgereien, eine Bäckerei und seit dem 1. September endlich wieder eine Arztpraxis im Bergerzentrum. Im gleichen Gebäude gibt es eine Zahnarztpraxis, ein Physiotherapiezentrum, einen Coiffeur und einen Gastronomiebetrieb. In Berg sind drei Kirchen sind vertreten und wir haben eine hervorragende Volksschule, die die Kinder bis und mit Oberstufe besuchen können. Dann gibt es ein vielfältiges Gewerbe in verschiedensten Branchen und mehrere Restaurants im Gemeindegebiet. Wir tragen ausserdem das Label «Energiestadt». Nachhaltigkeit ist sehr wichtig. Seit kurzem verfügen wir über einen Mobility-Standort. Die Gemeinde Berg hat gegenüber des Gemeindehauses bei der Raiffeisenbank ein Elektrofahrzeug stationiert können.
In einer Umfrage aus dem Jahr 2015 hiess es einmal, dass in Berg die glücklichsten Schweizer leben. Was war herfür ausschlaggebend und ist das immer noch so?
Ich habe von dieser Umfrage gehört, weiss jedoch nicht, wie sie genau zustande gekommen ist. Das war vor meiner Zeit. Aber wenn das so viele gesagt haben, muss es ja wohl auch stimmen, oder?
Welche Projekte sind seitens Gemeinde in nächster Zeit geplant?
Wir planen einen Spielplatz bei der kath. Kirche Berg. Dazu sind derzeit noch Abklärungen im Gange.
Berg muss ja mit einem starken Durchgangsverkehr leben. Derzeit ist ein Projekt mit dem Kanton in Bearbeitung, in dem man mögliche sinnvolle und bezahlbare Massnahmen diskutiert und prüft, wie man eine gewisse Linderung im Bereich Berg Nord erreichen kann. Die Gemeindeverwaltung ist räumlich an Grenzen gestossen. Es bestehen kaum mehr Platzreserven. Wir prüfen derzeit verschiedenste Möglichkeiten, wie die Situation im Zentrum von Berg zukunftsfähig verbessert werden kann. Leider gibt es jedes Jahr zahlreiche Wasserleitungsbrüche. Deshalb stehen auch regelmässig Leitungssanierungen an, die angepackt werden müssen.
Auf der Gemeindewebsite bieten Sie an, dass man sich mit Fragen und Anregungen an Sie wenden darf. Wird das Angebot von der Bevölkerung rege genutzt?
Ja, gelegentlich benutzen Einwohner meine Sprechstunde, die normalerweise monatlich stattfindet oder sie rufen spontan an. Ich versuche jedoch, viele Informationen über unser Mitteilungsblatt «BERGSICHT» oder über unsere neue Website www.berg-tg.ch zu kommunizieren, sodass sich viele Fragen gar nicht stellen oder bereits proaktiv beantwortet werden können.
Interview: Angelina Rabener
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