«Ich bin kein Schönwetter-Captain»
Ein Besuch des neuen Produktionswerks der V-Zug in Sulgen
Ein dreistündiger Exkurs in die Welt der Kühltechnik. Man merkt schnell, dass die Zukunft der Kühlschränke enormes Potenzial hat.
Ein dreistündiger Exkurs in die Welt der Kühltechnik. Man merkt schnell, dass die Zukunft der Kühlschränke enormes Potenzial hat.
Sulgen Andreas Albrecht läuft mit zügigen Schritten durch das neue Produktionswerk in Sulgen, tauscht sich unterwegs kurz mit Kollegen aus, stellt mir diverse Leute vor und strahlt eine Souveränität aus, die einem fast blendet – im positivem Sinne. Der Rundgang führt von den Büroräumen, über den „Raum der Wahrheit“ bis zur Fertigung, wo die Kühlschränke von Robotern transportiert werden und in der 100% auf Herz und Nieren geprüft werden. In den nächsten drei Stunden lerne ich gefühlt so viel, wie in der ganzen Sekzeit. Physik, Naturwissenschaft, Mathe und Werkunterricht– alles ist dabei.
Einzelbüros kann man an einer Hand abzählen, die Räume sind überlegt angeordnet, lassen Freiraum zum barrierefreien Reden aber fühlen sich nicht wie Grossraumbüros an. Die Entwicklungsabteilung erinnert an einen kleinen Urwald, gesäumt von Grünpflanzen. Die Mitarbeitenden sind in dem Dickicht fast nicht zu erkennen. Ein lustiges Bild, wenn sie zur Begrüssung die Köpfe heben. Im Mittelgang ist die „Relaxe-Zone“, Kaffee und Getränke sind gratis, Sofas und Lounges laden zum Entspannen ein. Links davon befinden sich die Besprechungsräume mit einer doch etwas speziellen Aussicht. Von dort aus habt man einen eindrücklichen Blick über die ganze Produktionsstätte. Mitarbeitende wuseln klein wie Ameisen hin und her, es herrscht eine ansteckende Dynamik. „Bei der Planung hatten wir einen Lego-Workshop“, sagt der CEO und beobachtet für einen Moment zufrieden das emsige Treiben. „Jeder Legostein stellt eine Maschine dar, die wir dann am sinnvollsten in der Halle platzierten.“
Der Weg führt einen Stock höher in eine exklusive Lounge, die absolut gar nicht an eine Produktionsstätte erinnert. Nicht die Küche mit den modernsten Gerätschaften, die spektakuläre Aussicht auf die Felder und den Wald oder der meterlange Esstisch lassen mich vor Begeisterung klatschen. Nein, es ist der charmante „Refresh Butler“, der mich fasziniert. Nach einem Duftintensiven Fondue-Essen nach dem Motto „E chli schmöcke muess es“, übergibt man das Sakko oder die Jacke einfach vertrauensvoll dem Butler – einen kleinen Raum, in dem das Wunder geschieht. Raum. Mittels der von V-ZUG entwickelten Weltneuheit „Photokatalyse“ werden Kochgerüchte oder Zigarettenrauch mittels Dampf aus den Kleidern entfernt. Dazu werden Trag- oder Knitterfalten reduziert.
Und dann geht es ab in die Produktion, dem Herzstück des neuen Standortes. Hier wird schliesslich das Geld verdient. Zu Beginn betreten wir den Musterbau, wo die «Michel Angelos» der Kühltechnik die neue Generation der Kühlschränke entwickeln. Entwicklungsleiter Max Arnold schaltet sich via Teams dazu. Die Entwicklung ganz neuer Technologien dauert etwa zwei Jahre, der Kühlschrank der Zukunft steht somit vielleicht bereits neben mir. Ein Kühlschrank der sich meldet, wenn es ihm „nicht gut geht“ und den Techniker ruft. Ein Kühlschrank der noch smarter und mit dem Handy gesteuert wird und durch die schlänkeren Materialien immer mehr Platz auf kleiner Fläche bietet. Langsam verstehe ich die Begeisterung der Mitarbeitenden. Das Potenzial ist riesig.
Neben der Werkstatt befindet sich der bereits angekündigte das Mess und Prüflabor - der «Raum der Wahrheit». Hier wird getestet, was das Zeug hält. Eine mit Hydraulik angetriebene „Hand“ öffnet und schliesst die Kühlschranktür 120‘000 Mal. Daneben werden sie extremen Situationen ausgesetzt um zu testen, ob sie bei jeglichen Aussentemperaturen funktionieren. Mir gänzlich neu: Mit dem Handy kann so manches vom Kunden gesteuert werden. Hier wird justiert, gemessen, korrigiert und auch mal ein Plan verworfen. Im Raum der Wahrheit arbeiten nur die besten Ingenieure, Techniker und Elektroniker. Sie tragen die grosse Verantwortung, dass die Kundin und der Kundin am Ende des Tages das erhalten, was ihnen versprechen wurde.
Und dann betreten wir die riesige Halle, so gross wie gefühlt zehn Flugzeughangare. Mindestens 60 Prozent Swissness herrscht hier drin. 145‘000 Kühlschränke können hier jährlich produziert werden. Wenn nötig auch mehr, aber die V-ZUG will langsam wachsen. Lieber ein Premiumprodukt bleiben und selektiv ins Ausland expandieren. Zum Beispiel in Paris, London oder München oder auf viele Teilen auf der Welt, können potenzielle Kunden bereits ZUGORAMA`s besuchen und sich von den Produkten überzeugen. Ich spreche mich einigen Mitarbeitenden. Was sich denn verändert habe am neuen Standort, frage ich. Vor allem die ergonomischen Arbeitsplätze werden hervorgehoben, geschleppt wird nicht mehr. Andreas Albrecht führt vor, wie man mit ein paar Eingaben den Platz automatisch genau nach seinen Bedürfnissen einrichten kann. „Kein Kühlschrank berührt mehr den Boden.“ Auch das Tageslicht macht Eindruck bei dem Team, man bleibe länger fokussiert und werde nicht so schnell müde, heisst es. In der Tat ist es sehr hell und einladend in der Halle. Dann stellt er mir Andrea vor, eine Meisterin in Sachen löten. Sie stiess vor sechs Jahren zur V-ZUG-Familie, damals in der Montage angestellt. „Und dann kam sie und meinte, dass sie löten wolle. Sie habe in der Heimat Autos geschweisst. Heute ist eine unserer beste Löterin.“ Der CEO erkennt gemeinsam mit den Abteilungsleitern die Begabungen der Mitarbeitenden. Die Namen kennt er übrigens von jedem Einzelnen, ich habe grossen Respekt, so stammen die Leute aus den verschiedensten Teilen der Welt und tragen demnach für uns teils fremde Namen. „Gehirntraining“, sagt der Chef und hebt die Schultern an. „Wir sind auch alle per Du, das gibt mir einen anderen Zugang zum Team. Wertschätzung und Respekt ist mir enorm wichtig.“ Albrecht ist ein „Schaffer“, arbeitete auf dem Bau als Elektromonteur, dann in der Industrie. Und es sind keine Zum Schluss besuchen wir Projektleiter Daniel Minder, sozusagen der Schlussmann. In den Venen seiner Arbeitskollegen fliesst Öl statt Blut. Roboter empfangen an einer Rampe fertige Kühlschränke, platzieren sie an den richtigen Ort und leiten die finale Prüfung ein. Ich muss lachen, das Bild ist köstlich. Ein Bild, dass man nur aus Science Fiction Filmen kennt, wo Roboter die Weltherrschaft übernehmen. Sie flitzen koordiniert umher, halten an, um ihren Kollegen den Vortritt zu geben und sehen einfach nur herzig aus. 35-60 Minuten dauern die letzten Tests, je nach Model, bevor sie verpackt und verschickt werden. Und dann ist es nicht nur für mich Zeit, Adieu zu sagen. Auch die Kühlschränke machen sich auf den Weg zu ihren neuen Besitzern.
Von Desirée Müller
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