Freut sich, dass das Engagement für Schwerstkranke eine Solidaritätswelle ausgelöst hat: Peter Schneider aus Leimbach, die sich als Freiwilliger für den Hospizdient Thurgau engagiert. PD
09.08.2022 10:30
Hospizdienst überwältigt von Solidarität
Das «Domino»-Impulsprogramm hat eine Welle der Solidarität ausgelöst
Der Hospizdienst Thurgau hat 50'000 Franken bekommen. Mit dem Geld der Raiffeisenbank Mittelthurgau soll wichtige Sensibilisierungsarbeit geleistet werden. Das freut Peter Schneider aus Leimbach. Er ist einer von vielen freiwilligen Mitarbeitenden des Hospizdienstes, die schwerstkranke sowie sterbende Menschen auf ihrem letzten Lebensweg begleiten und Angehörige entlasten. Peter Schneider gibt einen Einblick in seine Motivation und Tätigkeit.
Weinfelden Die Raiffeisenbank Mittelthurgau hat es ihren Mitgliedern mit dem «Domino»-Impulsprogramm freigestellt, ob sie selbst direkt von Einkaufsgutscheinen profitieren oder lieber soziale Institutionen mit einer Spende begünstigen möchten. Am meisten Mitglieder haben sich für den Hospizdienst entschieden – nämlich rund 500 der 3000 Genossenschafterinnen und Genossenschafter der Bank: Sie haben an der schriftlichen Abstimmung anstelle der Generalversammlung und damit am Impulsprogramm «Domino» teilgenommen. Damit kann die Bank dem Hospizdienst Thurgau 50'000 Franken überweisen.
Bemerkenswert, «etwas Heiliges»
«Ich finde diese Spende sehr bemerkenswert», sagt Peter Schneider. Der pensionierte Leimbacher Musiklehrer sieht darin einen Ausdruck dafür, «dass viele Menschen sich der vordergründig leider oft verdrängten Tatsache unserer Endlichkeit im Grunde ihres Herzens doch bewusst sind und ermessen, wie wertvoll diese Begleitungen sind. Nun können wir diesen Dienst besser bekannt machen.» Der 70-Jährige ist dadurch noch motivierter: «Mir ist es immer gut gegangen in meinem Leben, insofern fühle ich mich privilegiert. Deshalb möchte ich einen selbstlosen Dienst an meinen Mitmenschen, an unserer Gesellschaft leisten.» Die Lebensfragen zu Tod und Leid und nach dem Sinn unseres Lebens hätten ihn schon immer beschäftigt. Die Einsätze bei todkranken und sterbenden Mitmenschen ermöglichten es ihm, sich «der unausweichlichen Realität unserer Endlichkeit und der Aura des Todes zu stellen.» In diesem Sinne seien diese Momente für ihn «etwas Heiliges». Die Kadenz der Einsätze variiere stark: «Oft hatte ich einen Einsatz pro Woche, selten auch einmal zwei, aber manchmal ergibt sich auch eine Pause von ein paar Wochen.»
Da sein, aufmerksam sein
Schneider erklärt, dass er keine pflegerischen Aufgaben übernehme. Dafür sei beispielsweise die Spitex da. «Meine Aufgabe besteht im Dasein, in der Präsenz, damit verbunden sind aber natürlich auch die Überwachung der Kranken oder kleinere Hilfeleistungen, zum Beispiel indem ich Medikamente verabreiche. In Notfällen benachrichtige ich Angehörige oder die Spitex. Meistens geht es darum, die Angehörigen zu entlasten.» Am meisten begegne er Krebspatienten im Endstadium. Die grösste Herausforderung für ihn persönlich sei eine «adäquate, aufmerksame Einstellung und volle Präsenz den Menschen gegenüber. Dann spüre ich auch, was ich zu tun habe. Worte braucht es selten, meistens verrichte ich ein stilles Gebet.» Viele Einsätze begleiten Schneider gedanklich auch in seinem Alltag, «vor allem wenn ich beim Sterben eines Menschen dabei sein durfte. Weil ich weiss, dass alles, was geschieht, seinen Sinn hat, und weil die Existenz der geistigen Welt für mich real ist, kann ich auch Schmerz und leidvolle Momente einordnen.» Dabei helfen ihm auch der Kontakt mit der Natur, mit Tieren und Gartenarbeit.
Menschen sensibilisieren
Marina Bruggmann, Geschäftsführerin des Hospizdienstes Thurgau, ist stolz, dass sie auf viele freiwillige Mitarbeitende wie Peter Schneider zählen darf. Sie und ihr Team seien überwältigt von der Solidaritätswelle, die das Domino-Impulsprogramm der Raiffeisenbank Mittelthurgau ausgelöst habe: «So viel Geld auf einmal haben wir noch nie bekommen in den 14 Jahren, seit denen es den Hospizdienst gibt. Das ist nun eine grosse Chance für uns, die vielen Menschen zu sensibilisieren, die von der Begleitung und Unterstützung unserer freiwilligen Mitarbeitenden profitieren können.» Verwaltungsratspräsidentin Jolanda Eichenberger freut dies besonders: «Im Verwaltungsrat haben wir diese Idee genau deshalb entwickelt. Es ist unser Ziel, unter anderem bei sozialen Institutionen einen beachtlichen Dominoeffekt auszulösen, mit dem sie gestärkt und motiviert werden.» Hospizdienst-Vizepräsident Lukas Weinhold betont, dass dies in einem Ausmass gelungen sei, das er kaum zu hoffen gewagt habe: «Das ist wirklich sehr viel Geld für uns. Deshalb werden wir ein gutes Projekt ausarbeiten, um in die Öffentlichkeitsarbeit zu investieren.»
Trotz Krankheit lebenswert
Das sei besonders wichtig, bestätigt Bruggmann, denn: «Leider wissen viele Menschen im Thurgau noch nichts von unseren wertvollen Diensten.» Der Hospizdienst begleite Kinder, Jugendliche und Erwachsene jeden Alters auf ihren extrem schweren Krankheitswegen. Freiwillige Begleiterinnen und Begleiter seien im ganzen Kanton unterwegs bei vorwiegend bei Familien privat und in Ausnahmesituationen in Heimen oder Spitälern – kurzum: «Der Hospizdienst entlastet überall dort, wo Angehörige, Bezugspersonen und pflegende Dienste mit ihrer Zeit und ihren Kräften an Grenzen stossen.» Die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit medizinischen, pflegenden, seelsorglichen und anderen Fachpersonen ermögliche es Menschen, ihren letzten Lebensabschnitt in schwerer Krankheit lebenswert zu gestalten.
Wertvolle Freiwilligenarbeit
Am «Domino»-Impulsanlass der Raiffeisenbank Mittelthurgau vom Mittwoch, 1. Juni 2022, in Weinfelden nutzte der Thurgauer Regierungsrat und Gesundheitsdirektor Urs Martin die Chance, um die Bedeutung des Hospizdienstes zu würdigen und den Mitgliedern der Raiffeisenbank für den Dominoeffekt ihrer Spenden zu danken. Der Hospizdienst leiste eine enorm wertvolle Freiwilligenarbeit, die eigentlich unbezahlbar sei. Die Entlastungsdienste würden unkompliziert, mit viel Herzblut und kompetent geleistet. Dabei zeige sich, wie bedeutsam es sei, dass der Thurgau ein Kanton der kurzen Wege sei. Der Hospizdienst sei ein bedeutendes Element im Zusammenspiel von Gesundheitswesen, Politik und Wirtschaft.