Leopold Huber und sein Ensemble des Stücks «Die Schweizermacher». Desirée Müller
08.07.2021 18:45
«Humor ist eine gute Waffe»
«Die Schweizermacher» startet am 15. Juli auf der Seeburgbühne
Die Schauspieler sind spürbar heiss darauf, den Zuschauern kulturell wieder etwas bieten können. Mit dem Stück «Die Schweizermacher» erwartet das Publikum ein Musical, das laut Leopold Huber nur in der Schweiz funkioniert. Ein Stück von Schweizern – oder solchen, die es gerne werden würden – für die Schweiz. Wo die Grenze der Ironie ausgereizt wird und man ein schlechtes Gewissen beim Lachen hat.
Kreuzlingen Giuseppe Spina nimmt alle Kraft zusammen und presst sein ganzes Gewicht gegen das zwölf Tonnen schwere, zweistöckige, betonfarbene Gebäude, das sich nach zwei, drei Versuchen langsam zu drehen beginnt. Balkone mit Seesicht auf der einen, der Kreuzlinger Bahnhof auf der anderen und eine Blockwohnungen auf den restlichen Seiten– all das vereint das diesjährige Meisterwerk von einer Kulisse im Seeburgpark. Dreissig Schauspielerinnen, Sänger, Choreographinnen, Kostümbilder, Maskenbildnerinnen und Pressevertreter setzten sich am Dienstagmorgen an einen grossen Tisch vor den Publikumsrängen und hörten Regisseur Leopold Huber gerne zu, wie er den Journalisten die Arbeit abnahm und selbst die Anwesenden interviewte. Bevor der offizielle Teil der Presseinformation startete, zitierte die eingespielte Gruppe Sprüche aus dem Stück, lachten über Dinge, die nur sie verstanden und machten einfach einen motivierten, freundschaftlichen Eindruck. Es war schon unterhaltsam, alleine ihrer Konversation zu folgen. Christoph Wettstein war für einmal ganz lieb und legte seine Rolle als chovinistischer Fremdenpolizist ab. «Im Stück sage ich Sachen, die ich niemals sagen würde.» Und trotzdem liebt er die Rolle. Samuel Tobias Klauser erzählte von den acht verschiedenen Kostümen, welche er während der Aufführung trägt und Simon Bächtiger erklärte, warum ihm seine Rolle zu einem besseren Lehrer macht. Hubers Fragen waren persönlich, direkt und den Antworten des Ensembles zufolge nicht vorab besprochen. So nahm sich zum Beispiel Johanna Köster gerne die Zeit um darüber nachzudenken, wo denn Ironie anfängt und wo sie aufhört. «Humor ist eine gute Waffe», war sie sich schlussendlich mit Huber einig. Manchmal hatte das Pressegespräch gar philosophische Züge. Ein herrliches Schauspiel – und nicht mal auf der Bühne.
Start am 15. Juli
Im Januar starteten die Vorbereitungen und seit einem Monat wird auf der Seebühne geprobt. Ein Stück, das polarisiert, bei dem man in manchen Passagen beim Lachen fast ein schlechtes Gewissen hat. «Solange man hinter dem steht, was man in der Rolle verkörpert, ist alles gut», findet Schauspieler Adrian Burri. Ein Journalist stellte zuvor die Frage, ob sie «heikle» Stellen anpassen würden, wenn das Publikum nicht wie erwartet reagieren würde. Unverfänglichere Reaktionen sind hingegen bei der Musik zu erwarten. Von marzialischen Heimatgesängen, wie Huber scherzt, über Disco, Swing bis zu Blouse. Philippe Frey spricht von «genialen Kompositionen» und Giuseppe Spina merkte zu dem Thema an, wie viel Spass es mache, als Schauspieler für einmal im Chor mitzusingen – Der Regisseur versuchte indes, die Anzahl Akteure auf der Bühne aufs Nötigste zu reduzieren, was sie im Nachhinein als guten Entscheid erwies. Und das ist nicht der einzige gute Entscheid, welchen Leopold Huber bei dieser Produktion getroffen hat. Man kann sich freuen – ohne schlechtes Gewissen.
Desirée Müller